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Transkript „Effi Briest“ – Personenkonstellation (Fontane)

Theodor Fontane: Effi Briest - Personenkonstellation

Effi Briest ist die zentrale Heldin des Romans, so viel verrät bereits der Titel. Eigentlich lautet ihr Name Effi von Briest. Sie ist zu Beginn der Romanhandlung siebzehn Jahre alt und wird als noch verspielter Teenager geschildert. Mit ihren Freundinnen tollt sie im Garten des elterlichen Anwesens. Die gesellschaftliche Konvention sieht eine standesgemäße und finanziell vorteilhafte Vermählung für sie vor. Dieser beugt sich Effi erst einmal. Sie besitzt eine freiheitsliebende, aber sozial bedenkliche Natürlichkeit. Dies drückt sich unter anderem im Schaukeln aus.

Effis Vater ist ein ebenfalls widersprüchlicher Charakter. Dieser ist bei ihm aber nicht so deutlich ausgeprägt wie bei seiner Tochter: Er lebt eine Vernunftehe und strebt auch eine solche für seine Tochter und später für seine Enkeltochter an. Liebe hält er für überflüssig. Gleichzeitig vertritt er aber ein moderneres Familienideal. Er scheint eine väterliche Zuneigung für Effi zu empfinden. Sie vertraut ihm.

Effis Mutter verfolgt eindeutig vernünftige, das heißt, gesellschaftskonforme Interessen. Sie handelt vor allem aus Selbstliebe. Frauen wie Effis Mutter agieren im Sinne der patriarchalen Ordnung, um eigene Interessen zu wahren. Eine zweite, sehnsüchtige, freiheitsliebende Seite wie Effi hat sie nicht. Ihre eigenen Interessen sind nur auf gesellschaftliches Ansehen und finanzielle Vorteile ausgerichtet. Sie kann sich nicht vorstellen, dass ihre Tochter etwas anderes wünscht und braucht. An Effi hat sie somit gewisse Erwartungen, die diese erst einmal erfüllt.

Baron von Innstetten ist Effis Ehemann. In den Augen von Effis Mutter ist er eine gute Partie. Auch die Mehrheit ihrer Zeitgenossen sieht dies sicherlich so. Er hat finanziell ausgesorgt, bekleidet eine hohe Position im preußischen Staatswesen und genießt Macht und gesellschaftliches Ansehen. Er ist unerschütterlich prinzipientreu und verhält sich in jeder Hinsicht gesellschafts- und gesetzeskonform.

Er besitzt nicht die Leidenschaft der Liebe oder der Sexualität. Seine Frau Effi empfindet ihn als langweilig und lieblos. Darüber hinaus versteht er es nicht, Verständnis für die Ängste seiner Frau aufzubringen. Ganz im Gegenteil: Er benutzt ihre Angst vor dem häuslichen Spuk, um Effi zu kontrollieren.

Major Crampas ist Effis späterer Geliebter. Er ist das genaue Gegenteil seines Nebenbuhlers Innstetten: Von gesellschaftlichen Konventionen hält er nicht viel. Er genießt das Leben und die Frauen. Ganz im Gegensatz zu Innstetten ist er abenteuerlustig. Er versteht es, Effi charmant um seinen Finger zu wickeln und verführt sie zum Ehebruch. Eine Perspektive kann er ihr aber nicht bieten. Es bleibt bei der verbotenen, verheimlichten körperlichen Anziehungskraft.

Effis Tochter Annie hat keine Chance, ihre Mutter wirklich kennenzulernen. Innstetten entzieht Effi ihre Tochter. Er lässt sie im Sinne der gesellschaftlichen Konvention streng erziehen. Sie wird sogar dazu abgerichtet, ihrer Mutter höflich und respektvoll, aber distanziert zu begegnen. Effi liebt ihre Tochter. Deshalb schmerzt das Verhalten ihrer Anni.

Das Kindermädchen Roswitha stellt für Effi eine gleichgesinnte Freundin dar. Johanna, die Haushälterin Instettens, ist im Gegensatz dazu beteiligt an dem Spuk, der Effi jagt. So personifiziert sie die kränkelnde Beziehung zwischen Effi und Innstetten.

Wüllersdorf als näherer Bekanner Innstettens ist nur eine Nebenfigur. Seine Rolle ist aber wesentlich. Nach der Enthüllung des Seitensprungs sucht Innstetten nicht etwa das Gespräch mit Effi. Er sucht seinen Vorgesetzten auf und erhofft sich Rat von ihm.

In diesem Personengeflecht ist Effi nicht gut aufgehoben, obwohl auch positiv besetzte Figuren dabei sind. Diese setzen sich aber nicht durch. Sie können die Katastrophe nicht aufhalten.

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