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Exilliteratur 08:40 min

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Transkript Exilliteratur

Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner. Mit sogenannten Feuersprüchen werfen die Studenten die Bücher in das Feuer. 20.000 Exkremente überhitzter Phantasten verbrennen allein in Berlin.

Es ist der 10. Mai 1933, als auf dem Opernplatz und in 21 anderen deutschen Universitätsstädten groß inszenierte öffentliche Bücherverbrennungen stattfinden. Die NSDAP mit ihrem Vorsitzenden Adolf Hitler will die deutschen Büchereien “säubern”. Sie haben schwarzen Liste von 250 vor allem jüdischen, aber auch pazifistischen und marxistischen Schriftstellern erstellt. Darunter unter anderen Alfred Döblin, Robert Musil, Lion Feuchtwanger, Sigmund Freud und Karl Marx.

“Wider den undeutschen Geist”

“Wider den undeutschen Geist” lautet das Motto. Die große nationale Verbrennungsaktion wird in alle Haushalte übertragen und von der Presse unterstützt. Danach beginnt eine große Auswanderungswelle. Mehr als eine halbe Million Menschen werden von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben. Darunter ca. 2.500 Schriftsteller und Publizisten. Es beginnt die Ära der deutschen Exilliteratur.

Die deutsche Exilliteratur

Das Wort Exil leitet sich vom lateinischen exilium = Verbannung ab. Die Exilliteratur wird auch als Emigrantenliteratur bezeichnet und umfasst sämtliche Werke von Schriftstellern, die unfreiwillig Zuflucht in der Fremde suchen müssen, weil ihre Person oder ihr Werk im Heimatland bedroht ist.

Der Großteil der Exilliteratur besitzt einen politischen Charakter. Aus dem Heimweh einiger Autoren entstehen aber auch Naturgedichte und Liebeslyrik. Die während des Dritten Reichs entstehende Exilliteratur ist vor allem die Literatur der Gegner des Nationalsozialismus.

Die Auswanderungswelle

Viele Autoren suchen nach 1933 zunächst in europäischen Ländern Zuflucht, doch nach Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 müssen sie auch aus Österreich, Frankreich und den Niederlanden fliehen. Neben Paris, Amsterdam, Stockholm, Zürich werden deshalb Moskau, New York und Mexiko zu Zentren der deutschen Exilautoren.

Dort werden die Exilanten mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert:
- Hoffnungslosigkeit auf baldige Rückkehr
- Kein Kontakte zum Heimatland
- Verlust der deutschen Sprache und Trennung von Publikum und europäischer Kultur.

Gegen den Nationalsozialismus

Zudem schränken die äußerst geringen Veröffentlichungsmöglichkeiten die Arbeit und Wirkung der Schriftsteller und Publizisten drastisch ein. Die meisten leben isoliert unter materiell dürftigsten Bedingungen.Die in der Welt verstreuten Exilautoren erkennen, dass sie nur gemeinsam gegen den Nationalsozialismus protestieren können.

Entstehung antifaschistischer Verlage

Sie verbindet die Gegnerschaft zu den Nationalsozialisten und der Anspruch, das “andere Deutschland” zu repräsentieren. Unter schwierigen Bedingungen gründen sie Verlage. In zwölf Jahren erscheinen über 400 Exilzeitschriften mit dem Zweck, antifaschistisch eingestellte Schriftsteller zu vereinigen.

Heinrich Mann und viele seiner Kollegen sind der Auffassung, dass in Wirklichkeit nur antifaschistische Literatur die einzige deutsche Literatur sei. Und die hat demnach zwei Aufgaben: Sie soll die Welt über Nationalsozialisten aufklären und den Widerstand in Deutschland unterstützen.

Manifeste, Tarnschriften, Flugblätter

Andere Schriftsteller versuchen, direkt gegen das Dritte Reich zu kämpfen, in dem sie wie zum Beispiel Thomas Mann Radioreden aus den USA halten, Manifeste, Flugblätter oder Tarnschriften veröffentlichten. Die antifaschistische Tarnschrift wird mit falschem Umschlagtitel und fingiertem Impressum ins Dritte Reich eingeschleust - zum Schutz der Leser und Verbreiter.

Die Erzählprosa

Dominierende Gattung in der Exilliteratur aber ist tatsächlich die Erzählprosa: Es entstehen zeitgeschichtliche Romane, je nach Schauplatz der “Deutschlandroman” oder der “Exilroman”. Im Deutschlandroman schlagen sich Erlebnisberichte, Reportagen und Dokumentationen literarisch nieder. Das berühmteste Beispiel des Exilromans ist Anna Seghers´ Transit.

Darin entwickelt sich der deutsche Ich-Erzähler von einem heimat- und ziellos herumirrenden Flüchtling zu einem Antifaschisten, der sich zu Frankreich verbunden fühlt. Gegen Ende der Exilliteraturepoche bilden sich die Autobiographie und der Familien- oder Generationenroman und die Deutschland-Allegorie heraus.

Als bedeutendster historischer Roman des Exils gilt Henri Quatre von Heinrich Mann: Ausgestattet mit Macht, jedoch zur Güte neigend, ringt Henri um Einheit und Größe seiner Nation. Auf dem Weg zu seiner menschlichen Vollendung stellt die Hauptfigur das Ideal von Heinrich Mann dar. Berühmt ist auch Anna Seghers Roman Das siebte Kreuz. In ihrem Werk um das tägliche Leben im Dritten Reich werden sieben Kreuze zur Hinrichtung für sieben entflohene Häftlinge aufgestellt. Doch das siebte Kreuz bleibt frei, denn einer kann fliehen – ein Symbol des Widerstandes in Deutschland.

Der letzte Satz des Romans lautet: Wir fühlten alle, wie tief und furchtbar die äußeren Mächte in den Menschen hineingreifen können, bis in sein Innerstes, aber wir fühlten auch, dass es im Innersten etwas gab, was unangreifbar war und unverletzbar.

Brechts Lehrtheater

Für Dramatiker war die Exilsituation besonders schwierig - was sie schrieben, blieb mit ein paar Ausnahmen ohne Aussicht auf Aufführung. Bertolt Brecht hatte für die Exilliteratur eine wichtige Bedeutung. Er entwickelte die Form des Lehrtheaters. Stücke wie Der gute Mensch von Sezuan, Mutter Courage und ihre Kinder und Leben des Galilei begründen seinen Weltruhm.

Die innere Emigration

Deutschland nie verlassen haben dagegen Exilschriftsteller wie Gottfried Benn und Erich Kästner - sie haben sich in die innere Emigration zurückgezogen, d.h. sie sind in Deutschland geblieben, haben sich aber ebenso vom Nationalsozialismus distanziert. Die deutsche Exilliteratur beginnt mit den Bücherverbrennungen des NS-Regimes, aber sie endet nicht mit Kriegsende. Aus verschiedenen Gründen setzte die Aufarbeitung der Erfahrung Exil erst mit zeitlicher Verzögerung ein.

Ein Großteil der in der Emigration entstandenen Literatur kam also erst lange nach 1945 zur Veröffentlichung - oder bis heute nicht. Weitaus häufiger ist ein anderer Fall: Die extremen (Über-)Lebensbedingungen verhinderten das Entstehen literarischer Texte. Und nicht wenige Exilautoren begingen Selbstmord - unter anderem Ernst Toller, Walter Benjamin, Kurt Tucholsky und Stefan Zweig.

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2 Kommentare
  1. Rene redaktion

    Vielen Dank für deinen Kommentar. Wir freuen uns, dass dir das Video gefällt. Probiere auch die Übungen aus, in denen du dein Wissen testen und anwenden kannst.

    Beste Grüße
    Die Deutschredaktion

    Von René Perfölz, vor mehr als einem Jahr
  2. Default

    super tolles Video! Danke ;)

    Von Magoosy M, vor mehr als einem Jahr