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Transkript Inhaltsanalyse – Implizität und Explizität

Guten Tag liebe Lernende. Kommen wir  zum letzten Video des Bereichs Textanalyse: Inhaltsanalyse. Wir wollen uns mit dem Begriffspaar implizit und explizit bzw. in den Nomenfassungen Implizität versus Explizität auseinandersetzen. Ich habe dieses versus gesetzt, um den Gegensatz, der zwischen diesen beiden Bedeutungseinheiten besteht, so deutlich zu machen, denn genau das muss analysiert werden,  welche Bedeutungsdifferenz also hier besteht. Zum Begriff selbst, ich habe jetzt 4 Stichpunkte, 4 Parenthesen hier notiert, die uns den Begriff ein wenig umkreisen, insofern wir ihn für die Analysetätigkeit benötigen. Man untersucht, man analysiert wenn man sich mit Implizität bzw. Explizität auseinandersetzen muss, die Frage, ob die Kraft in den Worten selbst west, vorhanden ist, ob die Worte selbst die Kraft transportieren, oder ob sozusagen die Kraft bzw. die Bedeutung, die vom Autor intendiert ist, zwischen den Zeilen steht, also die Worte selbst nur durch ihre Zusammenhänglichkeit als Ganzes eine ganz bestimmte Aussageabsicht des Autoren im Leser, im Schüler in diesem Falle, also induzieren sollen. Ob der Schüler dann daduch, dass er diese Worte liest, zu einer ganz bestimmten Erkenntnis kommen soll oder ob er ein Gefühl entwickeln soll für etwas Hass, Liebe, Sehnsucht, irgendetwas, was ihn in gewisserweise in den Text hinein zieht und ihn daran beteiligt, dass er also weiter lesen möchte, dadurch dass er durch die Worte in eine Handlung, in eine Figur hinein gezogen wird und diese Figur sozusagen mit durchleiden und miterleben möchte. Dann kann der Autor natürlich auch seine Inhalte anbringen, wenn er das schafft. So, und dann hat er 2 Möglichkeiten, nämlich entweder: Viele Menschen reagieren auf ganz konkrete Ansagen und andere, die stellen sich auf stur. Wenn man also eine ganz konkrete Ansage macht, dass sie etwas tun sollen, im Befehlston vielleicht sogar noch dummerweise, dann schalten die auf stur. Aber wenn man es implizit macht zwischen den Zeilen sagt ein ganz bestimmtes Gefühl auch vermittelt, dann setzen die sich in Bewegung, andere wiederum brauchen die klare Ansage und so ist es beim Leser auch. Mancher Leser versteht einen Text erst dann, wenn er ganz konkret eine Ansage bekommt, wenn er ganz konkret explizit gesagt bekommt, was er von der Figur oder von dem und dem Vorgang, von der und der Sache zu halten hat. So, dann kommt aber noch das Nächste dazu. Es ist nämlich nicht nur so, dass die Worte immer ihre Bedeutung erhalten. Dass, was also ein Autor vor 200 Jahren geschrieben hat, das kann heute von vielen Lesern völlig anders verstanden werden. Es gibt einen Bedeutungswandel. Jedes Wort durchläuft im Laufe seiner Entwicklung ganz verschiedene Bedeutungsvarietäten. Was also vor 200 Jahren noch als ein völlig normaler Begriff auftrat, ich nenne euch ein Beispiel: Idiot. Das Wort „Idiot“ war bis ungefähr 1830 ein Wort, was nur bedeutete, dass jemand sich größtenteils mit sich selbst beschäftigt, sich um die eigene Achse dreht. Und im griechischen Wort „eidolon“ von Bild, er kann sich nur ein Bild von sich selbst machen, er dreht sich um sich selbst. Heute ist es ein ziemlich übles Schimpfwort, zu jemandem "Idiot" zu sagen, weil man damit meint, der ist also bescheuert, bekloppt, doof, was weiß ich nicht alles. Um 1800 war das nicht der Fall, der musste überhaupt nicht doof oder bescheuert sein. Das konnte ein sehr kluger Mensch sein, der eben nur beschloss, sich in der Welt ein bißchen zurück zu ziehen und sich um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Das ist also zum Beispiel ein Beispiel für Bedeutungswandel, das heißt, wenn ich einen Text lese von Sagen wir mal 1780 oder 1800 und da taucht das Wort „Idiot“ auf, darf ich das nicht so verstehen, wie das heute müsste verstanden werden. Das nennt man dann auch Zeitkolorit. Das weiß ich manchmal nicht, und deswegen ist es so schwierig, das auch zu erkennen. Und schließlich das gehört auch zu diesem Begriff dazu, Implizität und Explizität, da ist immer ein logischer Freiraum. Da ist immer etwas, was mit Interpretation zu tun hat und deswegen ist das so schwierig, solche Begriffe in die Inhaltsanalyse einfließen zu lassen. Das verschwimmt oft und da gibt es dann ganz oft Diskussionsbedarf. Da sollte man sich dann auch raushalten und knallhart nur an die Fakten halten, die also in dem Text stehen. So, hier noch ein paar Beispiele, ich hab hier noch ein Beispiel, das Wort „Dichter“, wie wir das bei dem Text von vorhin hatten, bei dem Goethetext. Der Dichter um 1800 war ein hoch angesehener Bestandteil der Gesellschaft, jedenfalls in Deutschland. Er war zwar meist bettelarm und ist auch in vielen Fällen verhungert, aber wir müssten uns mal vorstellen, wenn wir diese Zeit nicht hätten, der halbe Deutschunterricht würde völlig anders aussehen. Wenn’s bei uns so wäre wie in Russland oder in China oder in Japan, als um 1800 sozusagen nichts war, dann würde unserer Unterricht ganz anders aussehen. Um 1800 war bei uns die Blütezeit, die Klassik, und viele, viele Philosophien, viele, viele Bücher, fast alles in der Klassischen Musik und was auch immer alles damit zusammenhängt, ist heute noch ein riesiger Industriezweig, da leben ganze Heerscharen von, und das weltweit, nicht nur in Deutschland. Heute dagegen ist der Begriff Dichter eher etwas, was belächelt wird. Meist sind die Dichter nicht bettelarm, aber sie werden belächelt. Das ist deine eigene Sache, das hat keine gesellschaftliche Relevanz mehr. Und deswegen liegt die deutsche Literatur in unserer Zeit auch ziemlich danieder. Jedenfalls im Vergleich zu der Zeit um 1800, als sie gesellschaftlich bestimmend waren. Und das müssen wir sehen, wenn Goethe so einen Spruch um 1800 absondert, dann hat dann etwas anderes zu tun, als wenn heute so ein Spruch käme. So und dann noch was, ein ganz explizites Beispiel, wenn jemand den anderen beschimpft „Du Vollpfosten!“ nennt, wer weiß, vielleicht ist es in 200 Jahren keine Beleidigung mehr, heute würde man das als Beleidigung auffassen. Und dann noch ein Beispiel für das Implizite, das aber auch einen expliziten Bestandteil hat, nämlich, sagen wir mal folgende Situation: Trainingsspielchen auf dem Fußballplatz, der Trainer stellt 2 Mannschaften auf und sagt vor dem Spiel: „Der Verlierer räumt ab!“ Also Hütchen, Tore zurückstellen und so weiter. Die implizite Mitteilung an beide Mannschaften ist: Strengt euch an, ich will viel sehen, das ist implizit, das steht zwischen den Zeilen. Explizit die klare Aufforderung, dass der Verlierer, wenn das Spiel vorbei ist, dass der also den Platz abräumen muss, und das in einer gewissen Weise eine Anstachelung sein soll für beide Mannschaften, das Beste zu geben, damit man a) nicht die Arbeit hat, den Platz abzuräumen und b) natürlich auch dann durch den Sieg sich in der Hackordnung innerhalb der Mannschaft den besseren Standort verdienen kann. Gut, so viel zum Thema Implizität und Explizität. Ich hab ein paar Beispiele genannt. Das Entscheidende ist, dass man also hier die Beziehung zwischen den einzelnen Bestandteilen im Text analysieren kann. Dass man also feststellt, in dem Text gibt es sagen wir mal 6 oder 7 Sätze, in denen also vorrangig implizit dargestellt und nur 3 Wörter im ganzen Text verweisen eindeutig explizit auf die Aussageabsicht des Autoren hin. In der Hinsicht muss man also diese Inhaltsanalyse vornehmen, was den Bereich Implizität und Explizität betrifft.    

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