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Transkript „Faust. Der Tragödie erster Teil“ – Entstehungsgeschichte (Goethe)

Einleitung

Hört man den Titel “Faust” in Bezug auf Literatur, so denkt man sofort an Goethes Drama. Doch Johann Wolfgang von Goethe war bei weitem nicht der erste Dichter, der sich mit diesem Stoff beschäftigt hat. Die Sage des Dr. Faustus, der um jeden Preis sein Wissen vermehren will und einen Pakt mit dem Teufel eingeht ist viel älter.

Im 16. Jahrhundert wird die Geschichte populär und von Dichtern wie zum Beispiel Christopher Marlowe oder Gotthold Ephraim Lessing aufgegriffen. Und doch ist Goethes Faust anders, als diese Dichtungen und das hat hauptsächlich mit der Entstehungsgeschichte von “Faust. Der Tragödie erster Teil” zu tun.

Der Faust-Mythos

Goethe war mit dem Fauststoff wohl vertraut. Als gebildeter Sohn der oberen Mittelschicht gehörte diese Geschichte zum Allgemeinwissen. Berühmt wurde der Stoff Ende des 16. Jahrhunderts durch das sogenannte Volksbuch. Darin wurde unter anderem die Geschichte des Medizin und Theologiestudierten Dr. Faust erzählt. Dieser geht einen Pakt mit dem Teufel ein und landet dafür in der Hölle.

Berühmt war - wie schon erwähnt - auch das Stück von Christopher Marlowe. Hier ist Faust nicht der Lästerer gegen Gott, sondern eher ein Mensch der Renaissance, der darum bemüht ist, die Welt zu verstehen. Auch wenn es hier noch böse für Faust ausgeht, so ist eine deutliche Sympathie für die Hauptfigur erkennbar.

Versuch der Erklärung eines Kindsmordes

Die Hinrichtung der Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt 1770 gibt dem jungen Goethe dann vermutlich den Ausschlag eine eigene Faust-Version zu schreiben.

Es war zu dieser Zeit nicht selten, dass junge Frauen hingerichtet wurden, weil sie ihre Neugeborenen umgebracht haben. Diese Hinrichtungen waren öffentlich und stets gut besucht.

Es ist davon auszugehen, dass Goethe bei der Hinrichtung von Susanna Margaretha Brandt anwesend war. Die Zwänge und Umstände, in denen junge Frauen damals standen und die sie dazu trieben ihr eigenes Kind zu töten, waren bei den Prozessen nicht von Interesse.

Goethe erklärt diesen Hintergrund und zeigt im Faust eine junge Frau, die verführt und ins Unglück gestürzt wird. Hier ist sie keine teuflische Gestalt, die einfach tötet, sondern die töten muss, da sie ihr Kind ohnehin nicht ernähren könnte.

Gretchen als neue Figur und Urfaust

Goethe, damals 21 Jahre alt, beginnt seine Faustfassung mit der Szene im Studierzimmer, wie auch die endgültige Fassung beginnen wird. Allerdings rückt er die Gretchentragödie in den Vordergrund. Er entwickelt eine Liebesgeschichte um die Figur des Faust.

Gretchen, die von Faust verführt wird, ein Kind bekommt und es umbringt, wird also zur Hauptfigur in dieser ersten Fassung. In dieser fehlt zunächst sowohl der Pakt mit Mephisto, als auch die Verjüngung in der Hexenküche. Dieser Umstand zeigt, wie geläufig die Grundgeschichte des Faust gewesen ist. Goethe befindet sich hier noch im Universum des Fauststoffes und arbeitet mit den gegebenen Figuren und Handlungsmustern.

Bis 1775 dauert die erste Arbeitsphase am sogenannten “Urfaust”. Diese Version wird jedoch erst 1887 in Nachlässen gefunden und dann veröffentlicht. Obwohl Goethe sich weiterhin mit dem Stoff befasst, lässt er die konkrete Arbeit am Faust als Stück vorerst ruhen.

Vollendung und Veröffentlichung

1788 jedoch fasst er den Entschluss die Tragödie zu vollenden. In der Zwischenzeit ist er schon eine Größe der deutschen Literatur und Minister in Weimar. Der Fausstoff lässt ihm keine Ruhe und bis 1790 fügt er dem Urfaust einige Szenen hinzu und streicht andere.

So ist der Dialog zwischen Mephisto und Faust im Studierzimmer ausgebaut, jedoch immer noch ohne ausgesprochenen Pakt. Auch enthält diese Version nun die Verjüngung in der Hexenküche. Verzichtet wird auf das Ende Gretchens im Kerker.

Durch diese Veränderungen gewinnt die Gelehrtentragödie mehr an Gewicht und wird sichtbarer. Goethes Faust erhält damit eine größere Eigenständigkeit, da er eine eigene Version des Stoffes wird und sich langsam von älteren Fassungen löst. 1790 veröffentlicht er das Ergebnis der Arbeit unter dem Titel “Faust. Ein Fragment”. Der Titel zeigt schon die Unvollkommenheit des Textes an.

Trotz allem dauert es weitere sieben Jahre, bis Goethe sich ein letztes Mal “Der Tragödie erster Teil” annimmt. 1797 setzt er die Arbeit fort. Sie soll diesmal elf Jahre in Anspruch nehmen.

Ausschlaggebend für diesen erneuten Anlauf war unter anderem der Zuspruch des zum Freund gewordenen Friedrich Schiller. Goethe entwirft die Vorreden “Zueignung” und “Vorspiel auf dem Theater” 1797 hinzu. Darüber hinaus entsteht der “Prolog im Himmel”. Durch diese Veränderung bekommt der Fauststoff eine neue Rahmung. Es geht nicht mehr um Faust, als Person, die einen Teufelspakt schließt, sondern vielmehr um Faust als Wettobjekt zwischen Gott und Teufel.

Im Jahre 1808 schließlich geht "Faust. Der Tragödie erster Teil" in Druck. Das Stück wird sehr euphorisch aufgenommen. Erst 1829, drei Jahre vor Goethes Tod, kommt es zur Uraufführung in Braunschweig. Im selben Jahr wird der Faust noch in Weimar, Leipzig, Dresden und Frankfurt am Main aufgeführt. Alle Inszenierungen unterliegen jedoch der Zensur, sodass kirchenkritische und anzügliche Szenen ausgelassen wurden.

Schlussbemerkungen

Goethe hat sich fast sein gesamtes Leben mit dem Fauststoff auseinandergesetzt. Er hat es geschafft daraus ein Stück zu schreiben, das bis heute wegen seiner Beliebtheit unter den deutschen Dramen halten kann.

Es ist das meistgespielte Stück auf deutschen Bühnen. Schon während der Arbeit am Faust I entstehen Skizzen und Szenen für den zweiten Teil. Dieses Stück wird Goethe 1832, dem Jahr seines Todes, fertigstellen und somit seinen Faust als Gesamtes vollenden können.

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