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Transkript „Irrungen, Wirrungen“ – Entstehungsgeschichte (Fontane)

Der Roman "Irrungen, Wirrungen" begründete dereinst Theodor Fontanes Ruhm als Romanschriftsteller. [...] Entscheidend für diesen Liebes- und Gesellschaftsroman sind die gesellschaftlichen Zustände im preußischen Berlin nach der Gründung des Deutsches Reiches 1870/71.

Damals war eine Heirat zwischen Adeligen und Kleinbürgern beinahe unmöglich. Dennoch waren Verhältnisse zwischen adeligen Männern und Frauen aus der Unterschicht durchaus nicht unüblich, sie wurden gesellschaftlich weitgehend toleriert. Sie durften nur eben nicht zu einer Eheschließung führen. In diesen Zeitgeist bettet Fontane die Erzählung um die bürgerliche Lene und den Adeligen Botho ein.

Häufig sind Fontanes Romane nicht nur vom historischen Hintergrund, sondern auch von realen Persönlichkeiten und lokalen Geschehnissen inspiriert. Im Fall von “Irrungen, Wirrungen” konnte man aber eine reale Liebe zwischen einem Adeligen und einer Kleinbürgerin als Vorlage nicht nachweisen.

Gleichwohl kurz nach der Veröffentlichung eine Dame im Alter von 46 Jahren beim Autor vorsprach, die behauptete, sie sei Lene und er habe ihre Geschichte geschrieben. Dieses Ereignis belegt jedoch nicht den historischen Ursprung der Geschichte. Es spricht vielmehr dafür, mit welchem Geschick der Autor realistisch schreiben konnte. Denn die Geschichte hätte ohne Weiteres so oder ähnlich passieren können.

Nicht ohne Grund zählt man Fontanes Werk zur literarischen Epoche des Bürgerlichen Realismus. In dieser Zeit waren eine vorwiegend wirklichkeitsnahe Schilderung von Handlungen, Ereignissen, Orten und Charakteren üblich.

Die Figuren in seinen Romanen gehörten häufig dem Bürgertum an. Fontane selbst vertrat die Auffassung, dass der moderne Roman die Aufgabe habe, "einen Kreis von Menschen zu schildern, der ein unverzerrtes Wiederspiel des Lebens ist, das wir führen."

Im Jahre 1882 entwarf Fontane erstmals einen Plan für eine Novelle, den er selbst für gewagt hielt. Er arbeitete aber gleichzeitig an mehreren anderen literarischen Projekten. Im Frühjahr 1884 kam es zu einer zusammenhängenden, kontinuierlichen Arbeit an "Irrungen, Wirrungen". Im Tagebuch hielt Fontane die tägliche Beschäftigung mit dem Roman fest.

Im Mai betrieb er lokale Studien. So besuchte er z. B. auf der Jungfernheide das Hinckeldey-Kreuz, das Botho auf seinem Spaziergang im Roman besuchen wird. Außerdem sah er auch den Jacobifriedhof. Er zeichnete Skizzen und topografische Entwürfe etwa zu dem Dörrschen Grundstück in sein Notizbuch.

In der zweiten Maihälfte wohnte er in "Hankels Ablage". Dort halten sich auch Botho und Lene auf. Dass die Liaison zwischen den beiden ein gesellschaftskritisches Moment in sich trägt, dass sich mit dem Stände-Denken auseinandersetzt, schwebte ihm bereits deutlich vor. Ihm war bewusst, dass ein solcher Roman in seiner Zeit auch Anstoß erregen kann und wird.

Er beendete die Erstfassung am 24. Mai 1884. Erst Mitte 1886 und im letzen Viertel des Jahres begab er sich an die Überarbeitung. Von März bis Juni 1887 las er den Text Korrektur. Am 13. Juli fiel die Entscheidung für einen Vorabdruck in der Vossischen Zeitung.

Schluss

Fontane war sich sicher, dass das "bessere" Lesepublikum der Vossischen Zeitung in der Lage sein würde "den berlinischen 'Flavour' der Sache [...] herauszuschmecken"4. Er glaubte also, der Roman werde als realistischer Einblick in das Leben in Berlin während der Gründerjahre anerkannt. Tatsächlich wurde der Roman ein großer Erfolg.

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