Expressionismus 08:10 min

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Transkript Expressionismus

Hallo, ich bin's, Luise, und ich wünsche euch viel Spaß mit diesem Video. In diesem Video geht es um die Literatur des Expressionismus.

Ich werde euch erklären, in welche Zeit diese Epoche einzuordnen ist, welche Merkmale, Autoren und Werke ihr euch merken solltet und welche Ziele die Autoren verfolgten.
Ich werde euch als Erstes einen kleinen zeitlichen Überblick geben. Dann werd ich euch die wichtigsten Merkmale aufzählen. Der Expressionismus kann in 2 Phasen geteilt werden, und diese folgen dann mit den markanten Merkmalen und Autoren und den dazugehörenden Werken. Nach dem Video kannst du folgende Fragen beantworten: Welche Ziele hatten die Expressionisten, was wollten sie verändern? Welche Gattungen bevorzugten sie, und welche Themen beschäftigten sie, und warum?

Wann war der Expressionismus?

Du weißt mit den Begriffen der Literaturgattungen umzugehen und kannst diese unterscheiden. Du kennst dich ein wenig mit der Geschichte und einigen Ereignissen aus, wie dem wilhelminischen Kaiserreich, dem 1. Weltkrieg und der Weimarer Republik. Und außerdem kennst du ähnliche Epochen, wie den Naturalismus, den Symbolismus und Impressionismus. Hier ein Zeitstrahl mit den wichtigsten Daten und Fakten. Von 1888-1918 regierte der letzte deutsche Kaiser. 1918 beginnt die Weimarer Republik. In der Zeit von 1910 bis ungefähr zum Jahr 1925 ist der Expressionismus einzuordnen. Diese Epoche begann vor dem 1. Weltkrieg und endete nach diesem. Diese Epoche ist also geprägt vom Krieg. Die Wende zum 20. Jahrhundert bedeutete einen kulturellen Umbruch. Ein Grund dafür war zum Beispiel die fortschreitende Entwicklung der Industrie. Es entwickelte sich eine neue Vielfalt der Stile, die sich in dieser Literaturepoche widerspiegelt.

Wie entstand der Expressionismus?

Das wilhelminische Bürgertum war sehr materialistisch und selbstgefällig, auch durch den Fortschritt der Industrialisierung. Expressionisten hatten Angst, dass die Menschen zu Sklaven ihrer Maschinen wurden. Expressionisten waren die Gegenspieler der Impressionisten und Symbolisten. Diese haben die Ereignisse melancholisch wiedergegeben und schilderten nur die Krise, anstatt zu versuchen, die Gesellschaft und die Menschen zu verändern. Die Symbolisten, die 2. Gegenspieler der Expressionisten, wollten zwar auch die Welt verändern, wurden aber von den Expressionisten als Dichter jenseits der gesellschaftspolitischen Wirklichkeit gesehen. Die Expressionisten versuchten, die Gesellschaft durch ihre Kunst zu verändern. Das Leben wurde bestimmt vom industriellen Arbeitsrhythmus, der Hektik des modernen Verkehrswesens und der Flut von Informationen. Deswegen wollten Expressionisten provozieren, damit man sie hört.

Die Dichter kritisierten die Gesellschaft vor dem 1. Weltkrieg. Die Menschen waren gesättigt durch den Wohlstand und legten wenig eigene Bedürfnisse an den Tag, oder die Bedürfnisse wurden durch Werbung oder Propaganda künstlich erzeugt. Der Expressionismus ist der Versuch, die Gesellschaft zu verändern oder auch, auf die sich verändernde Gesellschaft zu reagieren. Autoren wollen nicht nur die Wirklichkeit darstellen, sondern wollen die Realität verändern, die Wirklichkeit ihrem Ideal anpassen.

Ereignisse wie das Erscheinen des Kometen und der Untergang der Titanic verunsicherte die junge Generation, welche den Glauben an die technisch beherrschbare Zukunft verloren hatte. Und so kommen die Themen Sinnverlust und Angst auf, die die Expressionisten mit Großstadt, Weltende und Krieg darstellen. Um Vorstellung von einem menschenwürdigen Dasein und neuer Brüderlichkeit Ausdruck zu verleihen, bedienen sich die Autoren eines leidenschaftlichen Pathos, den man auch den expressionistischen Schrei nennt.

Ziel der Expressionisten ist es, die Menschen von den Zwängen der Maschinenwelt und des modernen Kapitalismus zu befreien. Sie wollen neue gesellschaftliche Rahmenbedingungen schaffen. Die menschliche Existenz hielten sie für verlogen und sinnlos. Sie versuchen, mithilfe der Kunst Existenzängste zu benennen.

Die 1. Phase des Expressionismus

Die 1. Phase des Expressionismus ging von etwa 1910 bis zum Beginn des 1. Weltkriegs. Wichtige Themen waren der Krieg und vor allem der Generationenkonflikt. Die Expressionisten waren gegen jede Form von Autorität, insbesondere gegen die Eltern, denn diese galten als bürgerlich. Im Vordergrund stand außerdem, die Menschen mit ihrer Kunst zu schockieren. Sie versuchten, die Bürgerlichkeit zu entlarven, indem sie zum Beispiel Hässliches darstellten.

Die bevorzugte Gattung war die Lyrik. Sie stellten mit Gedichten die Sinnentleerung des Daseins und die Zivilisationskritik dar. Die wichtigsten Gedichte dieser Phase sammelte Kurt Pintus in Menschheitsdämmerung. Es erschien in dem Jahr 1920. Die 4 Kapitel, Sturz und Schrei, Erweckung des Herzens, Aufruhr und Empörung, und Liebe den Menschen, versammeln Gedichte von wichtigen, deutschsprachigen, expressionistischen Lyrikern. Einige Dichter nenne ich euch hier: Jacob van Hoddis, Georg Trakl, Gottfried Benn, Johannes R. Becher, Ernst Stadler und Else Lasker Schüler.

Die 2. Phase des Expressionismus

Die 2. Phase beginnt mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs. Wichtiges Thema in dieser Phase ist der Krieg. Durch die Kriegserlebnisse wollen die Expressionisten zum Pazifismus und zu neuer Brüderlichkeit aufrufen und dadurch die Welt verändern. Sie haben sich in dieser Phase klar gegen die Entfremdung des Menschen durch Militarismus, Kapitalismus und Industrialisierung ausgesprochen und kritisieren die Gesellschaft. Die Autoren bevorzugen in dieser Phase das Drama. Wichtige Autoren und Werke sind: Carl Sternheim mit den Werken "Die Hose" oder "Bürger Schippel" aus dem Jahr 1911 und 1913. Oder Ernst Barlach mit "Der tote Tag" von 1912. Und Ernst Holler mit "Die Wandlung" aus dem Jahr 1919. Andere wichtige Dramenautoren sind Johannes R. Becher, Franz Werfel und Frank Wiedekind. Entscheidender Ausgangspunkt für die expressionistische Literatur waren das Leiden an der Verlogenheit und der Sinnlosigkeit des modernen Lebens und die Erfahrung aus dem 1. Weltkrieg.

Die Sprache der Expressionisten war neuartig und revolutionär. Die Autoren wollten verändern. Wichtige Lyriker aus dieser Zeit sind zum Beispiel Jacob van Hoddis, Georg Trakl oder Else Lasker Schüler. Und ein paar Dramenautoren sind zum Beispiel Carl Sternheim, Ernst Barlach oder Ernst Holler.

Das war das Video über die Literaturepoche Expressionismus. Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht. Macht's gut und bis zum nächsten Mal, eure Luise.

Informationen zum Video
7 Kommentare
  1. 4 up on 22 05 16 at 18.12  7

    danke sehr gutes video:)))

    Von Pema L., vor 3 Monaten
  2. Rene redaktion

    Nicht ganz: Die Sprecherin bezieht sich auf den letzten deutschen Kaiser, Wilhelm II., der von 1888 bis 1918 an der Macht gewesen ist. Auf dem Zahlenstrahl ist aber allgemein die Zeit des Wilhelminischen Kaiserreichs festgehalten, d.h. von 1871 (Reichsgründung) bis 1918 Ende des Ersten Weltkriegs.

    Beste Grüße
    Deine Redaktion

    Von René Perfölz, vor 10 Monaten
  3. Default

    1888 wurde in der 1:36 Minute falsch geschrieben.

    Von User13553533, vor 10 Monaten
  4. Default

    Was ist mit der Endzeitstimmung, die aufgekommen ist? Auch hinsichtlich des Krieges wurde uns das so erklärt, dass dieser quasi herbeigesehnt worden ist.

    Von Shavo1989, vor etwa 2 Jahren
  5. Default

    Gelungenes Video,danke

    Von Esastan, vor etwa 3 Jahren
  1. Prisca2

    Hallo Johannes, Kafka durch eindeutige Merkmale einer Literaturepoche zuzornden, ist nahezu unmöglich. Die Literaturwissenschaftler streiten sich zusehens darüber. Kafka lebte in der Zeit der Expressionisten, mehr leider nicht.

    Von Prisca P., vor mehr als 3 Jahren
  2. Default

    was ist mit kafka? gehört er nicht dort hinein???

    Von Johannes Jent, vor mehr als 3 Jahren
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