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Transkript Erzählsituation – Zeitpunkt des Erzählens

Hallo! Ich bin Martina, und in diesem Video geht es wieder um die Erzählsituation in epischen Texten. Aber diesmal geht es um die Erzählinstanz, genauer gesagt wollen wir uns mit dem beschäftigen, was als Stimme bezeichnet wird, oder ganz einfach mit der Frage: Wer spricht den epischen Text? In dem Video zur Fokalisierung habe ich bereits darauf hingewiesen, dass Stimme und Fokalisierung, also die Frage, wer spricht und wer sieht, manchmal zusammengehörend betrachtet werden. Dieses Video orientiert sich aber an Theorien, bei denen Fokalisierung und Stimme getrennt betrachtet werden. Damit du alles verstehst, solltest du dir auf jeden Fall das Video zur Fokalisierung und zur Zeit in epischen Texten ansehen. Falls du dir diese Videos schon angesehen hast, können wir gleich anfangen. Ich wünsche dir viel Spaß! Zur Kategorie der Stimme gehört die Art des Erzählens, und diese beschäftigt sich einerseits mit der Person des Erzählers und andererseits mit dem Verhältnis zwischen Erzähler und Erzähltem und dem Verhältnis zwischen Erzähler und Leser. Um richtig zu verstehen, was mit Erzähler gemeint ist und in welchem Verhältnis er zum Erzähltem steht, muss man sich erst mal vergegenwärtigen, dass der Autor und der Erzähler nicht identisch sind. Der Erzähler ist eine vom Autor erfundene Instanz, die dem Leser das Geschehen vermittelt. Bei fiktionalen Texten ist es dem Autor überlassen, mit welchen Kompetenzen er seinen Erzähler ausstattet. Die Möglichkeiten, die ein Autor hier hat, werden nach 4 Kategorien unterschieden. Dem Zeitpunkt des Erzählens, dem Ort des Erzählens, der Stellung des Erzählers zum erzählten Geschehen, Subjekt und Adressat des Erzählens. In diesem Video werden wir uns mit dem Zeitpunkt des Erzählens beschäftigen, also mit der Frage: Wann wird erzählt? Du solltest den Zeitpunkt des Erzählens aber nicht mit der Kategorie der Zeit in epischen Texten verwechseln, denn der Zeitpunkt des Erzählens gehört zur Kategorie der Stimme. Nicht in allen fiktionalen Texten wird der Zeitpunkt des Erzählens genau genannt. Dennoch kann man anhand der verwendeten Zeitform das Verhältnis zwischen dem Zeitpunkt des Erzähltem und dem Zeitpunkt des Erzählens bestimmen. Geschichten werden nämlich entweder in der Vergangenheit, in der Gegenwart oder in der Zukunft erzählt. Die hierfür verwendeten Zeitformen sind entweder das Präteritum, das Präsens oder das Futur I. Wenn man sich nun überlegt, welcher zeitliche Abstand zwischen dem Zeitpunkt des Erzählens und dem Zeitpunkt des Erzähltem liegt, kann man den Zeitpunkt des Erzählens, nach in einen späteren, einen gleichzeitigen und einen früheren Zeitpunkt des Erzählens unterteilen. Diese 3 genannten Möglichkeiten können sich allerdings auch mischen, zum Beispiel, wenn abwechselnd gleichzeitig und später erzählt wird. In diesem Fall handelt es sich dann um eingeschobenes Erzählen. Beginnen wir mit dem späteren Erzählen, denn das ist der Typ, der in epischen Texten am häufigsten vorkommt. Beim späteren Erzählen ist der Akt des Erzählens den Ereignissen zeitlich nachgeordnet, das heißt, es wird später erzählt, was bereits passiert ist. Man erkennt den Typ des späteren Erzählens meist an der Verwendung des Präteritums. Beim späteren Erzählen gibt es aber 2 Besonderheiten zu beachten. 1. weist das Präteritum nicht immer auf Vergangenes hin, wie zum Beispiel beim epischen Präteritum, und 2. kann auch ein Text, der im Präsens geschrieben wurde, auf die Vergangenheit hinweisen, zum Beispiel wenn ein Text im historischen Präsens geschrieben ist. Diese beiden Begriffe sollten wir aber erst mal klären. Das epische Präteritum ist eine Theorie von der Literaturwissenschaftlerin und Philosophin Käthe Hamburger. Diese Theorie besagt einfach, dass das Präteritum in fiktionalen Texten seine grammatische Funktion verliert. Dies ist vor allem der Fall, wenn der Zeitpunkt des Erzählens unbestimmbar oder irrelevant ist. Das epische Präteritum weist also vor allem auf die Fiktionalität des Textes hin. Und dann ist es auch möglich, Zeitadverbien wie „morgen“ mit dem Präteritum zu verbinden. Zum Beispiel in dem Satz: „Morgen musste sie nach Hause fahren.“. Die Idee der Zeitlosigkeit in fiktionalen Texten wurde allerdings inzwischen schon wieder angezweifelt. Das historische Präsens kann in fiktionalen Texten entweder als Wirklichkeitsbericht oder als Ersatz für das epische Präteritum dienen. Aus dem historischen Kontext heraus ist allerdings die Nachzeitigkeit des Erzählens gegenüber dem Erzählten deutlich, wie zum Beispiel in dem Satz „Hier in Russland begeht Napoleon nun den entscheidenden Fehler.“. Der Abstand zwischen dem Zeitpunkt des Erzählens und dem Zeitpunkt des Erzählten kann sich allerdings aber auch während des Handlungsverlaufs ändern. Ein Beispiel hierfür sind die Erzählungen, in denen ein Ich-Erzähler von seinem Leben berichtet und zu seinem Zeitpunkt in seiner Jugend beginnt und die Geschichte dann im Alter des Ich-Erzählers endet. Der Abstand ist zuerst groß und verringert sich dann aber, umso näher Erzählen und Erzähltes zeitlich zusammenkommen. Beim gleichzeitigen Erzählen fallen der Zeitpunkt des Erzählens und der des Erzählten weitgehend zusammen, und der Erzähltempus ist das Präsens. Da das Präsens aber auch das historische Präsens sein könnte, reicht die Markierung durch die Zeitform nicht aus. Die Gleichzeitigkeit von Erzählen und Erzähltem muss auch durch eine spezifische Präsentation deutlich gemacht werden. Du kennst bestimmt Live-Berichterstattungen, zum Beispiel, wenn ein Reporter live von einem Fußballspiel berichtet. In fiktionalen Texten können Gedanken und Beobachtungen ähnlich einer Live-Reportage wiedergegeben werden, sodass der Zeitpunkt des Erzählens und der des Erzählten fast übereinstimmen. Ein Beispiel für gleichzeitiges Erzählen ist zum Beispiel der folgende Textausschnitt: „Durch die halb offene Tür sehe ich den lehmigen, aufgestampften Weg und die morschen Bretter um den Schweinekofen. Der Rüssel des Schweines schnuppert in der breiten Fuge, wenn er nicht schnaufend und grunzend im Schlamm wühlt. Außerdem sehe ich noch ein Stück der Hauswand, mit zersprungenem, teilweise abgebröckeltem gelblichen Putz, ein paar Pfähle, mit Querstangen für die Wäscheleinen, und dahinter, bis zum Horizont, feuchte, schwarze Ackererde.“ Beim früheren Erzählen liegt der Zeitpunkt des Erzählens zeitlich vor dem Zeitpunkt des Erzählten, und die Zeitform ist das Futur I. Das frühere Erzählen kommt eigentlich nur in Prophezeiungen vor. Man muss jedoch zwischen einem realen und einem imaginärem Kontext unterscheiden, denn auch Erzählungen, die von ihrem realen Kontext aus betrachtet in der Zukunft spielen, werden vom imaginären Kontext im Modus des späteren Erzählens beschrieben. Ein Beispiel hierfür ist der folgende Textausschnitt: „Im Januar 2013 hatte es häufig geschneit und wir schaufelten ständig den Weg vor dem Haus frei.“ Vom realen Kontext her spielt die Geschichte in der Zukunft. Der Zeitpunkt des Erzählten liegt also auch in der Zukunft. Vom imaginären Kontext her ist der Zeitpunkt des Erzählens dem Zeitpunkt des Erzählten nachgestellt. Es wird also später erzählt, was früher geschehen ist. Eingeschobenes Erzählen bedeutet, dass sich gleichzeitiges und späteres Erzählen abwechseln. Diesen Erzählstil findet man zum Beispiel in Briefromanen, also wenn die Erzählung zum Zeitpunkt des Erzählens noch nicht abgeschlossen ist. Der Erzähler kann immer wieder zwischen dem Erzählen von Vergangenem und dem Erzählen von augenblicklichen Situationen hin und her wechseln. Ein Beispiel hierfür ist der folgende Textausschnitt: „Wo ich neulich mit meiner Erzählung geblieben bin, weiß ich nicht mehr; das weiß ich, dass es 2 Uhr des Nachts war, als ich zu Bette kam, und dass, wenn ich dir hätte vorschwatzen können, statt zu schreiben, ich dich vielleicht bis an den Morgen aufgehalten hätte. Was auf unserer Hereinfahrt vom Balle geschehen ist, habe ich noch nicht erzählt, habe auch heute keinen Tag dazu. Es war der herrlichste Sonnenaufgang. Der tröpfelnde Wald und das erfrischte Feld umher! Unsere Gesellschafterinnen nickten ein. Sie fragte mich, ob ich nicht auch von der Partie sein wollte; ihretwegen sollt' ich unbekümmert sein.- ''So lange ich diese Augen offen sehe'', sagte ich und sah sie fest an, ''so lange hat's keine Gefahr''“ So, und zum Schluss gibt es wieder eine Zusammenfassung. Die Kategorie der Stimme beschäftigt sich mit der Frage: Wer spricht in epischen Texten? Zu dieser Kategorie gehört die Art des Erzählens, und diese beschäftigt sich mit der Person des Erzählers und dem Verhältnis zwischen Erzähler und Erzähltem und dem Verhältnis zwischen Erzähler und Leser. Der Erzähler ist eine vom Autor erfundene Instanz. In fiktionalen Texten kann der Autor entscheiden, welche Kompetenzen sein Erzähler hat. Die Möglichkeiten, die ein Autor dabei hat, werden nach 4 Kategorien unterschieden. Die 1. Kategorie, die auch Bestandteil dieses Videos ist, ist der Zeitpunkt des Erzählens. Der Zeitpunkt des Erzählens bedeutet: Wann wird erzählt? Über den zeitlichen Abstand zwischen dem Zeitpunkt des Erzählens und dem Zeitpunkt des Erzähltem kann man sagen, dass es ein späteres, ein gleichzeitiges und ein früheres Erzählen gibt. Beim späteren Erzählen liegt der Zeitpunkt des Erzählens zeitlich hinter dem des Erzähltem und seine Zeitform ist, abgesehen vom historischem Präsens, das Präteritum. Beim gleichzeitigen Erzählen sind der Zeitpunkt des Erzählens und der des Erzählten fast identisch. Die Zeitform ist das Präsens und der Erzählstil ist ähnlich einer Live-Berichterstattung. Beim früheren Erzählen liegt der Zeitpunkt des Erzählens zeitlich vor dem des Erzählten. Die Zeitform ist das Futur I, wenn es sich um Prophezeiungen handelt. In imaginären Kontexten kann aber auch das Präteritum verwendet werden. Schließlich haben wir noch das eingeschobene Erzählen. Hier wechselt der Erzähler zwischen späteren und gleichzeitigen Erzählen hin und her. So, und schon sind wir wieder am Ende des Videos. Ich hoffe, dass es dir gefallen hat. Bis zum nächsten Mal, Martina.

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