Advent, Advent, 1 Monat weihnachtliche Laufzeit geschenkt.

Nicht bis zur Bescherung warten, Aktion nur gültig bis zum 18.12.2016!

Textversion des Videos

Transkript „Die Leiden des jungen Werther“ – Personenkonstellation (Goethe)

Wenn zwei Menschen die gleiche Person lieben, nennt man das eine Dreiecksbeziehung. Ein Tabubruch bis heute. In der Goethezeit ein Skandal.

In Johann Wolfgang Goethes Roman "Die Leiden des jungen Werther" kommt Werther als Dritter zu einer normalen Beziehung dazu. Der junge Rechtspraktikant verliebt sich hoffnungslos in Lotte, obwohl sie bereits mit Albert verlobt ist. Eine schwierige Konfliktsituation. Werther schwankt zwischen Bangen und Hoffen, aber am Ende wählt er den Freitod.

Das Urbild Werthers ist vergleichbar mit Goethe. Der Dichter hat seine unerfüllte Liebe zu Charlotte Buff zu einem Roman verarbeitet. Schreibend hat Goethe sein Trauma überwunden.

Die Figur des Werther

Goethe schildert Werther zwiespältig. Werther ist Rebell, Freigeist und Störer des Ehefriedens. Aus diesem Grund ist er für die die Jugend eine Identifikationsfigur. Aber Werther ist auch schwach. Ein Menschen, der sich seinen Leidenschaften hingibt und daran untergeht.

Die Pole, zwischen den Werther sich bewegt, sind: Adel und Bügertum, Verstand und Gefühl, Wissenschaft und Kunst, Ehe und Liebe, Melancholie und Ausschweifung.

Der Roman besteht hauptsächlich aus Werthers Briefen an seinen Freund Wilhelm. Deswegen erfährt man nur wenig über Werthers Aussehen, sein Alter und seine Vorgeschichte. Werther braucht jedenfalls nicht zu arbeiten. Er stammt aus einer wohlhabenden Bürgerfamilie. Er ist gebildet. Doch von den Wissenschaften hält er wenig. Er setzt auf sein Gefühl, nicht auf den Verstand. Werther ist außerdem künstlerisch begabt. Er übt sich im Zeichnen.

Er erklärt das Emotionale zum Ideal. Deshalb ist er auch nicht bereit, seiner unmöglichen Liebe zu Lotte irgendwelche Grenzen zu setzen. Werther schreibt seine Briefe in einem sehr emotionalen Stil. Er benutzt einen unregelmäßigen Satzbau. Der Gedankenfluss wird durch Ausrufe und Einschübe unterbrochen.

Im tiefsten Inneren fühlt sich Werther in menschlicher Gesellschaft beengt und eingeschränkt. Er zieht sich zurück, ist melancholisch und aufbrausend. Nur in der unberührten Natur findet er einen Rückzugsort vor der schädlichen menschlichen Zivilisation. Wie die Liebe zu Lotte, ist die Natur ein Spiegel seiner Seele.

Werther fühlt sich zu den einfachen Leuten hingezogen. Er leidet an den starren Regeln und Konventionen der Gesellschaft. Er versucht ständig, diesen Zuständen zu entgehen, aber seine Sehnsüchte sind mit den Normen der Gesellschaft nicht vereinbar. Werther wird immer depressiver, er empfindet seine Lage als aussichtslos und begeht Selbstmord.

Die Figur des Albert, Lottes Verlobter

In jeder Hinsicht ein Gegenbild zu Werther ist Albert, Lottes Verlobter. Der Gegensatz zeigt sich in Alberts Einstellungen und in seinem Lebenserfolg.

Ist Werther ein Mann des Sturm und Drang, so gehört Albert zur Aufklärung. Gibt sich Werther den Leidenschaften hin, so hört Albert auf die Vernunft. Während Werther den Selbstmord akzeptiert, lehnt Albert ihn ab.

Werther schildert Albert in seinen Briefen als einen freundlichen, verlässlichen. arbeitsamen und zielstrebigen Bürger. Alles Eigenschaften, die ihm fehlen. Im Gegensatz zu ihm ist Albert auch beruflich erfolgreich. Albert ist der ideale Ehemann, um eine Familie zu gründen. Das ist auch der Grund, warum Lotte bei ihm bleibt. Trotzdem wird deutlich, dass sie einiges bei Albert vermisst: Nämlich Feuer, Kunstsinn und Leidenschaft. Albert ist langweilig.

Er ist Vernuftmensch, deswegen sieht er in Werthers Zuneigung zu Lotte auch keine wirkliche Gefahr. Er glaubt, man könne solche Konflikte vernünftig lösen. Lediglich um seines guten Rufes Willen bittet er Werther, Lotte nicht mehr so oft zu besuchen.

Die Figur der Lotte

Lotte steht zwischen den zwei Männern. Am glücklichsten wäre sie mit einer Kombination aus beiden. Erstaunlicherweise lässt sich sonst am wenigsten über sie sagen. Ohne besondere Bildung, aber mit Interessen, musste sie früh die Verantwortung für acht Geschwister übernehmen.

In dem ruhigen Albert hat Lotte einen verlässlichen Partner gefunden. Und tatsächlich heiratet sie ihn auch. Doch anscheinend sehnt sie sich nach mehr. Mit Werther teilt sie die Lust an Musik, am Tanzen und an der Lektüre. Deshalb nennt sie ihn einen Seelenverwandten.

Lotte spielt mit seinen Gefühlen. Es macht ihr Freude, so sehr geliebt zu werden. Werther macht sich falsche Hoffnungen. Sein Freitod löst bei ihr eine tiefe Krise aus.

Selbstmord als Konfliktlösung

Neben der Dreiecksbeziehung begeht Werther einen weiteren Tabubruch: Selbstmord. Aus freiem Willen und freier Entscheidung. Werther ist an der Wirklichkeit gescheitert. Er wählt den Weg in die Unendlichkeit. Diesen TabubrucH konnte die Kirche nicht verzeihen.

Informationen zum Video