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Transkript Erzählsituation – Stellung des Erzählers zum Geschehen (Übung)

Hallo! Ich bin Martina, und in diesem Video kannst du nun selbst einmal versuchen, in Textbeispielen die Form der Fokalisierung und die Stellung des Erzählers zum Geschehen zu bestimmen. Damit du die Aufgaben lösen kannst, solltest du dir vorher die beiden Videos zu diesem Thema ansehen. Ich wünsche dir viel Spaß mit dem Video und viel Erfolg beim Lösen der Aufgaben! Ich beginne mit der Fokalisierung. Du erinnerst dich bestimmt an die 3 Formen der Fokalisierung, nämlich die Nullfokalisierung, die interne Fokalisierung und die externe Fokalisierung. Bei der Nullfokalisierung, die auch als auktorial bezeichnet wird, weiß der Ezähler mehr, als die Figuren. Er weiß z.B., was mehrere Figuren zur gleichen Zeit tun und kennt auch ihre Gedanken. Bei der internen Fokalisierung ist die Wahrnehmung des Erzählers auf eine Figur beschränkt. Er weiß und sagt also nicht mehr, als diese Figur. Der Erzähler kennt sowohl die Gedanken dieser Figur, als auch ihre Wahrnehmung. Zu den Merkmalen der internen Fokalisierung gehören z. B. Ort- und Zeitadverbien, die sich auf die Wahrnehmung der Firgur beziehen. Die interne Fokalisierung wird in fixierte interne Fokalisierung, variable interne Fokalisierung und multiple interne Fokalisierung unterschieden. Bei der fixierten internen Fokalisierung ist die Wahrnehmung des Erzählers durchgängig an eine Figur gebunden. Bei der variablen internen Fokalisierung wechselt die Perspektive zwischen den Figuren, aber ohne die chronologische Reihenfolge zu stören. Es wird also nicht dieselbe Geschichte aus verschiedenen Perspektiven wiederholt. Bei der multiplen Fokalisierung wird das Geschehen wiederholt und jeweils aus der Perspektive einer anderen Figur dargestellt. Schließlich gibt es noch die externe Fokalisierung. Bei der externen Fokalisierung ist die Wahrnehmung des Erzählers nicht an eine bestimmte Figur gebunden. Aber im Unterschied zur Nullfokalisierung weiß, bzw. erzählt der Erzähler weniger, als die Figuren wissen. Das Geschehen wird also nur von außen betrachtet, und der Erzähler weiß nichts über die Wahrnehmung der Figuren. Entscheide nun bei dem folgenden Textauszug, um welche Fomr der Fokalisierung es sich handelt. Drücke auf Pause, damit du dir den Text durchlesen kannst und entscheide dann, ob es sich um die interne, die externe oder die Nullfokalisierung handelt. Und schon geht's los: Nathanael denkt: Das ist Klara, und ich bin ihr eigen ewiglich. – Da ist es, als fasst der Gedanke gewaltig in den Feuerkreis hinein, dass er stehen bleibt, und im schwarzen Abgrund verrauscht dumpf das Getöse. Nathanael blickt in Klaras Augen; aber es ist der Tod, der mit Klaras Augen ihn freundlich anschaut. Drücke nun auf Pause und überlege, um welche Form der Fokalisierung es sich handelt. Es ist die interne Fokalisierung, denn der Erzähler berichtet aus Nathanels Perspektive und kennt vor allem seine Gedanken. Und hier kommt noch ein Textbeispiel: Es war einer von den neuen Waggons mit Treppenaufgang, und der mit besonderer Adrettheit gekleidete Herr: blauer Überrock, helles Beinkleid und Korallentuchnadel, wandte sich, als er das Waggontreppchen hinauf war, wieder um, um seiner Dame beim Einsteigen behülflich zu sein. Die Compartiments waren noch leer, und so hatte man denn die Wahl, aber freilich auch die Qual, und mehr als eine Minute verging, ehe die schlanke, schwarzgekleidete Dame sich schlüssig gemacht und einen ihr zusagenden Platz gefunden hatte. Von ähnlicher Unruhe war der sie begleitende Herr, dessen Auf- und Abschreiten jedoch, allem Anscheine nach, mit der Platzfrage nichts zu schaffen hatte, wenigstens sah er, das Fenster mehrfach öffnend und schließend, immer wieder den Perron hinunter, wie wenn er jemand erwarte. Drücke jetzt wieder auf Pause. In diesem Fall handelt es sich um eine externe Fokalisierung, denn das Geschehen wird nur von außen beschrieben, aber der Erzähler kennt nicht die Gedanken der Figuren. Er weiß z. B. nicht genau, warum der Mann unruhig auf und ab schreitet. So viel zur Fokalisierung. Aber wie war das denn nochmal mit der Stellung des Erzählers zum Geschehen? Es gibt hier erst einmal 2 Möglichkeiten. Der Erzähler ist als Figur am Geschehen beteiligt, oder der Erzähler ist nicht Teil der erzählten Welt und tritt ganz in den Hintergrund zurück. Ein Erzähler, der am Geschehen beteiligt ist, ist ein homodiegetischer Erzähler. Er erzählt in der 1. Person, er ist also ein Ich-Erzähler, aber er ist nicht die Hauptfigur der Erzählung. Er kann das Geschehen selbst erleben oder nur davon berichten. Ein Sonderfall des homodiegetischen Erzählers ist der autodiegetische Erzähler, denn in diesem Fall ist der Erzähler Teil der erzählten Welt und auch die Hauptfigur. Der heterodiegetische Erzähler ist nicht Teil der erzählten Welt, und er berichtet meist in der 3. Person. So, nach dieser kurzen Wiederholung kommt auch gleich die 1. Übung. Sieh dir wieder das Textbeispiel an, drücke dann auf Pause, und wenn du weißt, um was für einen Erzähler es sich handelt, dann drückst du wieder auf Play. Friedrich Mergel, geboren 1738, war der einzige Sohn eines sogenannten Halbmeiers oder Grundeigentümers geringerer Klasse im Dorfe B., das, so schlecht gebaut und rauchig es sein mag, doch das Auge jedes Reisenden fesselte durch die überaus malerische Schönheit seiner Lage in der grünen Waldschlucht eines bedeutenden und geschichtlich merkwürdigen Gebirges. Das Ländchen, dem es angehörte, war damals einer jener abgeschlossenen Erdwinkel ohne Fabriken und Handel, ohne Heerstraßen, wo noch ein fremdes Gesicht Aufsehen erregte und eine Reise von dreißig Meilen selbst den Vornehmeren zum Ulysses seiner Gegend machte – kurz, ein Fleck, wie es deren sonst so viele in Deutschland gab, mit all den Mängeln und Tugenden, all der Originalität und Beschränktheit, wie sie nur in solchen Zuständen gedeihen. Drücke jetzt wieder auf Pause. Es handelt sich hier um einen heterodiegetischen Erzähler, denn er ist nicht Teil der erzählten Welt. Sieh dir gleich einmal das nächste Beispiel an. Gestern sind wir hier angelangt. Der Gesandte ist unpaß und wird sich also einige Tage einhalten. Wenn er nur nicht so unhold wäre, wär' alles gut. Ich merke, ich merke, das Schicksal hat mir harte Prüfungen zugedacht. Doch gutes Muts! Ein leichter Sinn trägt alles! Ein leichter Sinn? Das macht mich zu lachen, wie das Wort in meine Feder kommt. O ein bißchen leichteres Blut würde mich zum Glücklichsten unter der Sonne machen. Was! Da, wo andere mit ihrem bisschen Kraft und Talent vor mir in behaglicher Selbstgefälligkeit herumschwadronieren, verzweifle ich an meiner Kraft, an meinen Gaben? Guter Gott, der du mir das alles schenktest, warum hieltest du nicht die Hälfte zurück und gabst mir Selbstvertrauen und Genügsamkeit? Und jetzt erst einmal wieder auf Pause drücken. Der Erzähler in diesem Textbeispiel ist ein homodiegetischer Erzähler, denn er ist Teil der erzählten Welt. Und ein letztes Beispiel gibt es noch. Wie der Leser schon aus der Kapitelüberschrift entnehmen wird, habe ich vor, in dem unmittelbar Nachstehenden mich weit jenseits der hier zu schildernden Swinemünder Tage niederzulassen, welches Vorhaben mit dem Wunsche zusammenhängt, das Charakterbild meines Vaters nach Möglichkeit zu vervollständigen, will sagen, nach oben hin abzurunden. Denn wie er ganz zuletzt war, so war er eigentlich. Drücke jetzt wieder auf Pause. Na klar, in Fontanes autobiografischen Roman "Meine Kinderjahre" ist der Erzähler natürlich ein autodiegetischer Erzähler, denn er ist Teil der erzählten Welt, da er ja seine Lebensgeschichte erzählt, und er ist auch deren Hauptfigur. Girard Ginette hat anhand der beiden Parameter Fokalisierung und Stellung des Erzählers zum Geschehen ein Schema entworfen, nachdem die folgenden 6 Erzählsituationen möglich sind. Mischformen sind natürlich auch möglich, aber wir sehen uns erst einmal diese 6 Erzählsituationen an. Von links nach rechts stehen die Fokalisierungstypen, und von oben nach unten haben wir die Stellung des Erzählers zum Geschehen. Daraus ergeben sich dann folgende Erzählsituationen: Nullfokalisierung - heterodiegetischer Erzähler, Nullfokalisierung - homodiegetischer Erzähler, interne Fokalisierung - heterodiegetischer Erzähler, interne Fokalisierung - homodiegetischer Erzähler, externe Fokalisierung - heterodiegetischer Erzähler, externe Fokalisierung - homodiegetischer Erzähler. Ich zeige dir nun wieder ein Textbeispiel und du überlegst, welche der obengenannten Erzählsituation für den Text zutrifft. Vorstehende Anekdote verdanke ich meinem Oheim, Herrn Toby Shandy, welchem mein Vater, der ein trefflicher Naturphilosoph und ein passionierter Analytiker war, diesen Unfall oft und mit Schmerzen geklagt hatte; besonders aber geschah dies, wie sich mein Onkel Toby erinnerte, eines Tages, als mein Vater bemerkte, auf was für eine unverantwortlich schiefe Art (sein eigner Ausdruck) ich meinen Kopf warf. Nachdem er es ganz natürlich gefunden, schüttelte der alte Mann sein Haupt und sagte in einem Tone, der weit mehr Kummer als Vorwurf ausdrückte, sein Herz habe ihm das Alles längst vorausgesagt, und sowohl dies, wie tausend andere Dinge, die er an mir beobachtet hätte, überzeugten ihn klärlich, dass ich nun und nimmer wie ein anderes Menschenkind denken und handeln würde. Drücke jetzt wieder auf Pause. Der Erzähler ist ein homodiegetischer Erzähler, denn er ist Teil der erzählten Welt. Die Fokalisierung ist die Nullfokalisierung, denn die Wahrnehmung des Erzählers ist an keine bestimmte Figur gebunden. Er weiß ebensoviel über die Gedanken seines Onkels, wie auch über die seines Vaters und kennt sogar die zukünftigen Ereignisse. Und ein letztes Beispiel habe ich noch. K. hängte, als er diese Meldung erhalten hatte, ohne zu antworten, den Hörer an; er war gleich entschlossen, Sonntag hinzugehen, es war gewiss notwendig, der Prozess kam in Gang und er musste sich dem entgegenstellen, diese erste Untersuchung sollte auch die letzte sein. Er stand noch nachdenklich beim Apparat, da hörte er hinter sich die Stimme des Direktor-Stellvertreters ... Drücke jetzt wieder auf Pause. Bei diesem Beispiel handelt es sich um einen heterodiegetischen Erzähler, denn er ist nicht Teil der erzählten Welt, aber um eine interne Fokalisierung, denn der Erzähler kennt die Gedanken und die Wahrnehmungen der Figur. So, und schon sind wir am Ende. Ich hoffe, dir haben die Übungen Spaß gemacht. Bis zum nächsten Mal, Martina!    

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