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Transkript „Emilia Galotti“ – Überblick (Lessing)

Guten Tag, liebe Lernende! In unserem heutigem Lernvideo geht es um ein berühmtes Stück, und zwar um das von Gotthold Ephraim Lessing. Das Stück heißt "Emilia Galotti" und wurde 1771/1772 von Lessing verfasst. Er war zu diesem Zeitpunkt 42 Jahre alt und hatte seine Position im Leben als Bibliothekar in Wolfenbüttel gefunden. Das Stück wurde seinerzeit ein großer Erfolg und dieser Erfolg hält bis heute an. Wir wollen jetzt im Einzelnen uns anschauen, worum es in dem Stück geht, worin auch seine Schwächen liegen und was vielleicht eine Erklärung dafür ist, warum dieses Stück bis heute seinen Erfolg hat. Dann fangen wir gleich am besten am Anfang an und der Anfang eines Dramas, der heißt immer Exposition - also die Einführung, die Einleitung, Exposition, wovon aus die einzelnen Figuren und die einzelnen Handlungsstränge dann ihren Lauf nehmen und sich im weiteren Verlauf entwickeln, bis sie über eine Katastrophe letztendlich zu einem Ende des Ganzen führen. Da kann von dem Stück Lessings gesagt werden, dass es dafür sehr berühmt geworden ist, dass es eine ganz hervorragende Exposition besitzt und die Minen im Stück alle schon im ersten Teil gelegt werden, bevor sie dann im Laufe des Stückes irgendwann in die Luft gehen. Hier haben wir aber auch gleichzeitig einen Kritikpunkt anzumelden, und zwar bezieht der sich auf das, was wir die Retardation nennen. Die Retardation ist das, was im 4. Akt (3. oder 4. Akt) vor sich gehen muss, wenn also episch retardierende Momente die Handlung aufhalten und man so tut, als ob eine Möglichkeit zur gütlichen Einigung bestünde. Das ist also das Kennzeichen eines wirklich großartigen dramatischen Entwurfes. Wenn also die Möglichkeit (auch nur die vor dem geistigen Auge des Zuschauers scheinbare) Lösung gibt, oder wenn sie angedeutet wird und darauf verzichtet Lessing - das macht er nicht! Das hat wohl auch etwas mit der Gesamtkonzeption zu tun. Das hat etwas damit zu tun, dass Lessings Stück letztendlich nur eine Intrigentragödie ist. Das also die Handlungen der einzelnen Figuren nicht über das hinausreichen, was eben die Handlung von außen ihnen befiehlt. Das also irgendeine Intrige durch irgendjemand herhalten muss, damit die einzelnen Figuren endlich in Bewegung und zur Handlung kommen. Da es Lessing es einfach nicht schafft, Momente einzubauen, die dem Leser sagen, dass die und jene Figur so handeln musste, weil eben der Charakter, oder weil die Umstände sie dazu zwang. Es ist immer ein bisschen fragwürdig geblieben, warum die einzelnen Figuren so handeln, wie sie eben handeln. Da haben wir jetzt die drei grundsätzlichen Hauptcharaktere dieses Stückes. Das ist zum einen der Vater, der Tochter- der Vater Galotti. Die Tochter Galotti, nach der das Stück auch benannt wurde und der Fürst als das Oberhaupt. Das sind die drei Bereiche im funktionierenden Gesamtgewirke des Werkes "Emilia Galotti". Der Vater steht für ein alt-stoisches Tugendideal- nicht für die modernen Ideale des Bürgertums aus dem 18. Jahundert. Das müssen wir ganz knallhart sagen. Er ist quasi ein altrömischer Haudegen, der seine Tochter letztlich opfert, damit sie nicht in die Hände des von ihm so gehassten und gegen seine Prinzipien handelnden Fürsten gerät. Er tötet seine Tochter, damit sie rein bleibt. Ganz ähnlich, wie das mit Lucretia in der alten römischen Geschichte geschehen war, dass sie also von einem Königssohn missbraucht wurde und das letztendlich auch zum Krieg führte. Dem will der Vater nicht begegnen und versucht also so, die Reinheit seiner Tochter zu schützen, die Unversehrtheit seiner Tochter zu bewahren, weil das einfach dem stoischem Tugendideal entspricht. Nun das Problem der Tochter. Das Problem der Tochter ist, dass sie insgeheim den Fürsten liebt. Es ist also nicht so, dass die Tochter nicht bereit wäre, sich mit dem Fürsten einzulassen, aber sie kann natürlich als tugendhafte folgsame Tochter nicht etwas anderes wollen als der Vater und sei es ihr eigener Tod. Daraus erwächst so ein bisschen die Bedeutung, die das Stück bis heute haben kann, weil relativ viele Menschen sich natürlich auch in Abhängigkeit zu anderen befinden. Sei es mental, sei es finanzieller, oder sei es in irgendeiner Weise, in irgendeiner Natur, und dass sie sich natürlich fragen: Wie weit kann ich mit meinen eigenen Wünschen gehen, wenn ich jemanden, den ich liebe, oder jemanden, dem ich irgendwie verpflichtet bin, damit verletze? Da kann man das machen und insgeheim wünscht sich die Tochter natürlich, obwohl es eine Bürgerliche ist und sie selbst einen gewissen Höchstanspruch besitzt, ob sie sich mit dem Fürsten einlassen darf, oder ob sie eben nicht doch nur eine gegenwärtige Laune desselben ist, wobei der Fürst selbst auch in diesem Zwiespalt ist. Der weiß auch nicht, ob er diese bürgerliche Tochter mit seinem Herzen lieben kann, oder ob er überhaupt sein Herz befragen darf, oder ob er letztendlich nur einer Laune gehorcht. All das sind Fragen, die sich der Fürst also auch stellt, wobei er etwas oberflächlicher ist. Emilia ist da auch, deshalb heißt das Stück ja auch nach ihr, etwas differenzierter. Sie geht an die Sache also auch mit etwas mehr Schmackes ran, um es einfach mal so zu sagen. Sie ist also diejenige, die diese positiven Ausstrahlungen in diesem Stück besitzt. Die Frage lautet allerdings, worum geht es hier in diesem Stück? Lessing versucht in diesem Stück nichts anderes, als der Frage nachzugehen: Gibt es ein Recht auf Liebe? Gibt es einen Gleichheitsanspruch für alle Menschen? Ist das überhaupt möglich? Ist das durchzusetzen und lässt diesen Anspruch also in dieser Zeit mit "Nein" beantworten. Den gibt es nicht. Was nun das Motiv ist, da kann man sich nun streiten. Ob nun das Motiv in diesem Stück die Liebe ist, oder vielleicht sogar die Sehnsucht, das wage ich also stark zu bezweifeln, womit also dieser Gleichheitsanspruch durchgesetzt werden soll. Das sind also Dinge, die nicht klar und deutlich werden. Die Intrige ist dann natürlich dasjenige, was die Handlung dann in Bewegung bringt, aber die Handlung selbst erfolgt nicht aufgrund der Charaktere der Personen, sondern sie ist eher zufällig. Sie ist eher aus einer augenblicklichen Situation heraus, die aber nicht zwangsläufig zu den Ereignissen führt, die dann letztendlich zum Tod der Tochter, also zum Tod von Emilia Galotti führen. Das bringt uns dann natürlich dazu, zu fragen: Was ist das Eigentliche, was die Handlung in Gang hält? Ich glaube, dass Stichwort, das zentrale Wort lautet in diesem Stück Verführung. Der Fürst verführt die Tochter, oder es droht zumindest die Verführung der Tochter und deswegen können wir hier also auch schreiben und daraus entstehen natürlich auch die ganzen gewaltsamen Entwicklungen, dass Verführung die wahre Gewalt ist. Darum geht es letztendlich in diesem Stück: Verführung und Gewalt. Der Vater setzt sich dem nicht aus. Der Vater möchte diese Verführung nicht hinnehmen. Der Vater möchte nicht erdulden, dass seine Tochter von einem Fürsten in irgendeiner Weise misshandelt wird. Emotional oder körperlich und dann weggeworfen wird - er mit seiner Tochter letztendlich in der Almosenküche landen muss, sondern um das zu verhindern, tötet er seine Tochter und hält sie so rein und nimmt dem Fürsten das, wovon er glaubt, dass der Fürst das besonders gern hätte. Nämlich ein Spielzeug, ein nicht ernst zu nehmendes, eine momentane Laune und beweist so seine Überlegenheit gegenüber dem verruchten Fürstentum in seinem kleinem italienischem Stadtstaat. Das soll es also zu Emilia Galotti gewesen sein. Es gibt einige Schwächen. Besonders die Frage, warum die Figuren so handeln wie sie handeln und vor allen Dingen haben wir Probleme mit den episch retardierenden Momenten, dass Lessing diese nicht mit einbaut, das macht das Stück ein wenig schwächer, nachdem es mit einer sehr guten Exposition die Figuren in Position gebracht hat, versäumt es Lessing also hier ein wenig mehr Butter bei dir Fische zu geben. Ein paar Momente einzubauen, die dem Zuschauer die Möglichkeit geben, sich auch in die Gesamtsituation einzubringen. Ein paar weltanschauliche Inhalte könnten diskutiert werden. All das macht Lessing nicht. Er reduziert es letztendlich auf den zentralen Konflikt: Tochter - Vater, beziehungsweise Vater - Fürst und damit schließt er dann auch schnell ab. Der Tod der Tochter beendet das Stück.

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3 Kommentare
  1. Mara

    "Fürst" kann mit Fürsten Appiani verwechselt werden. In dem Fall ist der Prinz gemeint und nicht Emilias Verlobter.

    Von Mara Luisa M., vor fast 4 Jahren
  2. Chaosbewaeltiger

    fürst ist ebenso wie vater ein sammelbegriff. der prinz steht hier für den ERSTEN im fürstentum, first; es gibt im stück keinen, der über ihm steht, insofern kann das auch nicht missverständlich sein. dein argument wäre korrekt, wenn es eine figur gäbe, die höhergestellt wäre. ist aber nicht der fall: insofern steht prinz für fürst: er ist der propädeutende vertreter des ersten standes im fürstentum. der hauptkonflikt besteht zwischen dem tugendideal des vaters und dem des depravierten adels, insbesondere des jungen fürsten, des prinzen. er besteht nicht zwischen odoardo und hettore, wie der prinz/fürst mit vornamen gerufen werden müsste, würd eman bürgerliche bezeichnungsmaßstä#bne anlegen.
    das stück ist ein abstrakter entwurf lessings. lessings stück ist kein shakespeare-stück, in dem charaktere und die in ihnen wohnenden konflikte mit den anderen charakteren tragische konflikte durchleiden und uns zuschauern in diesem einzelnen das ungemäße der welt deutlich wird. bei lessing ist es quasi andersherum: er entwickelt aus einem weltzustand und ihren konflikten ein schauspiel für die bühne, das die handelnden "charaktere" beinahe austauschbar macht.
    daher ist die von mir gewählte dreiecksbeziehung zwischen (altem und bürgerlichem) VATER, (adelsaffinierter junger) TOCHTER und (jungem und adeligem) FÜRSTen (Prinz) hier möglich.
    sie ist allerdings, wie ich schrieb, nur ein gesprächsangebot.
    man könnte auch den konflikt zwischen vater und tochter zum hauptkonflikt erklären, schließlich geht die größte wirkung des stücks vom (gewollten?) tode emilias aus.

    Von Robert Knorr, vor etwa 4 Jahren
  3. Default

    Der Hauptkonflikt ist Vater - Prinz und nicht Vater - Fürst. Das ist sehr missverständlich im Video dargestellt.

    Von Zeughausstraße, vor etwa 4 Jahren