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Transkript Johann Christoph Gottsched – Leben und Werk

Johann Christoph Gottsched: Leben und Werk

“Zeit, Ort und Handlung bilden eine Einheit!” Gemäß dieses Prinzips orientiert sich Johann Christoph Gottsched an antiken Vorbildern. Im 18. Jahrhundert galt er als einer der einflussreichsten und umstrittensten Dichter, Philosophen und Theaterreformer. Seine “Regeln” sollten nicht lange gültig sein. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts stellten Lessing, Herder und andere Stürmer und Dränger seine Forderungen in Frage.

Gottsched wurde im Jahr 1700 bei Königsberg geboren. Mit vierundzwanzig Jahren floh er vor den Soldatenwerbern des preußischen Königs. Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nicht, dass ihm in Leipzig eine glänzende Karriere als Publizist und Theaterreformer bevorstand. Mit dreißig Jahren war er bereits Professor für Poesie an der Leipziger Universität, mit vierunddreißig Professor für Logik und Metaphysik.

Ab 1725 gab der Frühaufklärer mehrere moralische Wochenschriften in deutscher Sprache heraus, unter anderem „Die vernünftigen Tadlerinnen“ und den „Biedermann“. Sie waren nach dem Vorbild englischer “moral weeklies” angelegt. Sie behandelten in lehrhafter Form und familiärem Ton Themen aus dem bürgerlichen Alltagsleben, hauptsächlich für Leserinnen. Somit wurden erstmals auch Frauen als Lesepublikum angesprochen.

Gottsched hatte Theologie und Philosophie studiert. Er war begeisterter Anhänger der Schriften von Gottfried Wilhelm Leibniz und Christian Wolff. Wie seine Lehrer nahm auch Gottsched an, dass Vernunft den Menschen befähige, die Ordnung und Harmonie der Schöpfung zu erkennen. Nur in der Nachahmung der Natur konnte für Gottsched ein Kunstwerk schön sein, da Gott alles nach Maß, Zahl und Gewicht erschaffen habe. Was von der Natur abweicht, hielt er für geschmacklos.

Gottsched schrieb die einflussreichste Dichtungstheorie seiner Zeit, den „Versuch einer critischen Dichtkunst vor die Deutschen“. Er wurde 1729 verfasst und ist eine an der antiken Rhetorik orientierte Stil- und Reimlehre, die anhand von Beispielen erläutert wird. Zugleich ist der „Versuch“ ein Lehrwerk speziell für Gedichte. Gottsched stellte neben antiken auch neuere Dichtungsformen vor.

Er war der Meinung, Dichter der Neuzeit müssten an antike Muster anknüpfen. Dichtung sollte erfreuen und belehren. Gottsched nahm an, die klassischen Regeln der Dichtkunst würden unabhängig von Ort und Zeit gelten. Mittels dieser Regeln solle ein Dichter zu poetisch geformter Sprache gelangen.

1732 schrieb Gottsched sein berühmtestes Stück „Der sterbende Cato“ ausdrücklich als „Mustertragödie“. Jedes Drama, so Gottsched, müsse auf einem moralischen Lehrsatz gegründet sein. Gottsched propagierte die Einheit von Ort, Zeit und Handlung sowie die Wahl eines historischen Stoffes, genau wie die antike Regelpoetik des Aristoteles. Die Ständeklausel blieb erhalten. Tragödien spielten im öffentlich-staatlichen Bereich, Komödien hingegen im Privaten. Nur Angehörige der Oberschicht konnten zu Helden einer Tragödie werden.

Ab 1727 setzte sich Gottsched gemeinsam mit Karoline Neuber für Texttreue, historisch stimmige Kostüme und eine Aufwertung des Schauspielerberufs ein. Die Neubersche Truppe führte vor allem Werke der französischen Klassiker Corneille und Racine auf. Zwischen 1741 und 1745 ermunterte Gottsched Autoren, neue Dramen zu schreiben und gab “Die deutsche Schaubühne” heraus.

1751 war Gottscheds „Versuch einer critischen Dichtkunst vor die Deutschen“ in vierter Auflage zum Standard-Lehrwerk geworden. Seine Lehre galt jedoch inzwischen als überholt. 1766 starb Gottsched in Leipzig.

Seine Dichtungstheorie war umstritten, jedoch sehr wirkungsvoll. Sie hat nachfolgende deutschsprachige Autoren des 18. Jahrhunderts stark geprägt. Dies geschah unabhängig davon, ob sie die Theorie befolgten oder ihr widersprachen. Dennoch gelten Gottscheds Anforderungen an das Theater als Spiegel der Gesellschaft des frühen 18.Jahrhunderts. Seine Helden entsprachen den Tugenden des Hofes, nicht denen des Bürgertums.

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