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Transkript Friedrich Schiller – Leben

Guten Tag, liebe Lernende, ich möchte euch ein paar Anmerkungen zu Schillers Leben geben. Es geht jetzt hier nicht im Einzelnen um genaue Fakten, die kann man in x-beliebigen Nachschlagewerken nachlesen, sondern es geht darum, eine bestimmte Grundordnung und eine bestimmte Lebenssituation, die also Schillers Leben dann in den einzelnen Etappen kennzeichnet, ein bisschen genauer anzuschauen; vielleicht auch zu erklären, was Schiller bei den einzelnen Stationen seines Lebens wollte, inwiefern er überhaupt die Möglichkeit besaß, etwas zu wollen und warum er eben solche Brüche in seinem Leben hat. Und wie das in vielen Leben der Fall ist, bestehen also diese einzelnen Lebensabschnitte aus einem Gleichlauf und aus einem Hang dazu, also Lebensabschnitte auch zu beenden. Das ist also das, was vielerlei Biografien kennzeichnet. So, wie sieht das bei Schiller nun aus? Schiller stammt, wie wir wissen, aus einer eher armen Familie. Sein Vater diente zwar als Arzt, aber damals waren die Feldärzte, der eben der Vater war, nicht unbedingt betuchte Leute. Aber Schiller war auch nicht unbedingt ein wirklich armer Mensch, der also in armen Verhältnissen, in finanziell klammen Verhältnissen aufwuchs. Das ist also eine der großen Lügen, die also in vielen Darstellungen auch immer wieder gereicht werden, dass Schiller im Gegensatz zu Goethe also ein armer Mensch gewesen sei. Das ist also nicht wahr. In jungen Jahren bereits zeigte sich sein besonderes Talent für Sprachen. Besonders das Lateinische fiel dem Jungen zu, der also eine sehr fröhliche und unorthodoxe Jugend genoss, zu seiner Mutter zeitlebens auch ein gutes Verhältnis pflegte, zu seinem Vater ein eher angespanntes, aber nichtsdestotrotz auch von Achtung geprägtes Verhältnis besaß, und dann mit jungen Jahren von dem Württembergischen Herzog Karl Eugen an eine Eliteschule geholt wurde. Das müssen wir uns wirklich so wie beinahe in heutigen Zeiten vorstellen, dass also im Land es verschiedene Schulformen gab und dass es in Württemberg auch im 18. Jahrhundert bereits so etwas wie ein Talentespäherwesen gab, dass also irgendjemand davon erfuhr, dass also der gute Schiller jun. im beschaulichen Marbach bei Stuttgart ein besonderes Talent entwickeln würde für Sprachen und für die Wahrnehmung des Lebens. Und was machte also der Herzog, der Landesfürst? Er ließ diesen jungen Mann an seine Schule bringen, um aus ihm einen vernünftigen Menschen zu machen. Das bedeutete in diesem Zeitalter, einen Menschen zu machen, der für das Land und für den Herzog einen Gewinn darstellt. Und so wurde also Schiller dann erzogen. Er wollte anfangs Prediger werden. Das müssen wir uns so vorstellen, wie heute vielleicht Kosmonaut oder zu meiner Zeit, als ich jung war, Lokführer oder Jäger, so was in der Richtung. Da war damals das Wort "Prediger" und "Pfarrer" eine Zielstellung, später wandelte sich das dann, da wurde Schiller dann letztendlich nicht zum Theologen ausgebildet, sondern zum Mediziner. Das sollte also das sein, was Schiller werden sollte, wie sein Vater, das bestimmte der Herzog. Und da hat also Schiller dann in Stuttgart, auf der Karlsschule letztendlich, oder bei Stuttgart in Ludwigsburg, sein Leben nicht genossen, sondern in strenger Zucht und Ordnung erleben dürfen. Schiller hat schon damals eine besondere Neigung zum Renitenten, zum Aufbegehren, zur Widersprüchlichkeit entwickelt. Er war also der ungepflegteste und launischste und trotzdem beliebteste Miteleve gegenüber den anderen. Und wie sich das dann in jungen Jahren dann oft zeigt, entwickelte er also in Form der Dichtung ein Organ, um gegen die Verhältnisse, in denen er war und die er ja nicht anders kannte, zu rebellieren, wie das oft bei Jungen ist. Man stelle sich das vor, es ist also die Eliteschule des Landes und trotzdem empfindet Schiller das also nicht als Vorteil, dort zu sein, sondern sieht in erster Linie das tyrannische, das auf Disziplin geeichte und das auf Gehorsam und Pflichterfüllung gemünzte Dasein an der Karlsschule. Wie das an Schulen in der Regel auch ist bis heute. Was passiert? Der junge Mann setzt die erste Antithese seines Lebens und haut einfach ab. Er schreibt ein Stück in tyrannos, "Die Räuber", worin er also alles das, was ihn umgibt, thematisiert und erreicht damit einen großen Erfolg, weil ganz offensichtlich das deutsche Volk in dieser Zeit Probleme mit seinen Ordnungskräften hatte bzw. mit seinen Führungskräften hatte und das Stück dementsprechend, zumal in einer sehr kraftvollen, expressiven Sprache geschrieben, beim Publikum große Honor machte. Und wo hatte er also den größten Erfolg? In Mannheim. Mannheim war damals für den Schwaben Schiller Ausland. Er ist also nach Mannheim gedüst in einer Kutsche und hat sich dort in Mannheim am dortigen Theater als Theaterdichter einschreiben können, bekam vom dortigen Intendanten einen Vertrag aufgrund seines großen Erfolgs für "Die Räuber" und hatte jetzt nun Pflichtstücke zu schreiben. Das Ergebnis allerdings war, dass, wenn das eben so passiert im Leben, wenn einer aus einer strengen Zucht kommt, dass er dann alle Fünfe gerade sein lässt. Und so auch Schiller in Mannheim. Er verbrannte quasi das Geld, das er verdiente, vorab, machte Schulden, lebte in den Tag hinein, pflegte sich nicht und schrieb trotzdem Tag und Nacht an seinen Stücken ohne die wirklich zu einem Ende zu bringen.Die Mischung aus Größenwahn, Shakespearenähe und Freiheitsempfinden, das er also in Mannheim hatte, wurde alles ein einziges Konvolut und brachte ihn dazu, letztendlich Mannheim auch wieder fluchtartig zu verlassen. Diesmal nicht aus Gründen der inneren Unfreiheit bzw. auch äußeren Unfreiheit, wie er es in Stuttgart hatte, sondern aus Geldgründen. Was macht er wieder? Die Antithese zu Mannheim zu dieser Zeit hieß Leipzig. In der Nähe von Leipzig lebte eine reiche Witwe, Bauersbach, die ihn einlud, bei ihr zu leben. Und Schiller nahm das dankend an, zumal er auch in Dresden einen reichen Gönner namens Körner fand, der also das, was Schiller an literarischen Leistungen erbrachte, für sich als etwas sehr Wohltuendes, Befreiendes empfand und nun Schiller finanziell sehr unterstützte. Das bedeutete im Klartext: Hier spielte das Geld keine Rolle, weil der Herzog sorgt ja für ihn. Hier, auf eigene Füße gestellt, brach das ganze System um ihn herum zusammen. Er flüchtet, kommt in ein Gebiet, das damals das reichste Gebiet Deutschlands war, nämlich in die Gegend Sachsens nach Leipzig und Dresden, verbringt dort allerdings kaum fruchtbare Jahre, sondern erholt sich, saturiert sich, findet allerdings einen Menschen in Gestalt von Körner, der ihm zeit seines Lebens ein großer Freund bleibt. Einer der wenigen Menschen, die Schiller auch duzte. Aber das war nicht das, was Schiller wirklich in seinem Leben wollte, die Behaglichkeit des gutbürgerlichen Lebens im Schutze eines reichen Gönners oder einer reichen Gönnerin in Leipzig und Dresden. Das war nicht das, was Schiller für sich geplant hatte. Es folgt wieder die Antithese dazu und die heißt diesmal Jena. Und zwar kam er an die dortige Universität, wurde dort als Professor angestellt. Das war damals so, da musste man nicht in dem Bereich eine wissenschaftliche Arbeit ableisten, sondern es reichte, wenn man jemanden kannte, der in eine bestimmte Stellung rief. Und das wurde dann meist so bezahlt, dass die Studenten ja letztendlich darüber abstimmten, ob sie diesen Professor für sich annahmen und entsprechend bezahlten oder ob sie es eben nicht taten. Und wenn kein Student der Meinung war, bei Schiller könne er etwas lernen, dann bezahlte man ihn auch nicht und dann hatte er keine Existenz. Die Studenten nahmen Schiller einigermaßen an. Er war kein begnadeter Lehrer, aber er war nun in der Nähe der großen Geister, die sich da zu dieser Zeit schon längst um Jena und Weimar versammelt hatten. Er nutzte die Zeit, um sich vor allen Dingen in philosophischer Hinsicht also ein System zu geben und hatte nun auch ein klein wenig Sicherheit durch seine Tätigkeit als Professor für Geschichte, lernte dann auch in der Nähe von Jena in Rudolstadt die Geschwister Lengefeld kennen. Eine der Schwestern heiratete er, wobei er sich nicht so sicher war, welche von den beiden er nun heiraten sollte, was nicht unbedingt für die große Liebe spricht. Charlotte, die es dann war, gab ihm aber zeit seines Lebens einen sicheren Hafen und er war, glaube ich, bis zum Ende seines Lebens 1805 ein glücklich verheirateter Mann. Doch, was wollte der gute Schiller in Jena? Er wollte ja eigentlich kein Professor für Geschichte sein, sondern das, was ihn antrieb, war ja das Schreiben. Also das Ziel immer vor Schillers geistigem Auge: Den philosophischen Begriff und das poetische Bild in Kongruenz bringen. Hieran arbeitete er ganz besonders in Jena: An der Ausprägung der philosophischen Begrifflichkeit, weil das die Basis in seinem Leben war, aus der heraus er immer zur Dichtung kommen wollte. Das war ein Ansatz, den Goethe so nicht sah. Und spätestens an dem Tag, als Goethe das begriff, dass Schiller für ihn kein Konkurrent war, kam er mit Schiller auch "ins Geschäft", ums mal so zu sagen. Das vollzog sich in Jena 1794 etwa, als beide eine Vorlesung über die Urpflanze besuchten und sie gehen zusammen raus. Schiller war nun auch der große Intrigant und konnte es einrichten, dass also er mit Goethe zusammentraf, und sie unterhielten sich, scheinbar zufällig über den Vortrag, aber das war von Schiller geplant. Und so brachte er Goethe dazu, dass Goethe erkannte, dass Schiller kein Konkurrent für ihn war, indem er behauptete, dass die Urpflanze, von der Goethe ausging, dass er sie mit seinem geistigen Auge ansah, dass die bloß eine Idee in Goethe sei, die Goethe dann zu der Anschauung brachte. Und als Goethe das begriff, dass also Schiller sozusagen von der Idee ausging und diese Idee dann in die Wirklichkeit brachte, Goethe dagegen derjenige sei, der die Wirklichkeit in sich spüre und daraus die Idee entwickelte, wurde klar, dass also beide von unterschiedlichen Standpunkten aus die Welt betrachteten, sich also eigentlich gar nicht ins Gehege kämen. Und dann erwachte in Goethe das Bedürfnis danach mit Schiller zusammenzuarbeiten, weil er dadurch die andere Hälfte seines Daseins bzw. die andere Hälfte des Daseins überhaupt in sich aufzunehmen hoffte. Das war der Punkt und so kamen die beiden zusammen, mithilfe dieser komischen Urpflanzendiskussion. Für Goethe war ja die Urpflanze dann auch der Ginkobaum, daher hat auch so viele in das Männliche und Weibliche zusammen, das Ewige, das Alte, aus dem alles entstanden ist. Und so musste dann früher oder später Schiller dann auch, aus Bequemlichkeitsgründen hauptsächlich, nach Weimar ziehen, nicht aber ohne vorher in Jena sich finanziell völlig saturiert zu haben. Man erinnere sich nur an die 3000 Taler Stiftung, die ein dänischer Gönner also Schiller zuschrieb. 3000 Taler das sind ungefähr 300.000 Euro nach heutigem Geld, wenn man's vorsichtig umrechnet. Weil, 150 Taler verdiente ungefähr ein Professor pro Jahr und man stelle sich vor einen zwanzigfachen Jahresbetrag. Und für 900 Taler bekam man in Jena schon ein Haus, so viel hat also das Haus gekostet, was Schiller dann in Jena kaufte und dann auch wieder verkaufte. Hat also da einen guten Schnitt gemacht, hat seine Frau dann versorgt, also alles geregelt und stand finanziell gut da. Es ist also auch, dann ich komme wieder zu dem: Hier wurde er versorgt, hier musste er sich selbst versorgen und scheiterte, hier wurde er versorgt, hier hat er sich selbst versorgt und am Ende seines Lebens war Schiller zwar nicht unbedingt das, was man einen "reichen Mann" nennt, aber doch relativ wohlhabend. Einen Diener hat er immer gehabt. Also die alte Klischeehaftigkeit, Schiller sei arm und Goethe sei reich, das ist also auch so eine Lüge, die immer wieder durch die Literatur geistert. Nachdem er also in Jena sich philosophisch weiterentwickelt hatte und seinen Weg zu Goethe auch gefunden hatte und mit dem nun die tatkräftigste Zusammenarbeit pflegte, zog er dann ungefähr 1800 nach Weimar und verbrachte dort die letzten Jahre seines Lebens in großer Anerkennung. Die Anerkennung war so groß und Schiller war so sesshaft geworden, dass er ein großzügiges Angebot aus Berlin beispielsweise, was ihm ein Vielfaches an Geld eingebracht hätte, ablehnte und sein Lebenswerk darin sah, in Weimar daran zu arbeiten jetzt vor allen Dingen die poetische Bildhaftigkeit in die philosophischen Begriffe hineinzutragen, das in eine Kongruenz zu bringen und dafür zu sorgen, dass die Zuschauer, sein Publikum, dass die Theaterschaffenden diejenigen seien, die also aus dem Theater heraus gehen, indem sie durch die poetische Bildhaftigkeit dazu angeregt worden sind, bessere Menschen zu werden, sich allseitiger und vielfältiger zu entwickeln und das Leben in einer breiteren Wahrnehmung also auch zu empfinden. Das war das, was Schiller wollte. Und deswegen wurde er von seinen Zeitgenossen auch so geliebt, weil nichts lieben wir so sehr, wie die Menschen, die es schaffen, uns in Freiheit zu versetzen. Und genau das ist eben das, was Schillers Leben und Schillers poetische Kraft auch ausmacht: Er vermochte es immer, die in uns wohnenden Grundgegensätze in eine Poesie zu kleiden, die uns ein bisschen freier, ein bisschen glücklicher und ein bisschen selbstgewisser machen. Das ist das, was also Schillers große Leistung ist, die er in seinem Leben vollbrachte. Leider Gottes ist der Mann dann eben mit 45 Jahren schon gestorben. Was hätte er noch alles schaffen können, wenn ihm noch 5 oder 10 Jahre noch geblieben wären, aber die hat er nun mal nicht gehabt und wir müssen das nehmen, was da ist.

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1 Kommentar
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    ok

    Von Jaspreetsingh, vor 7 Monaten