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Transkript „Irrungen, Wirrungen“ – Personenkonstellation (Fontane)

Fontane stellt in seinem Roman zwei preußische Lebenswelten vor: die Welt des Adels und die der “einfachen” Leute. Lene Nimptsch ist eine kleinbürgerliche junge Frau. Sie geht mit dem adeligen Botho Freiherr von Rienäcker ein Liebesverhältnis ein.

Dieses Verhältnis sprengt jedoch die Standesschranken ihrer Zeit und hat von daher keine Zukunft. Die Beziehung ist von ehrlicher Zuneigung geprägt und bleibt für beide - trotz späterer Heirat mit anderen Partnern - die einzig wahre große Liebe.

Lene Nimptsch

Lene wird als aschblond, schlank und nicht allzu klein geschildert. Sie zeigt Selbstbewusstsein und Ansätze eines demokratischen Denkens. Sie ist emanzipiert genug, von ihrer eigenen Arbeit leben zu wollen und Botho nennt sie "eine kleine Demokratin". Das ist das, was über ihre Zeit in die Zukunft hinausweist. Botho ist angezogen von ihrer Einfachheit und Natürlichkeit.

Lene schätzt Offenheit, will sich und anderen nichts vormachen. Für ihre Verfehlungen will sie selbst geradestehen. Obwohl sie scharfsinnig die Zukunftslosigkeit ihres Liebesverhältnisses zu Botho erkennt, sind Konventionen für sie bedeutungslos. Was andere über dieses Liebesverhältnis denken, ist ihr egal. Spontan will sie sich ganz dem Gefühl hingeben. So erscheint sie gefasst und souverän.

Es ereignen sich aber auch Situationen, die ihre Kräfte übersteigen. Als sie ihrem ehemaligen Geliebten in Begleitung seiner Frau wiedersieht, bricht sie zusammen.

Botho von Rienäcker

Botho, ihr Liebhaber, ist groß und schlank, hat blonde Haare und blaue Augen. Er fällt durch seinen Charme, seine Zuverlässigkeit und sein Taktgefühl auf. Er respektiert alle gesellschaftlichen Klassen. Adelige Borniertheit, wie sie sein Onkel Kurt von Osten hat, ist ihm fremd.

Der toten Frau Nimptsch bringt er die versprochenen Blumen auf ihr Grab, mit dem Fabrikmeister Gideon Franke spricht er offen über seine Liebe zu Lene und er bekennt ehrlich: "Jeder Stand hat seine Ehre.”

Botho neigt aber auch zu sentimentalen Gedanken. Er verhält sich korrekt und weiß, was er anderen schuldig ist. Im Gespräch mit Franke hat er daran Anteil, dass es Lene in Zukunft gut haben wird. Das Verhältnis mit ihr beendet er ehrlich.

Kurt von Osten

Kurt von Osten ist Bothos Onkel und sein Gegenteil: Er ist laut und konservativ, intolerant und sehr von sich selbst überzeugt. Er neigt zu autoritären Urteilen, cholerischen Ausbrüchen und ist rückständig. Josefine von Rienäcker, Bothos Mutter, mahnt ihren Sohn brieflich zu einer standesgemäßen Heirat.

Käthe von Sellenthin

Käthe von Sellenthin neigt zu Heiterkeit bis hin zur Albernheit, ist aber offen für neue Erfahrungen. Sie ruft in Botho nicht die gleichen Gefühle hervor wie Lene.

Frau Dörr

Frau Dörr zeigt eine andere Art von niederem Stand als Lene. Sie neigt zum Egoismus, ist laut und rücksichtslos. Sie gönnt aber Lene ihr Glück mit Botho, obwohl sie selbst einmal in einem Liebesverhältnis mit einem Grafen weniger Glück hatte. Das Verhältnis Lenes zu ihrer Pflegemutter Frau Nimptsch ist zwar von wechselseitiger Fürsorge geprägt. Sie ist jedoch familiär weniger gebunden.

Frau Nimptsch

Frau Nimptsch akzeptiert die Menschen, wie sie sind. Sie wird wegen ihrer Ruhe und Beständigkeit geschätzt und ist auf ihren Tod vorbereitet.

Schluss

Lene ist in der Liebesbeziehung, die im Vordergrund der Romanhandlung und der Figurenkonstellation steht, die moralisch Überlegene. In der Verabschiedungsszene zwischen Botho und Lene dominiert sie. Dies geschieht vor allem durch ihre realistische, von Weitsicht geprägte Aussage: "Auge und Liebe gehören immer zusammen."

Die Beziehung der beiden beruht also einerseits auf Gleichheit, auf ehrlichem Gefühl und wechselseitigem Respekt. Andererseits jedoch tritt auch eine widersprüchliche Ungleichheit auf den Plan: Botho vertritt in dem Roman den überlegenen Stand, Lene das überlegene Denken.

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