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Transkript „Don Karlos“ – Entstehungsgeschichte (Schiller)

Friedrich Schiller: Don Karlos – Entstehungsgeschichte

„Dass die klassischen Texte noch wirken, hat mit ihrem Reservoir an Utopie zu tun“, erkannte der Dramatiker Heiner Müller gegen Ende des 20. Jahrhunderts an. Müller verband mit Schiller eine ähnliche Herangehensweise an den Stoff für ein Drama. So bedienten sich beide historischer Figuren und Quellen, die sie für die jeweiligen Dramen sehr frei und kreativ benutzten.

Auf die Figur Don Carlos’ stieß Schiller durch den künstlerischen Leiter am Nationaltheater in Weimar, Wolfgang Heribert Kämmerer von Worms Freiherr von Dalberg. Dieser übergab dem Dichter im Sommer 1782 das Buch „Histore de Dom Carlos” des Abbé de Saint-Real, das 1691 erschien. Dalberg verband die Übergabe mit dem Hinweis, dass sich daraus etwas für das Theater machen ließe.

Zu dieser Zeit galt Schiller als jugendlicher Shootingstar, dessen Stück „Die Räuber“ ein Jahr zuvor überwältigend gefeiert wurde. Dalberg hatte ein weiteres Stück von Schiller im Sinn, das eine rührende Familiengeschichte vor einem historischen Hintergrund behandelt.

In der Vorlage, der Bearbeitung eines historischen Stoffes des Abbé Saint-Real, wird romanähnlich die konfliktreiche Beziehung des spanischen Königs Philipp II und seinem Sohn Carlos dargestellt. Reale Fakten vernachlässigt Saint-Real aber zugunsten einer dramatischeren Darstellung der Geschichte. Schiller interessierte dieser Stoff sehr, jedoch ging es auch ihm weniger um die historisch korrekte Darstellung.

1782 geht Schiller nach Thüringen und beginnt dort mit der Arbeit an “Don Carlos”. Die dortige Meininger Bibliothek nutzte Schiller für weitere Recherchen zu „Don Karlos“. So liest er u.a. „Allgemeine Historie von Spanien“ von Johann Salomo Semler und die von Pierre de Bourdeilles Seigneur de Brantome stammenden Memoiren. Darin befinden sich wichtige Äußerungen zu Philipp II. und Königin Elisabeth.

Von 1783 bis 1784 ist Schiller am Mannheimer Theater angestellt. Er betonte nun wieder die Familienaspekte in “Don Karlos”. Sein Vertrag als Theaterdichter in Mannheim wird nicht verlängert, was Schillers schwierige, finanzielle Situation deutlich verschärfte.

Der Dichter Christoph Martin Wieland empfahl den deutschen Theaterautoren im „Teutschen Merkur“ 1784 in Versform zu schreiben, um sich von den französischen Dichtern abzuheben. Schiller befolgt diesen Rat und überarbeitet daraufhin seine Skizzen und überträgt die Prosa in Jamben, einem bestimmten Versmaß. Langsam dringen auch neue Motive in Schillers “Don Karlos” - so zum Beispiel die Hervorhebung der Freundschaft zwischen Carlos und dem Marquis von Posa.

Die Titelfigur des Dramas, Carlos, fungierte nicht mehr als der Protagonist - als dieser galt nun vielmehr der Marquis von Posa. In nur einer Szene, so notierte Schiller, sollte Posa zum Revolutionär und Enthusiasten der Freiheit werden. Doch genau diese Aufgabe gestaltete sich anspruchsvoll, so dass Schiller die Arbeit am Drama immer wieder unterbrach.

In der von ihm herausgegebenen Zeitschrift „Thalia“ druckte Schiller dennoch zwischen März 1785 und Januar 1787 insgesamt vier Mal Auszüge aus dem Stück ab.

Besonders im Jahr 1787 erweiterte Schiller das Drama weiter und weiter und musste schließlich erkennen, dass es drohte, viel zu sehr bearbeitet zu sein. So schreibt er an seinen Freund Christian Gottfried Körner: „Übrigens siehst Du ein, dass ich viele glückliche Ideen…abweisen muß…Der Karlos ist bereits schon überladen und diese anderen Keime sollen mir schrecklich aufgehen in den Zeiten reifender Vollendung.“

Im Sommer 1787 schließt Schiller nunmehr die Arbeit am „Don Karlos“ ab und kehrt auch Dresden, wo er zuletzt lebte, den Rücken. Schiller brach nach Hamburg auf, wo er am 29. August 1787 die Uraufführung des „Don Karlos“ erlebt. Anstelle des von Dalberg intendierten Familiendramas schuf Schiller eine komplexe Tragödie. Wegen der psychologischen Figurenführung und der noch immer aktuellen Motive gilt das Werk als wichtiges Repertoirestück deutschsprachiger Bühnen. Denn wie Heiner Müller bereits andeutete, die Sehnsucht nach Utopie treibt noch immer Theatermacher und -besucher an.

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