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Transkript Gedichtinterpretation – Einführung (1)

Guten Tag liebe Lernende, wir wollen jetzt zu dem Großthema Interpretation kommen. Interpretation ist eines der Zentralthemen im Deutschunterricht. Es beginnt eigentlich so in der 7./8. Klasse. Das also nicht  mehr nur einfach Gefühle aufgeschrieben werden sollen, oder schlichtweg einfach etwas beschrieben werden soll, sondern, dass über die persönliche Empfindlichkeit oder Ausprägung der Empfindsamkeit hinaus, Texte abgeklopft werden, Texte analysiert werden und mit der individuellen Lesart zusammen die Möglichkeit ergeben, insgesamt einen Erkenntnisgewinn zu erzeugen. Was ist Interpretation? Viele verwechseln Interpretation also mit einer Textanalysetätigkeit. Das ist nicht der Fall. Ich habe mehrere Videos bei Sofatutor eingestellt, in denen die Textanalyse genau beschrieben und erklärt wird. Wer jetzt den Schritt weiter gehen möchte und zur Interpretation kommen möchte, der muss wissen, dass ein Text nur dann interpretiert werden kann, wenn man als Leser einen individuellen Zugriff zu dem Text gewinnt. Wenn der Text, den man zu interpretieren hat, bei einem Selbst, bei einer Lesung, beim Zuhören, beim Vermitteln, beim eigenen Erkennen des Wesentlichen des Textes nichts auslöst, dann sollte man darauf verzichten, diese Aufgabe erfüllen zu wollen. Es gibt immer Wahlaufgaben beim Aufsatz, dann kann man eben diese Aufgabe jetzt nicht machen, weil man von vorne herein davon ausgehen kann, dass man eine schlechte Bewertung nur erreichen wird. Denn ein wichtiger Bestandteil der Interpretation ist diese individuelle Lesart. Das heißt, der Text muss bei mir auf einen Boden fallen. Der Text muss bei mir etwas auslösen. Ich muss mich dazu irgendwie positionieren. Positiv, negativ. Er muss in mir Empfindungen, Gefühle, Gedanken, er muss irgendetwas auslösen, was mich dazu erhebt, über die bloße Analysetätigkeit hinaus in den Text etwas hinein zu interpretieren. Also hineinzulesen. Mit einem Erkenntnis- und Gefühlsgewinn aus dem Text herauszugehen, nachdem ich ihn genossen, gelesen habe. Oder mich drüber aufgeregt habe, das ist natürlich auch möglich. Trotzdem kann man fragen, ob man also im Text bleiben möchte, bei der Interpretation, oder ob man über den Text hinaus gehend, Zusammenhänge der Welt oder des Zeitalters erklären möchte. Diese beiden Möglichkeiten hat man. Es ist also nicht nur möglich mit einer Analyse in den Text hineinzugehen, sondern man kann auch über die Analyse aus dem Text herausgehen. Das ist also auch möglich, indem man also immer nur im Text selbst bleibt. Das heißt textimmament, also im Text drin bleiben. Auch die Worte und die Sprache benutzten, die dann eben ein Goethe, Schiller, oder ein Thomas Mann benutzt haben und dann vielleicht eigene Wertungen abgeben, aber eben letztendlich das mit den Worten der Autoren machen. Also eigene Worte zwar finden, aber letztendlich in der Sprache bleiben. Also immer belegen, immer benutzen, das was da ist. Benutzen, das was gegeben ist. Benutzen, das was der Text selbst hervorgebracht hat. Ja, ich hab das jetzt mal umgestellt. Textübergreifend dagegen heißt, dass vor allen Dingen die individuelle Lesart vorherrscht, dass also die Textanalyse bloß ein Vehikel ist, um die eigenen Erkenntnisse am Text zu exemplifizieren. Mit anderen Worten: die eigene Interpretation zielt auf meinen eigenen Erkenntnisgewinne. Nicht für irgendjemanden, das ist jetzt wichtig. Diese Grundsatzentscheidung muss ich also fällen, bevor ich eine eigentliche Interpretation vornehme. Und ich muss mich auch entscheiden, welches Modell ich benutze. Es gibt deren viele.  Ich möchte im Folgenden drei Modelle vorstellen, und zwar für die einzelnen Gattungen. Ein Modell für die Lyrik, ein Modell für die Epik und ein Modell für die Dramatik.  

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2 Kommentare
  1. Default

    Sag ich meinem Deutschlehrer mal :)

    Von Skulzer, vor fast 2 Jahren
  2. Default

    Sehr gut fide dich super !

    Von Judo Chess Mkp, vor etwa 2 Jahren