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Transkript Inhaltsanalyse – Stilistik und Aussageabsicht

Ja, so sind wir nun wieder beim Video der "Inhaltsanalyse" angekommen. Wollen uns jetzt mit dem Abschnitt "Aussageabsicht" beschäftigen, nachdem wir uns mit der Gesamtidee und der Aufgabenstellung beschäftigt haben. Und zu dem Ergebnis gekommen sind, das die Subjekte = "Dichter" und Objekt = "Bär"-Beziehung hier durch ein Gleichheitszeichen deutlich angezeigt wird. Und das wollen wir jetzt ein klein wenig genau untersuchen, um die "Aussageabsicht" Goethes zu extemporieren. Uns also vors geistige Auge die Intention, so heißt das andere Wort für Absicht, zu geben. Und dann vielleicht zu verstehen, was Goethe mit seinem eher lustig daherkommenden Text bezwecken wollte. Gut, "Dichter" Subjekt, "Bär" Objekt. Nachgeordnetes Objekt "Pfoten". Ich habe das hier auch noch mal deutlich gemacht. Mit dem "S" habe ich also den Dichter angezeigt und die Bären habe ich als Objekt mit dem "O" angezeigt. Auf die Bären beziehen sich die Pfoten im Nebensatz. Deswegen ist es ja ein Nebensatz. Dann wird uns dadurch deutlich, dass das Objekt, was im Nebensatz steht, dem Objekt was im Hauptsatz steht, untergeordnet werden muss. Rein von der Analyse her. So, aber wir sind ja hier auch bei der "Inhaltsanalyse" und jetzt wollen wir mal die eigentlichen Bedeutungen von den Worten uns etwas näher vors geistige Auge holen. Und was für ein Mittel haben wir dafür? Nämlich die Verben. Die Verben geben den Nomen eine Richtung, eine Intention. Eine Aussagerichtung. Der Dichter wird mit etwas verglichen. Wenn etwas mit etwas wirklich verglichen wird, dann können wir da auch ein Gleichheitszeichen setzen. Wenn es gleich ist, dann bedeutet das, dass das was über das Objekt gesagt wird, auch für das Subjekt zutrifft. Oder zutreffen soll! Der Dichter ist ein Bär=Bär. Der Dichter hat also auch Pfoten. Was macht der Bär mit den Pfoten? Welche Eigenschaften hat der Bär? Der Bär ist als Einzelgänger bekannt. Der Dichter arbeitet allein in seinem Kämmerlein. Der Bär zehrt von dem, was er mit seinen Pfoten herbeischaffen kann. Er ist ein Raubtier, der sich von der Natur das holt, was er zum Leben braucht. Der Dichter hat nun auch Hände, mit denen er sein Werk vollbringt. Er schreibt, das macht man mit den Händen. Beim Menschen nennt man das Hände, Gliedmaßen, wie auch immer. Etwas lapidar Pfoten. Er hat eine Schreibe in der Hand und klirrt damit das hin, was er für wichtig hält. Er köchelt im eigenen Saft. Das hat etwas auch mit der Zeit zu tun und damit sind wir auch dann wieder bei dem Begriff der "Aussageabsicht". Und müssen das also in die Subjekt-Objekt-Problematik des Zeitalters zurückbinden, in dem Goethe lebte. Aufklärung, Sturm und Drang, Klassik. In allen diesen Zeitaltern ist der Dichter letztendlich ein Einzelkämpfer. Jemand der in seiner Schreibstube sitzt und die Welt zu erklären versucht. Und meist im eigenen Saft köchelt. Und nichts anderes zuwege bringt als das, was ihm sein Genie, was ihm seine Welterfahrenheit in den Pinsel, den er in seinen Pfoten hält, oktroyiert. Das drückt er sozusagen mit dem aus, was ihm die Welt sagte. Objekt Welt, Subjekt Dichter. Wir sehen hier ganz viele Gleichheitszeichen. Bär, Natur, Goethe. Vertreter der Sturm und Drang oder der Klassik. Müssen wir dann noch mal gucken, wann der Text von Goethe entstanden ist. Ob er das geschrieben hat als alter Mann, ob er das geschrieben hat in seiner Straßburgerzeit. Und damit nähern wir uns dann also auch der "Aussageabsicht" des Dichters. Können das knallhart analysieren. Können da ganz knallhart sagen, so und so ist das von Goethe gemeint. Aller Wahrscheinlichkeit nach, jeweils, wenn wir uns nur die äußeren Parameter anschauen. Gut, also ich werde jetzt hier noch ein Gleichheitszeichen setzen beziehungsweise diesen Bezug herstellen. Und das wird ausgedrückt beziehungsweise sprachlich lässt sich das herstellen durch das Wörtchen "gleichen". Dichter werde mit Bären verglichen. Dementsprechend gelangen die Eigenschaften des Bären, in dem Falle die Pfoten, aus denen heraus sozusagen der Dichter zehrt, auch zum Dichter zurück. Das ist die Lösung dieses Textes beziehungsweise die "Aussageabsicht" des Dichters. Kommen wir zur "Stilistik". Stilistik ist die Lehre von den Textmarkierungen, die über das Normative hinausgehen. Also rhetorische Figuren, besondere sprachliche Mittel, um eine Aussage in eine ganz bestimmte Richtung zu lenken. Damit derjenige der den Text liest, auch so versteht, wie der Autor das in seiner Aussageabsicht intendierte. Also was der Plan war. Der Autor hat ganz oft, nicht immer, aber ganz oft hat er eine ganz bestimmte Absicht, in die er seine Leser lenken möchte. Um die Leser zu sensibilisieren, um ihnen ein Tor zu öffnen durch das sie gehen können. Um eine Aussage, die der Dichter ins Auge fasste auch wirklich mit dem Herzen und mit dem Verstand zu begreifen, benutzt jeder Dichter ganz bestimmte, sprachliche Mittel. Und diese sprachlichen Mittel, die äußern sich dadurch, das der Text an manchen Stellen etwas übertrieben daherkommt. Oder untertrieben daherkommt. Also abweicht von dem, was man die normale, umgangssprachliche Markierung nennen könnte. Was vom Sprachfluss abweicht. Das beschäftigt sich also alles letztendlich über den Begriff der "Stilistik". Die Stilistik dient also dazu, wenn man erkannt hat, das es also dieses und jenes sprachliche Mittel gibt beim Dichter. Dann ist derjenige, der also das kennt, in der Lage die besondere Aussageabsicht des Dichters beziehungsweise Schriftstellers - oder auch wenn man `nen sachlichen Text haben, kann auch etwas besonders betont werden. Auf einen Begriff herumgereitet werden. Dann kann das also erkannt werden, analysiert werden.Letztendlich geht es immer noch um Analyse, also um die Erzeugung von Ergebnissen aufgrund textlicher Beschaffenheit. Ich habe hier jetzt Folgendes markiert, wie wir sehen können bei diesem Text. Haben wir das Wort "Dichter", "Bären", die immer an "Pfoten". Das sind alles Begriffe, die letztendlich völlig der normativen, gewöhnlichen Sprachauffassung entsprechen. Und wir haben zwei Wörter, die hier etwas markiert sind. Die also etwas deutlicher, etwas beschreiben. Wir haben einmal das Wort "eignen", was also die Pfoten näher beschreibt. Und insofern die Pfoten in irgendeiner Weise sprachlich hervorhebt. Das sind also nicht irgendwelche Pfoten, die es auch sein könnten, die man sofort auf den Bären zurückbeziehen müssten. Sondern es sind eigene Pfoten. Ja, könnten wir jetzt fragen, gibt es denn auch fremde Pfoten bei einem Bären? Nein, wohl eher nicht. Aber beim Dichter. Beim Dichter! Wer kennt das nicht? Das sich also mancher Dichter mit fremden Federn schmückt, wie es im Beispiel heißt. Von anderen etwas abschreibt und das als sein eigenes ausgibt. Also hat diese Benutzung von "eignen" hier schon eine über das stilistische hinausgehende Bedeutung. Goethe will damit anzeigen, dass also der Dichter, der an eignen Pfoten zehrt, letztendlich dem Dichterberuf, dem Dichterdasein, in ganz gewisser Weise besonders entspricht. Der, der fremde Pfoten, also eine fremde Schreibe benutzt, der also bei anderen klaut, der wird von Goethe hier herausgenommen. Der auf den trifft das nicht zu. Dadurch das er hier "eignen" benutzt. Das ist also eine stilistische Markierung. Dann haben wir noch das Wort "zehren". Zehren ist also ein Wort, was in unserer heutigen Sprache relativ selten benutzt wird. Früher zu Goethes Zeiten gab es die Auszehrung oder Tuberkulose, wie man sie also auch nannte. Eine Volkskrankheit, die weit verbreitet war. Das Wort "zehren" ist immer mit etwas Negativem besetzt. Das man also aus der eigenen Kraft heraus etwas schafft, aber von außen also wenig dazu kommt. Man also im eigenen Saft vermodert, zugrunde geht, Kraft verliert. Sich also verzehrt nach etwas oder nach jemandem. Deshalb benutzen wir das heute also auch manchmal noch, aber auch eigentlich mehr nicht. Sehnsucht, etwas verletzt sein, ja. Nicht zu verwechseln mit versehrt. Also zehren ist also noch stärker aus dem Inneren heraus in eine ganz bestimmte Richtung das zu gehen. Und das Signalwort schlechthin in diesem Text ist eben "gleichen". Das verschafft dem Text eine Gleichheit zwischen dem Subjekt und dem Objekt. Und damit ist also die Intention ganz klar, "gleichen" ist wie ein groß geschriebenes "Wie". Ein Dichter ist wie ein Bär und das "Wie" ist das Vergleichspartikelchen schlechthin in der Stilistik. Alles dreht sich in irgendeiner Weise um das "Wie". Etwas ist "Wie". Oder etwas ist eben nicht ausgesprochen "Wie". Eben ist etwas nicht so. Der Vergleich ist das wesentliche Mittel, die wesentliche Denkeinheit, das Intentionale in der Stilistik. Und hier haben wir es sogar rein wörtlich, Dichter gleichen Bären. Und damit ist der Text stilistisch erklärt, die anderen Wörter sind alle in einer normativen, unaufgeregten, natürlichen Sprache gefasst. Und weisen uns nicht in dem Bereich rhetorischer Besonderheit hinein.    

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1 Kommentar
  1. Default

    Vielen Dank für Ihre Lehreinheit

    Von Judo Chess Mkp, vor etwa 2 Jahren