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Transkript „Die Räuber“ – Personenkonstellation (Schiller)

“Ich habe große Rechte, über die Natur ungehalten zu sein, und bei meiner Ehre! Ich will sie geltend machen. - Warum bin ich nicht als erster aus dem Mutterleib gekrochen? Warum nicht der Einzige? Warum musste sie mir diese Bürde von Hässlichkeit aufladen?” Mit diesen Worten rechtfertigt Franz von Moor seine Taten zu Beginn von Friedrich Schillers “Die Räuber”.

Er fühlt sich vom Schicksal benachteiligt und sorgt dafür, dass sein Bruder Karl vom Vater, Maximilian von Moor, verstoßen wird. Diese Dreierbeziehung zwischen Vater, Franz und Karl ist die wichtigste und Interessanteste, wenn man sich die Personenkonstellation in “Die Räuber” ansieht.

Franz von Moor

Versuchen wir zuerst die Figur des Franz von Moor etwas genauer zu umreißen. Wir haben schon herausgefunden, dass er sich von der Natur und dem Schicksal benachteiligt fühlt. Er ist der Zweitgeborene, hat damit kein Anrecht auf das Erbe. Alle Güter, wie das Schloss und die Finanzen, würden beim Tod des alten Moor seinem erstgeborenen Sohn Karl zufallen.

Franz ist somit auch nicht eigenständig, sondern vom Vater abhängig. Als wäre dies nicht genug, ist er auch noch hässlich und in die Verlobte seines Bruders, Amalia, verliebt. Amalia jedoch verachtet ihn und will nichts von ihm wissen. Hinzu kommt, dass der Vater Franz nicht wirklich liebt. Seine Mutter ist bei der Geburt von Franz ums Leben gekommen und der Vater musste beide Söhne alleine großziehen.

Da Karl der Lieblingssohn war, blieb Franz ohne große Liebe zurück. Doch quasi als Ausgleich für diese schlechten Eigenschaften ist Franz von außergewöhnlicher Intelligenz und hat einen heimtückischen Charakter. Das befähigt ihn dazu, Pläne gegen Vater und Bruder zu schmieden und auszuführen. Durch den Liebesentzug ist er ein kalt-rational denkender Mensch geworden, der stets nur auf seinen größten Vorteil bedacht ist.

Karl

Karl auf der anderen Seite hat von klein auf die Liebe des Vaters mit allen Vorzügen genossen. Entgegen der rationalen Haltung seines Bruders ist Karl emotional veranlagt. Er reagiert nicht berechnend, sondern impulsiv. Sein Studentenleben in Leipzig hat er in vollen Zügen genossen. Er lebte leichtsinnig und verschuldete sich.

Nun jedoch bereut er seine Taten und möchte sich beim Vater entschuldigen. Dies geschieht vor der eigentlichen Handlung des Dramas. Als Karl den vermeintlichen Brief seines Vaters - den Franz geschrieben hat - erhält, reagiert er wieder emotional. Er zweifelt an der Menschlichkeit an sich und beschließt aus Idealismus, der Anführer der Räuberbande zu werden.

Dieses Vorhaben gelingt ihm aufgrund seines Charismas und der Fähigkeit, zu leiten. Als Anführer der Räuberbande steht Karl schließlich im Spannungsfeld zwischen edlem Denken und kriminellem Handeln. Die beiden Brüder selbst verbindet keine sonderlich starke Bindung. Karl steht Franz gleichgültig gegenüber.

Wir erfahren nicht, wie es um seine Gefühle zu ihm bestellt ist. Franz jedoch beneidet Karl um dessen Geburtsrecht und ist eifersüchtig auf seine Schönheit und Wirkung auf andere. Die Verbindungsglieder der beiden sind Maximilian von Moor - der alte Moor - und Amalia, die Verlobte Karls.

Der alte Moor

Der alte Moor ist im Grunde ein gerechter Herrscher. Wir erfahren, dass das Volk ihm wohlgesinnt ist. Allerdings ist er ein Patriarch mit vielen menschlichen Schwächen. Er ist sehr leichtgläubig und lässt sich ebenso leicht beeinflussen, z.B. von Franz. Er ist beiden Söhnen nicht wirklich gewachsen. Das kann man daran erkennen, dass er Karl selbst dann noch nachgeben will, als er hört, dass dieser angeblich den Namen in den Schmutz gezogen hat.

Karl liebt seinen Vater sehr. Franz verachtet ihn, erkennt keinen Grund ihn lieben zu müssen und nutzt ihn solange, als er ihn braucht, aus. Alle drei verbindet, dass sie das patriarchalisch geprägte Familien- und Gesellschaftsmodell akzeptieren, ohne es zu hinterfragen.

Amalia

Amalia ist die Personifikation der reinen Liebe. Sie ist Karl stets treu, auch als Franz berichtet, dass Karl gestorben sei. Sie reagiert nicht auf Franz’ Annäherungsversuche. Die Liebe zu Karl geht allerdings so weit, dass sie ihm am Ende alles verzeiht. Als sie merkt, dass er wegen des Räuberschwurs nicht bei ihr bleiben kann, wünscht sie sich ihren eigenen Tod durch seine Hand.

Damit hätten wir die vier wichtigsten Figuren des Stückes knapp und kompakt nebeneinander gestellt. Sie sind es, die für die Haupthandlung wichtig sind. Die grundsätzlichen Positionen der einzelnen Protagonisten verändern sich dabei durch das Stück hindurch nicht.

Nur die Erkenntnis seiner Missetaten steht am Ende für eine Einsicht Karls, auch wenn es dort schon zu spät ist: “O über mich Narren, der ich wähnete die Welt durch Greuel zu verschönern, und die Gesetze durch Gesetzlosigkeit aufrecht zu halten. [...] Ich selbst muss für sie des Todes sterben.”

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