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Transkript „Die Räuber“ – Entstehungsgeschichte (Schiller)

Eine Lichtung im Wald nahe einer Militärakademie in Stuttgart um 1780. Eine Gruppe junger Männer steht beisammen und lauscht den Worten eines Einzelnen, der voller Inbrunst aus einigen losen Seiten vorliest. Gerade berichtet er von einem jungen Räuber, der seinen Vater verwahrlost und verrückt im Kerker findet.

Friedrich Schillers erste Fassung

Die Stimme des jungen Mannes bäumt sich auf im Zorn, den er in die Figur geschrieben hat. Applaus und Zustimmung kommen von den jungen Männern um ihn herum. Derjenige, der vorliest, ist Anfang 20, Medizinstudent und hört auf den Namen Friedrich Schiller. Das Werk, das er seinen Freunden vorliest, ist eine frühe Version des Stückes “Die Räuber”. Es soll ihm später zu Weltruhm verhelfen, schon bald wird man ihn den “deutschen Shakespeare” nennen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, denn vorerst will niemand das Stück verlegen.

Die Themen des Sturm und Drangs

Begonnen hat der junge Schiller mit der Arbeit an seinem ersten Drama “Die Räuber” vermutlich schon ab 1776 während seiner Schulzeit, also mit siebzehn. Die Themen des Sturm und Drang - wie Vernunft, Infragestellen von Normen und Werten, Aufbegehren gegen die etablierte Gesellschaft sowie das Thema des Aufbruchs - faszinierten ihn sehr.

Die Hauptarbeit am Werk

Mit Sicherheit können wir sagen, dass die Hauptarbeit in die Zeit zwischen 1779 und 1780 fällt. Zu dieser Zeit ist er Medizinstudent an der Militärakademie in Stuttgart. Thematisch ist Schiller von Shakespeare und Schubarts Werk “Geschichte des menschlichen Herzens” inspiriert. Darüber hinaus sind echte Räuberbanden zu dieser Zeit keine Seltenheit, sodass auch dies ihn durchaus beeinflusst haben dürfte.

Um seiner Leidenschaft des Schreibens nachgehen und “Die Räuber” vollenden zu können, lässt sich Schiller mehrmals in den Krankensaal der Militärakademie einliefern, um dort in Ruhe schreiben zu können. Sonst schreibt er des Nachts, bei Kerzenlicht.

Nachdem Schiller Ende 1780 die Militärakademie verlässt, sucht er lange Zeit vergeblich nach einem Verleger für “Die Räuber”. Obgleich viele von ihnen glauben, dass der Text von außergewöhnlicher Qualität ist, traut sich niemand ihn zu veröffentlichen. Zu kritisch sind die Themen, zu aufrührerisch der Inhalt.

Veröffentlichung im Selbstverlag

So beschließt der junge Autor Anfang 1781, mit großem finanziellen Risiko, das Stück im Selbstverlag anonym herauszubringen. Es ist ausdrücklich zunächst nur zum Lesen und nicht für die Bühne gedacht. Das Stück sorgte zwar für Furore, allerdings nicht in dem Ausmaß, wie Schiller es sich erhofft hatte. Die großen Kritiker der Zeit beachten den Text nicht.

Neue Fassung und Uraufführung

Nachdem Schiller lange mit Wolfgang Heribert von Dalberg, dem Intendanten des Mannheimer Nationaltheaters verhandelt hat, bringt er Anfang 1782 eine überarbeitete und gemäßigtere Fassung des Stückes heraus. Ebenfalls im Januar diesen Jahres feiert das Stück in Mannheim Uraufführung.

Zensur des Textes

Zwar hat Dalberg den Text deutlich zensiert, die Inszenierung ist dennoch ein riesiger Erfolg. Schiller wird gefeiert, das Publikum ist in Extase. Die nochmals überarbeitete Fassung des Stückes lässt “Die Räuber” schließlich zum “Kultbuch der jungen Generation werden.”

Schillers großer Erfolg

Dass seine Arbeit einen solchen Effekt haben wird, hat Schiller vorausgesehen. Er war sich seines Könnens durchaus schon bewusst, als er auf der Lichtung stand und die berühmte Szene aus “Die Räuber” vortrug. Nur durch seine riskante Entscheidung, das Stück im Eigenverlag herauszubringen, hat er es geschafft, auch die breite Masse zu erreichen und zu berühren. Dieses Werk ebnete Schiller den Weg für die großen Erfolge, die noch kommen und ihn endgültig in den Olymp der großen deutschen Dichter einführen sollten.

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