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Transkript „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ – Entstehungsgeschichte (Brecht)

Guten Tag zusammen. “Der starke Mann ist stärker ohne Gewalt”.

Hätten sich die Mächtigen seiner Zeit doch nur an dieses Brecht-Zitat gehalten. Aber sie dachten nicht daran. Nachdem in Deutschland die Nazis die Macht übernommen haben, gehörte Gewalt ab sofort zur Alltagserfahrung der Deutschen, ebenso wie Verrat, Spitzeltum und Opportunismus.

Bertolt Brecht wollte darüber schreiben. Und mit seinem Theaterstück “Furcht und Elend des Dritten Reiches” hat er dies, gemeinsam mit Co-Autorin Margarete Steffin, eindrucksvoll getan.

Geschichtlicher Hintergrund von „Frucht und Elend des Dritten Reiches“

Lasst uns gemeinsam einen Blick auf den geschichtlichen Hintergrund werfen, vor dem dieses Werk entstanden ist.

Am 30. Januar 1933 haben die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernommen. Adolf Hitler wurde Reichskanzler. Unmittelbar nach dessen Machtübernahme begannen die Nazis systematisch, politische Gegner wie Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter usw. zu verfolgen. Andersdenkende waren von nun an nicht mehr sicher.

Auch Bertolt Brecht gehört von 1933 an zu den verfolgten Personen. Denn seit Mitte der 1920-er Jahre hatte sich Brecht zu einem überzeugten Kommunisten entwickelt, eine Haltung, die sich seitdem auch in seinen Stücken widergespiegelte. In die Kommunistische Partei Deutschlands ist er allerdings nie eingetreten.Aufgrund seiner Überzeugungen gehört Brecht schon vor 1933 zu den Gegnern der Nazis.

Ab 1930 beginnen die Nationalsozialisten, Brechts Theateraufführungen systematisch zu stören. So wird Anfang 1933 eine Aufführung seines Stückes „Die Maßnahme“ von der Polizei abgebrochen. Die Veranstalter werden wegen Hochverrats angeklagt. Fortan findet sich Brechts Name auf einer „Schwarzen Liste“ deutschsprachiger Autoren wieder. Und so kommt es, dass sich auch seine Bücher unter jenen Schriften befinden, die am 10.Mai 1933 auf dem Berliner Opern-Platz bei der sogenannten „Bücherverbrennung“ von Studenten ins Feuer geworfen werden.

Wegen all dieser Umstände verlässt Brecht Deutschland mit seiner Familie und Freunden. Und das genau einen Tag nach dem Reichstagsbrand, am 28.02.1933. Er flüchtet von Berlin zunächst nach Prag, später nach Wien, Zürich und schließlich nach Paris.

Sein erstes Stück im Exil ist „Die sieben Todsünden“, das er gemeinsam mit Kurt Weill als Ballett konzipiert hat. Kurz nach der Uraufführung dieses Stückes kauft sich Brecht ein Haus in Dänemark, wo er gemeinsam mit seiner Familie die nächsten fünf Jahre seines Lebens verbringen wird, und wo der Hauptteil seines Werkes „Frucht und Elend des Dritten Reiches“ entstehen sollte.

Entstehung des Werkes „Frucht und Elend des Dritten Reiches“

Dies ist der allgemeine politische Hintergrund vor dem Bertolt Brecht und Margarete Steffin ab 1934 beginnen, Material über das alltägliche Leben im nationalsozialistischen Deutschland zu sammeln. Ihnen schwebt dabei weniger ein Bühnenstück im klassischen Sinne vor. Vielmehr will Brecht bei dieser Arbeit eine neue, von ihm selbst entwickelte künstlerische Methode des kreativen Schaffens unter den neuen Bedingungen des Exils erproben. Er selbst bezeichnet seine Herangehensweise als „Montage“ .

Bei dieser „Montage“ entstehen nun nach und nach die einzelnen Szenen, die am Ende das gesamte Theaterstück ausmachen werden. Jeder Szene wird ein kurzes Gedicht vorangestellt. Am Ende gelingt es Brecht und Steffin, eine Art Sittengemälde über das alltägliche Leben im Deutschland der damaligen Zeit zu zeichnen.

Zum Ende des Jahres 1937 liegen bereist fünf dieser Szenen vor, noch unter dem Titel „Die Angst“. In schneller Folge wächst deren Anzahl auf 25, sodass am 21.Mai 1938 in Paris die Uraufführung mit 8 davon ausgewählten Szenen stattfinden kann. Aber auch nach der Uraufführung arbeiten Brecht und Steffin an weiteren Episoden für ihr Stück.

Bezüglich des Entstehungshintergrunds ist noch ein letztes auffällig, nämlich der relativ lange Entstehungszeitraum des Werkes über 9 Jahre hinweg zwischen 1934 und 1943.

Da noch im Jahre 1996 eine weitere Szene aus “Furcht und Elend des Dritten Reiches” im Nachlass des Brecht-Freundes Caspar Neher gefunden wurde, lässt sich sagen, dass das Werk erst 62 Jahre nach den ersten Arbeiten daran als Einheit vorlag.

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