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Transkript „Faust. Der Tragödie erster Teil“ – Personenkonstellation (Goethe)

“Name ist Schall und Rauch” ,mit dieser Redewendung tut Mephisto die Frage nach seinem Namen ab. Doch für eine Interpretation des Textes ist nicht nur sein Name, sondern auch jeder andere in Goethes “Faust. Der Tragödie erster Teil” wichtig.

So verzwickt die Beziehungen auch scheinen mögen, so leicht lassen sie sich auf einfache Formeln herunterbrechen. In diesem Video werden wir eben das tun. Ich werde dir die wichtigsten Figuren kurz vorstellen und ihre Beziehungen untereinander klären.

Über dem gesamten Drama, das auch den zweiten Teil umfasst, steht die Beziehung zwischen dem Herrn, hier ist also Gott gemeint, und Mephisto, der Teufel.

Gott und Mephisto schließen eine Wette um Faust. Mephisto ist sich sicher, Faust verführen zu können. Der Herr hingegen glaubt, in Faust einen Diener zu haben. Die Beziehung zwischen dem Herrn und Mephisto ist dabei normal. Sie scheinen fast in einem Plauderton miteinander zu sprechen, während sie Faust zu ihrem Wettobjekt machen.

Eben um diesen Dr. Faust geht es von nun an. Er ist alt, hat sein Leben lang studiert und als Arzt gearbeitet. Die Menschen mögen und schätzen ihn sehr, er allerdings ist unzufrieden, ja, verzweifelt. Faust möchte erfahren, “was die Welt im Innersten zusammenhält”. Allerdings glaubt er, ein solches Wissen nie erlangen zu können.

Darüber hinaus merkt er, dass er abseits der Wissenschaft sein Leben nicht voll ausgekostet hat. Er würde alles dafür tun, das Leben endlich wirklich erfahren zu können, doch sieht er keine Möglichkeit dazu.

Die Lösung dieses Problems bietet ihm Mephisto an. Er verspricht Faust, dass er ihm alle Wünsche erfüllt, solange Faust ihm im Gegenzug seine Seele vermacht. “Wir sehn die kleine, dann die große Welt”, lockt er den wiss- und lebensgierigen Faust.

Natürlich geht Faust auf das Angebot ein. Mephisto ist sein Diener, solange Faust lebt. Nach seinem Tod, muss Faust ihm dienen, doch dieses Leben nach dem Tod schert Faust nicht. Und so ziehen die beiden umher. Mephisto als Führer, der ihn durch das wilde Leben führt. Dabei ist er stets zwielichtig und auf seinen Vorteil bedacht. Faust folgt ihm relativ willenlos.

Aktiv wird Faust als Fordernder erst, als er Gretchen kennen lernt. Sie ist “ein gar unschuldig Ding”. Faust begehrt sie und sie nähern sich mit Mephistos Hilfe einander an. Gretchen wird hier als personifizierte Reinheit dargestellt, die jetzt durch das Böse schlechthin verführt wird. Ihr falsches Bild, dass sie von Faust hat, begründet ihre Liebe. Gleichzeitig das Gefühl, dass sie im Grunde nichts wert ist. Sie betet Faust an und tut, was er von ihr verlangt. Dadurch wird sie oft als Opfer dargestellt.

Faust - der sie ebenfalls zu lieben scheint - nutzt ihre Hilflosigkeit und Naivität aus. Gleichzeitig ist er aber auch Opfer von Mephistos Manipulationen. Diese Manipulationen spürt Gretchen stets und hegt daher eine Abneigung gegen Mephisto. Er ist ihr unheimlich. Auch wenn sie es nicht begründen kann, so scheint sie das Böse in ihm zu spüren.

Fausts Motivation ist nicht klar erkennbar. Um wahre Liebe handelt es sich vermutlich nicht. Es macht eher den Anschein, dass seine sexuellen Gelüste ihn treiben. Das schließt natürlich nicht aus, dass auch er Gefühle für Gretchen hegt. Allerdings ist es ein sehr unausgeglichenes Verhältnis zwischen beiden.

Eine weitere wichtige Figur ist Marthe Schwertlein, Gretchens Nachbarin. Um ein Treffen zwischen Faust und Gretchen zu arrangieren, besucht Mephisto sie verkleidet. Laut Mephisto ist sie “ein Weib wie auserlesen/zum Kuppler und Zigeunerwesen”. Gleichzeitig ist sie die beste Freundin Gretchens. Da Mephisto eine starke Anziehungskraft auf Marthe hat und mit ihr flirtet, ist dieses Treffen schnell vereinbart.

Als es offensichtlich ist, dass Gretchen schwanger ist, tritt Valentin, Gretchens Bruder, auf den Plan. Er ist die letzte wichtige Figur im Stück. In einem langen Monolog rühmt er die vormalige Unschuld seiner Schwester. Doch gleichzeitig äußert er seine Verzweiflung über die momentane Lage.

Er lauert Faust und Mephisto vor Gretchens Tür auf und es kommt zum Kampf. Von Mephisto angestachelt ersticht Faust Valentin. Gretchen, die herausgeeilt kommt - Mephisto und Faust jedoch nicht mehr erblickt - ist geschockt. Ihre Zuneigung zum Bruder ist unverändert groß. Dieser jedoch beschimpft sie als Dirne, während er stirbt.

Da Faust geflohen ist, bleibt Gretchen allein zurück. Sie hat nun weder Familie, noch Faust, der für sie sorgt. Dieser Umstand führt dazu, dass sie das Neugeborene ertränkt und dafür zur Rechenschaft gezogen wird. Im Kerker sagt sie sich von Faust frei und folgt ihm nicht in die Freiheit, sondern ergibt sich ihrem Schicksal.

Wir haben gesehen, dass neben Faust insbesondere Gretchen sehr in den Mittelpunkt der Handlung gerückt ist und wie viele Beziehungen bei ihr zusammenlaufen. Ihr Gottvertrauen rettet sie am Ende und schließt “Der Tragödie erster Teil”.

Ihr seht, so schwer ist “Faust” gar nicht zu verstehen! Wenn man sich erst einmal einen Überblick wie hier verschafft hat, ist es gleich ganz einfach! Ich freue mich auf das nächsten Mal! Bis bald!

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4 Kommentare
  1. Vreni

    Hallo Christian,
    solch eine Darstellung der Personenkonstellation ist immer auch Frage der Interpretation, d.h. in welchem Verhältnis man die Figuren zueinander sieht. Es kann also sein, dass du ein anderes Schema anfertigen würdest - wichtig ist nur, dass du dieses anhand des Inhaltes begründen kannst. In unserem Fall drückt die Darstellung aus, dass Gretchens Mutter auch die Mutter Valentins, und Valentin damit Gretchens Bruder ist. Beide (die Mutter und Valentin) sterben im Verlauf der Gretchentragödie.
    Ich hoffe, das hilft dir weiter.
    Beste Grüße aus der Redaktion

    Von Vreni Striggow, vor etwa 2 Monaten
  2. Default

    Warum wird Gretchens mutter am Anfang im Zusammenhang mit Valentin gezeigt ? Später geht niemand darauf ein was das aussagen soll :/

    Von Christian S., vor etwa 2 Monaten
  3. Default

    Aer eigentlich flirtet Mephisto doch garnicht mit Marthe oder? Also es ist doch umgekehrt, dass Marthe die ganze Zeit versucht, Mephisto zu verführen, aber er sie die ganze Zeit "abblitzen" lässt, oder?

    Von Huber Magdeburg, vor 8 Monaten
  4. Default

    Was bedeutet Begierde?

    Von Huber Magdeburg, vor 8 Monaten