Advent, Advent, 1 Monat weihnachtliche Laufzeit geschenkt.

Nicht bis zur Bescherung warten, Aktion nur gültig bis zum 18.12.2016!

Textversion des Videos

Transkript „Lenz“ – Entstehungsgeschichte (Büchner)

Georg Büchner: Lenz - Entstehungsgeschichte

Im März 1835 muss, der in Deutschland wegen Hochverrates steckbrieflich gesuchte Georg Büchner, nach Straßburg fliehen. Denn als Mitautor des Flugblatts “Hessischer Landbote” droht ihm die Verhaftung. Hier thematisierten die Autoren vor allem die sozialen Missstände der Zeit sowie die Macht der Fürsten.

Bei seinem früheren Studienaufenthalt in der französischen Stadt Straßburg hatte er die Brüder August und Adolph Stoeber kennengelernt. Sie überlassen ihm umfangreiches Material zum Sturm und Drang-Dichter Reinhold Lenz und dem Reformpfarrer Johann Friedrich Oberlin. Es handelt sich um einen Bericht des Pfarrers über einen 20tägigen Aufenthalt des geisteskranken Schriftstellers bei ihm in den Vogesen.

Der 1740 geborene Oberlin hatte sich einen Namen als sog. Reform-Pfarrer gemacht. In seiner elsässischen Gemeinde hatte er deswegen immer wieder Schwierigkeiten mit der Landbevölkerung. Der Dichter Lenz ist vom 20. Januar bis zum 8. Februar 1778 bei ihm zu Gast. Trotz intensiver Bemühungen verschlechtert sich sein Zustand. Oberlin sieht sich schließlich gezwungen, den an paranoider Schizophrenie erkrankten Lenz nach Straßburg zu schicken. Dieser Vorfall bedeutet ein Misserfolg für den Pfarrer. Dabei trifft ihn keinerlei Schuld an der Krankheit von Lenz. Um sich zu entlasten, zeichnet er alle Einzelheiten über Lenz Aufenthalt auf.

Was Büchner bewog aus diesem Material eine Erzählung zu machen, ist nicht eindeutig belegt. Einige Quellen deuten auf die Verarbeitung eigener Depressionen hin. Zum Beispiel ein Brief an seine Verlobte Wilhelmine Jeagle: “Meine geistigen Kräfte sind gänzlich zerrüttet”, schreibt er ihr.

Wahrscheinlich handelt es sich jedoch um eine Auftragsarbeit. Büchners Herausgeber Karl Gutzkow fordert nach dem Erfolg von “Dantons Tod” neues Material. Büchner bietet ihm eine Novelle über Lenz an. Büchner kannte und schätzte die Texte des Sturm und Drang-Dichters Lenz. Er sah in Lenz’ Schaffen ein Gegenprogramm zu Goethe uind Schillers Weimarer Idealismus. Sein Interesse an Lenz und dessen Wahnzuständen ist allerdings nicht nur literarisch. Es ist das Interesse eines Mediziners und Naturforschers.

Etwa zeitgleich mit der Erzählung Lenz arbeitet Büchner im Winter 1835/36 an seiner Dissertation über die Schädelnerven einer Karpfenart. Vergleichbar mit der Vorgehensweise eines Gerichtsmediziner betreibt Büchner an dem geisteskranken Lenz eine Art wissenschaftlicher Autopsie. Diese naturwissenschaftliche Sichtweise verbindet sich bei Büchner mit einer poetischen Sprache, die bis heute modern wirkt. Die immer wieder auftauchende Formel: "Es war ihm alles so klein, so nahe, so naß, er hätte die Erde hinter den Ofen setzen mögen" -- "Es war als ginge ihm was nach" -- "Es war ihm als sei er blind" -- "Es war ihm als müsse er sich auflösen" usw. Büchner übernimmt wortwörtlich ganze Passagen aus Oberlins Bericht über Lenz psychischen Zusammenbruch.

Ein Textvergleich allerdings zeigt: Büchner hat nicht einfach abgeschrieben. Büchner hat den Text künstlerisch verändert. Oberlin schreibt in der Ich-Form, Büchner wählt die distanziertere ER-Form. Büchner zerlegt den Text in kurze Sätze. Teilweise bleiben nur unvollständige Fragmente stehen. Sie zeigen anschaulich, wie zerrissen Lenz Seele ist. Und schließlich hat Büchner ganze Passagen aus Oberlins Aufzeichnungen gestrichen, dafür Eigenes hinzugefügt.

Oberlin berichtet von einem Selbstmordversuch Lenz mit einer Schere. Büchner ließ dies weg. Dafür hat er das berühmte Streitgespräch über Kunst zwischen Lenz und seinem Freund Kaufmann eingefügt. Büchner legt Lenz seine eigene Auffassung eines modernen Realismus in den Mund. Kaufmann vertritt den Idealismus eines Schiller. Büchner lehnte das ab.

Informationen zum Video
1 Kommentar
  1. Default

    Sehr anschaulich. Leider ist die Stimme nicht so schön anzuhören weil sie immer wieder abgehackt wird.
    Mit der Übung danach habe ich auch meine Probleme da ich nicht finde das nur eine Antwort richtig ist. LG

    Von Julialaura, vor fast 2 Jahren