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Transkript „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ – Inhaltsangabe (Brecht)

„Furcht und Elend des Dritten Reiches“ ist ein Theaterstück des deutschen Dramatikers Bertolt Brecht, das er gemeinsam mit Co-Autorin Margarete Steffin verfasst hat.

Im Theaterstück „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ schildern Brecht und Steffin das alltägliche Leben auf beeindruckende Weise.

In diesem Video lernst Du den Inhalt jener 8 Szenen kennen, die sie für die Pariser Uraufführung im Mai 1938 ausgewählt haben.

Szene "Das Kreidekreuz"

In der Szene „Das Kreidekreuz“ besucht ein SA-Mann vor einer geplanten Nachtübung seine Freundin, die als Dienstmädchen in einem herrschaftlichen Haus arbeitet. Als ein linker Arbeiter, der Bruder der Köchin, die Küche betritt, sinkt die Raumtemperatur sofort um mehrere Grad Celsius.

Wie denn heutzutage politische Gegner gekennzeichnet werden, jetzt, da niemand es mehr wagt seine Meinung frei zu äußern, fragt der Arbeiter den SA-Mann, und findet gegen Ende der Szene ein weißes Kreidekreuz auf seinem Rücken vor - vom SA-Mann unbemerkt aufgetragen. Am Schluss muss das Dienstmädchen fürchten, selber von ihrem SA-Freund Theo ein weißes Kreidekreuz aufgetragen zu bekommen.

Szene "Der Spitzel"

In der Episode „Der Spitzel“ fürchtet ein Ehepaar, vom eigenen Sohn angezeigt zu werden. Das ganze Gespräch zwischen Mann und Frau kreist an diesem Tag um die Frage, ob man vor dem Sohn, einem begeisterten Hitlerjungen, etwas falsches gesagt haben könnte. Warum hat Klaus-Heinrich so plötzlich die Wohnung verlassen - trotz Regens, lautet die bange Frage des Tages.

Im Dritten Reich war man dazu aufgefordert, alles zu melden, was einem verdächtig erschien. Selbst Kinder haben die eigenen Eltern verraten.

Szene "Die Winterhilfe"

In der Episode „Die Winterhilfe“ genügt die unbedachte Äußerung einer alten Frau, dass ihre Tochter an Ort und Stelle von zwei SA-Leuten mitgenommen wird. Zunächst erfreut über das Paket mit Lebensmitteln, genügt hierfür der herausgerutschte Hinweis auf die Preissteigerung im Vergleich zum Vorjahr.

Szene "Zwie Bäcker"

In einer anderen Szenen finden sich „Zwei Bäcker“ auf dem Gefängnishof wieder. Der Eine wurde eingesperrt, weil er Brot gestreckt hat, der Andere, weil er das nicht tat.

Szene "Der Bauer füttert die Sau"

„Die Juden haben sie vertrieben, aber der Staat ist der größte Jud“, heißt es in einer Szene von „Der Bauer füttert die Sau“. Dieser enttäuschte Satz stammt von der Frau des Bauern, dem es im Dritten Reich verboten ist, sein eigenes Vieh mit seinem eigenen Korn zu füttern. Stattdessen soll er das Viehfutter teuer einkaufen.

Szene "Arbeitsbeschaffung"

Die Szene „Arbeitsbeschaffung“ erstreckt sich über kaum sieben Seiten und steht doch symbolhaft für die ganze Furcht und das ganze Elend im Dritten Reich. Spandau 1937, der Mann hat endlich Arbeit bekommen, in einem Rüstungsbetrieb. Da trifft die schlechte Nachricht ein, der Schwager ist tot, gestorben in Stettin bei einem Unglücksfall, so heißt es offiziell.

Der ist doch in Spanien gefallen, wo gerade der Bürgerkrieg tobt, zweifelt die Nachbarin. Möglicherweise gerade mit so einem Bomber abgeschossen worden, wie der Mann ihn in seiner Motorenfabrik herstellt. Kein angenehmer Gedanke, dass man gewissermaßen Mitschuld trägt am Tod seines Schwagers.

Szene "Die jüdische Frau"

Die Episode „Die jüdische Frau“ zeigt auf tragische Weise, wie die Rassenpolitik sich selbst zwischen Liebende drängt. Denn im Dritten Reich schützt ein gehobener sozialer Status nicht mehr. Die jüdische Frau rechnet sich selbst zu den sogenannten „Bourgeoisweibern“. Sie gehört also zum privilegierten Bürgertum, hat Dienstboten und führt ein angenehmes Leben.

Dennoch ist im nationalsozialistischen Deutschland kein Platz mehr für sie. Denn die Nürnberger Rassengesetze verbieten Ehen zwischen Deutschen und Juden.

Schon wird der Ehemann in seiner Klinik nicht mehr gegrüßt, ist die Oberarztstelle für ihn nicht mehr erreichbar. Deutschland ist zu einem Land geworden, in dem, wie es heißt, Lügner, alle anderen zum Lügen zwingen, oder wie es die Frau ausdrückt: „Ihr seid Ungeheuer oder Speichellecker von Ungeheuern!“

Szene "Rechtsfindung"

In der Szene „Rechtsfindung“ weiß der Amtsrichter gar nicht mehr, was er noch entscheiden soll bzw. darf. Ein Fall, der zu Beginn einfach aussieht, entpuppt sich als wesentlich verzwickter, wobei er lediglich die Wahl hat, entweder den örtlichen SA-Sturm gegen sich aufzubringen oder es sich mit dem Hausbesitzer, einem Herrn von Miehl zu verscherzen, der seinerseits aber über exzellente Beziehungen zur SS und zum Justizministerium verfügt.

Zusammenfassung

Du siehst, dass in diesen acht Stücken viele Facetten des Alltags im nationalsozialistischen Deutschland dargestellt werden. Brecht und Steffin haben es geschafft, in “Furcht und Elend des Dritten Reiches” die Ängste vieler Menschen zur damaligen Zeit auf bedrückende Art und Weise wiederzugeben.

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