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Transkript „Homo faber“ – Personenkonstellation (Frisch)

„Ich glaube nicht an Fügung und Schicksal, als Techniker bin ich gewohnt, mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen. Wieso Fügung? Ich gebe zu, ohne die Notlandung (...) wäre alles anders gekommen; (...) Vielleicht würde Sabeth noch leben. (...) Aber wieso Fügung? Ich brauche, um das Unwahrscheinliche als Erfahrungstatsache gelten zu lassen, keinerlei Mystik; Mathematik genügt mir.“

Die Figur des Walter Faber

Diese Worte entstammen dem Mund Walter Fabers: 50 Jahre alt, Ingenieur bei der UNESCO. Überall auf der Welt geht er auf Montage. Faber ist Techniker durch und durch. Er glaubt an die Dinge, die er berechnen kann. Er verlässt sich allein auf sein Wissen. Wenn er etwa weiß, dass er gezackte Felsen vor sich hat, warum sollte er dann archaische Tiere sehen? Seine Welt besteht aus Fakten.

So ist ihm nicht nur jeglicher Aberglaube fremd, sondern auch Vergleiche, Metaphern, Poesie. Faber mag Romane nicht, überhaupt ist Kunst nichts für ihn.

Auch die Natur bildet eine Gegenwelt zu Fabers Technikglaube. Was nicht von Menschen kontrolliert wird, macht ihm Angst. Er hasst es, ungewaschen und unrasiert zu sein. Die Natur im Dschungel, die wuchert und wächst, riecht und wimmelt, ist ihm zuwider. „Was mir auf die Nerven ging: die Molche in jedem Tümpel, in jeder Eintagspfütze ein Gewimmel von Molchen – überhaupt diese Fortpflanzerei überall, es stinkt nach Fruchtbarkeit, nach blühender Verwesung.“ sagt Faber.

Fruchtbarkeit und Tod: Diese Bereiche verdrängt der überzeugte Junggeselle erfolgreich aus seinem Leben. Sein Hang zur Technik und Rationalität hat ihm auch seinen Spitznamen eingebracht: Homo faber, der Mensch, der alles selber fabriziert.

Doch die Reise, die Begegnung mit Sabeth seiner Tochter und Geliebten verändern Faber. Er entdeckt seine spontanen Seiten, fällt irrationale Entscheide, beginnt sich für Kunst zu interessieren und gibt sich dem puren sinnlichen Erleben hin.

Faber beginnt sogar zu dichten: Zusammen mit Sabeth sucht er nach passenden Vergleichen für die Natur um sich herum. Am Ende löst er sich von seinem Beruf, über den er sich bisher als Mann definiert hat. Auch seine Gefühle für seine Exfrau Hanna, seine Schuld Sabeth gegenüber und Gedanken an seinen Tod verdrängt er nicht länger.

Die Figur der Sabeth

Sabeth ist eine junge Studentin. Sie lernt Faber auf einer Schiffsreise kennen. Faber verliebt sich in sie. Sabeth ist lebensfroh und mutig. Sie reist alleine und fürchtet sich vor fast nichts. Sie ist kunstinteressiert und wortgewandt, liest Tolstoi, doch sie hört sich auch Fabers technische Vorträge gern an.

Überhaupt ist sie neugierig. Auf ihre Umwelt, auf Menschen, auf ihre eigene Zukunft. Auf dem Schiff freundet sich die kontaktfreudige Rothaarige nicht nur mit Faber an, sondern auch mit einem jungen Graphiker und mit einem Bapisten. Baptisten sind Konfessionsmitglieder der evanglischen Kirche.

Sabeth fühlt sich von ihm angezogen. Sie ist glücklich, wenn sie mit Faber zusammen ist. Sie freut sich an der Natur, sie singt. Das Unwahrscheinliche kann sie nicht ahnen: Dass Walter Faber ihr eigener Vater ist.

Als Sabeth von der Schlange gebissen wird und Faber ihr zur Hilfe eilt, weicht sie vor ihm zurück. Möglicherweise erkennt sie plötzlich den Altersunterschied in seinem nackten Körper. Sabeth fällt hin und stirbt an den Folgen des Sturzes.

Die Figur der Hanna, Sabeths Mutter

Sabeths Mutter Hanna lebt in Griechenland, allein und unabhängig. Als studierte Kunsthistorikerin arbeitet sie im archäologischen Institut.

Früher war Hanna Fabers Geliebte. Im Gegensatz zu Faber liebt Hanna die Kunst. Von Männern ist Hanna enttäuscht. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass es dumm ist von einer Frau, von einem Mann verstanden werden zu wollen. In ihren beiden Ehen wollte sie stets allein für Sabeths Erziehung zuständig sein

Als sie Faber wiedertrifft, merkt auch Hanna, dass beide noch eine starke Verbindung zueinander haben. Sie reagiert verzweifelt auf die Nachricht, dass Faber mit ihrer gemeinsamen Tochter geschlafen hat.

Doch erst als Sabeth tot ist, bricht die Wut auf Faber durch und sie schlägt ihn. Hanna trauert um ihre Tochter. Zugleich verzeiht sie Faber und bittet auch ihn um Verzeihung. Denn dadurch, dass sie ihm die Tochter verschwiegen hat, hat auch sie sich schuldig gemacht.

Schlussbemerkung

„Ich glaube nicht an Fügung und Schicksal... Mathematik genügt mir.“

Am Ende genügt Faber die Mathematik nicht mehr. Zwar weiß er, dass die bevorstehende Magenoperation laut Statistik in 94,6 von 100 Fällen gelingt. Dennoch glaubt er nicht, dass er überleben wird. Die Gefühle haben über die Vernunft gesiegt.

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