Klassisches Drama 07:24 min

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Transkript Klassisches Drama

Hallo, liebe Schüler und Schülerinnen! Hier ist wieder euer Leo. Heute geht es um das klassische Drama. Als Vorwissen empfehle ich Euch das Video über die Weimarer Klassik. Dort erfahrt Ihr alles Wichtige über die Epoche, um die es heute gehen wird. Ihr kennt vielleicht das Video über das bürgerliche Trauerspiel. Dort habt Ihr erfahren, dass die Gattung "Bürgerliches Trauerspiel" nicht epochengebunden ist. Das klassische Drama ist zwar auch nicht wirklich epochengebunden, weil eine Dramengattung immer von den Eigenschaften des Dramas selbst abhängt, jedoch ist es beim klassischen Drama in Deutschland so, dass man in der Regel die Weimarer Klassik meint und dabei die Dramen von Schiller und Goethe. Ihr müsst aber bei den beiden immer darauf achten, von wann ihr Werk ist: Beide haben während ihrer "Sturm und Drang"-Zeit ganz anders geschrieben als später in den Weimarer Jahren. Nach Schillers Tod hat Goethe überhaupt wenig Dramen geschrieben. Das heißt, wenn man von klassischen Dramen dieser Autoren spricht, dann nur aus einer bestimmten Periode. Es geht um Dramen in Deutschland, die nach 1786 entstanden sind. Der Begriff der Klassik selbst ist etwas größer, aber das soll uns hier nicht stören. Was heißt eigentlich "Klassisches Drama"? Also: Das Wort "Klassik" stammt vom lateinischen "classicus" (zum ersten Rang gehörig). Der Begriff kommt aus der römischen Antike und erweiterte sich in den nächsten Jahrhunderten derart, dass man zu Zeiten Goethes mit "Klassik" große Kunst der griechischen und römischen Antike meinte. Später im 19. Jahrhundert fing man an, das Viergestirn von Weimar - Goethe, Schiller, Wieland und Herder - als die Weimarer Klassik zu bezeichnen. Anhand der Geschichte des Wortes sieht man aber schon, mit was "Klassik" verbunden ist: mit der Antike. Besonders die griechischen Dichter haben es den Deutschen zu dieser Zeit angetan. Man hat sich nicht nur die Vorbilder Aischylos, Sophokles und Euripides vorgenommen, sondern auch die aristotelische Poetik. Wir müssen daraus nichts zitieren. Es reicht uns zunächst mal festzuhalten, dass man durch eine geschlossene Form, also durch klare Verse, einen zusammenhängenden Handlungsstrang und menschliche Größe ein Zusammenspiel der Harmonie erreichen wollte, das, wie die Dramatiker glaubten, das Wichtigste in der Kunst ist. Weil wenn die Kunst harmonisch ist, dann ist sie wie die Natur, und wenn sie wie die Natur ist, dann ist sie perfekt, und die Griechen waren wie die Natur - dachten sie zumindest. So - wir waren bei Goethe und Schiller in den Weimarer Jahren. Zunächst zu Goethe und seinen klassischen Dramen. Wir müssen hier nicht alle aufzählen. Nehmen wir die wichtigsten: "Egmont", "Torquato Tasso" und "Iphigenie auf Taurus". Schauen wir uns mal die "Iphigenie" näher an: Goethe hat sich bei der Stoffwahl an den Stücken "Orestie" von Aischylos und "Iphigenie bei den Taurern" von Euripides orientiert. Besonders das Stück Euripides' galt ihm als Vorlage. Und wie wir jetzt wissen, weist die Verbindung zu den Griechen darauf hin, dass hier diese als Ideal des Menschen dienen sollen. Iphigenie soll als Verbindung zwischen Pflicht und Gefühl zu einer harmonischen Auflösung der Probleme in dem Stück führen. Goethe bezeichnet die Figur der Iphigenie selbst als "teuflisch human". Eine Eigenschaft, die klassische Dramen zusätzlich ausmacht, ist die sprachliche Form. Iphigenie ist im Blankvers geschrieben, das heißt ein reimloser 5-hebiger, jambischer Vers, der im männlichen Vers aus 10, im weiblichen aus 11 Silben besteht. Und wie Jambus betont ist, wisst Ihr. "Jam-bus" ist das Wort, also genau umgekehrt: unbetont, betont. Der Blankvers galt als besonders reiner und klarer Vers ohne Schnörkel, und deshalb geeignet für ein harmonisches Drama. Zudem wird ein klassisches Drama in 5 Akte gegliedert, um alle wichtigen Aspekte des aristotelischen Dramas darzustellen: Einführung, Steigerung, Höhepunkt, Verzögerung und Katastrophe und Auflösung. Im Fall Iphigenies ist es besonders einfach, von einem klassischen Drama zu sprechen, weil es sich offensichtlich auf die Antike bezieht und sehr streng zu einer Einheit zusammengebaut ist. Im Falle Schillers ist das schon etwas schwieriger: Er hat kein fertiggestelltes antikes Drama hinterlassen. Zu seiner klassischen Zeit hat er historische und nationale Stoffe verwendet. So gehören zu Schillers klassischen Werken die Wallenstein-Trilogie, "Maria Stuart" und "Wilhelm Tell". Wenn man hier auf "Maria Stuart" guckt, dann lohnt es sich, etwas über Schillers Ansichten zum Menschen zu erfahren. Am Besten kann man das in seiner Abhandlung "Über die ästhetische Erziehung des Menschen" sehen. Es würde hier den Rahmen sprengen, sich damit genau zu beschäftigen, also keine Angst. Wichtig bleibt nur, grob festzuhalten, dass dort wegen der Enttäuschungen durch die Französische Revolution Schiller sich nicht nur auf die Vernunft bezieht, sondern zu einer Harmonie zwischen Gefühl und Vernunft strebt, die die Kunst beim Menschen auslösen kann. Im Stück versucht Schiller, den Prozess der werdenden Humanität anhand der verstoßenen schottischen Königin Maria Stuart zu zeigen. Also verfolgt auch Schiller ein menschliches Ideal, das er wie viele andere auch in der Antike eingelöst sieht. Und wie war "Maria Stuart" formal aufgebaut? Richtig, Blankvers, also 5-hebiger Jambus und 5 Akte! Also: Was macht ein klassisches Drama aus, zusammengefasst? Ein menschliches Ideal nach dem Vorbild der griechischen Antike zu besitzen, einen einheitlichen zeitlichen und örtlichen Rahmen zu haben, eine klare sprachliche Form, meistens im Blankvers geschrieben und im Aufbau von 5 Akten, die eine klare Funktion haben. Ihr werdet noch viele Dinge sehen, die zu klassischen Dramen dazugehören können, wie die Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution oder die Frage nach der Individualität. Also vergesst nicht: Es geht immer weiter! Also, das war's für dieses Mal. Tschau!

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1 Kommentar
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    SEHR gut !!! Danke

    Von Halikhanian, vor etwa einem Jahr