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Transkript „König Ödipus“ – Entstehungsgeschichte (Sophokles)

Kennst du Dionysos? Er ist der Gott des Weines, der Trauben, der Freude, der Fruchtbarkeit und der Ekstase. Ihm zu Ehren wurde im Griechenland der Antike jährlich ein Fest gegeben, bei dem oft Tragödien von Sophokles aufgeführt wurden. Wenn du dir Sophokles nun aber betrunken vorstellst und denkst, „König Ödipus“ sei eine Schnapsidee gewesen, dann irrst du dich.

Das Dionysos-Fest

Beim Dionysos-Fest feierten die Bewohner Athens, dass der harte Winter vorbei war. Teil des Festes war ein Umzug durch die Stadt. Ein genauso wichtiger Bestandteil war ein Dichter-Wettkampf. Viele Dichter schrieben Tragödien oder Komödien und reichten sie einige Monate vor dem Fest ein.

Das Satyrspiel

Ein Beamter wählte dann drei Tragödien-Dichter aus, von denen je drei Tragödien sowie ein Satyrspiel vorgetragen wurden. Ein Satyrspiel ist eine Art Schwank, ein heiteres Nachspiel. Die Stücke wurden an jeweils einem Tag des mehrtägigen Festes aufgeführt. So saßen die Zuschauer während des Dionysos-Festes jeweils etwa acht Stunden pro Tag im Theater!

Uraufführung des „König Ödipus“

Sophokles war schon oft ausgewählt worden. Er soll beim Wettkampf insgesamt bis zu 24 Mal gesiegt haben und nie Dritter geworden sein. So auch dieses Mal: Als „König Ödipus“ ca. 425 vor Christus uraufgeführt wurde, gewann es zwar nicht, aber es landete auf Platz zwei. Sophokles war damals schon 72 Jahre alt.

Er, der einer vornehmen Familie entstammte und eine sehr gute Ausbildung genoss, war zu der Zeit längst ein gefeierter Dichter. Doch nicht nur das: Sophokles nahm auch politische Ämter wahr und stand dem damaligen Herrscher, Perikles, nah. Sophokles erlebte das “goldene Zeitalter” Athens. Als er 497 oder 496 vor Christus geboren wurde, tobten die Perserkriege.

Die Entwicklung der Demokratie

Während Sophokles’ Erwachsenenzeit führte Perikles Reformen durch und trieb die Entwicklung der Demokratie voran. Männer mit Bürgerrechten konnten nun bei der Volksversammlung wichtige Beschlüsse mitbestimmten. Frauen und Sklaven jedoch waren davon ausgenommen.

In der Zeit, als Sophokles den „König Ödipus“ schrieb, tobte der Peloponnesische Krieg. Fast zeitgleich mit Sophokles` Tod 405 oder 406 vor Christus neigt sich auch die Blütezeit Athens dem Ende zu. Athen wurde von den Spartanern geschlagen.

Die Idee hinter Sophokles Tragödie

Woher nahm Sophokles seine Ideen für die Tragödie? Natürlich hat Sophokles die Geschichte um Ödipus nicht komplett selbst erfunden. Ihr liegt die Sage der Labdakiden zugrunde. Die Sage kannte damals jeder Mensch. Die Griechen wuchsen mit Sagen auf und kannten sie so gut, wie man heute vielleicht noch Märchen kennt.

Die Sage der Labdakiden

Sie hatten also dieses Vorwissen und konnten die künstlerische Ausgestaltung der Sage wahrnehmen und schätzen. Was ist diese Sage der Labdakiden und wo kommt sie her? Woher sie kommt, lässt sich schwer beantworten. Sie taucht bereits 700 vor Chrsitus in einem Buch der Odyssee von Homer auf. Dort sind allerdings die Selbstblendung des Ödipus und seine Verstoßung nicht Teil der Geschichte. Auch dass Ödipus selber seinem Verbrechen auf die Spur kommt und die ganze Tragödie als Prozess der Wahrheitsfindung angelegt ist, ist neu bei Sophokles. In der Sage ist es aber ein Brief der Königin Merope, welcher über Ödipus` wahre Identität aufklärt.

Zusammenfassung der Sage

Die Sage sei hier nochmals kurz zusammengefasst: Urvater des Geschlechts ist Labdakos, daher der Name „Labdakiden“.Der Sohn von Labdakos, Laios, hat Schuld auf sich geladen. Er hat einen Jüngling, der in ihn verliebt war, entführt. Daraufhin wird das Geschlecht der Labdakiden mit einem Fluch belegt. Laios wird König und erhält die Voraussage, dass sein Sohn ihn töten und seine eigene Mutter, also Laios’ Frau, heiraten würde.

Als Laios Vater wird, will er den Sohn daher töten lassen. Er durchstößt ihm die Fußgelenke und gibt das Baby einem Hirten mit. Dieser soll es in der Wildnis aussetzen. Doch der Hirte hat Mitleid und übergibt den Säugling einem anderen Hirten. Dieser bringt ihn zum korinthischen König. Der und seine Frau ziehen ihn groß. Sie nennen ihn Ödipus, was Schwellfuß bedeutet.

Als Ödipus durch ein Orakel erfährt, dass er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten wird, flieht er vor seinen vermeintlichen Eltern. An einer Wegkreuzung erschlägt er König Laios im Affekt. Somit hat sich der erste Teil der Prophezeiung erfüllt. Er kommt nach Theben und löst das Rätsel der Sphinx. Zur Belohnung wird er König und bekommt Iokaste, die Witwe des König Laios, zur Frau. So hat sich der zweite Teil der Prophezeiung erfüllt: Ödipus hat seine eigene Mutter geheiratet.

Resümee

Dieser Sage und dem Weingott Dionysos haben wir also eine der wichtigsten Tragödien der ganzen Weltliteratur zu verdanken. Die Tragödie, die damals beim Dionysos-Fest den ersten Platz belegte, ist übrigens nicht mehr erhalten. Sie stammte von einem gewissen Philokles.

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1 Kommentar
  1. Default

    sehr cool

    Von Fam Merwerth, vor etwa 2 Monaten