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Transkript „Der Vorleser“ (Schlink)

Hallo, ich bin Lena, und in diesem Video geht es um Bernhard Schlinks Roman "Der Vorleser". Ich werde den Inhalt zusammenfassen und kurz auf die behandelten Themen eingehen. Es wäre gut, wenn du das Buch schon gelesen hättest oder es später noch liest. Bernhard Schlink veröffentlichte "Der Vorleser" 1995. Die Handlung gliedert sich in 3 Teile, in denen der Protagonist, Michael Berg, aus seiner Erzählgegenwart der 1990er Jahre in Rückblenden von seinem Leben und seiner Beziehung zu Hannah Schmitz erzählt. Der 1. Teil spielt zwischen Herbst 1958 und Sommer 1959. Darin wird die Begegnung des 15-jährigen Michaels mit der zu dieser Zeit 36-jährigen Hannah Schmitz geschildert. Der Schüler ist an Gelbsucht erkrankt und übergibt sich in einem Hauseingang. Die Schaffnerin nimmt sich seiner an, lässt ihn sich in ihrer Wohnung waschen, spült das Erbrochene weg und bringt ihn nach Hause. Als Michael nach Monaten wieder genesen ist, besucht er sie, um sich für die Hilfe zu bedanken. Dabei beobachtet er, wie sie sich umzieht, und wird von diesem Anblick sexuell erregt. Als Hannah seinen Blick bemerkt, flieht er aus dem Haus. Nach vielen erotischen Fantasien und Träumen besucht er sie aber bald darauf erneut. Als er für sie Kohlen holen geht, bedeckt er sich durch ein Missgeschick mit jeder Menge Kohlenstaub. Hannah lässt ihn baden. Unterdessen baut sich die sexuelle Spannung zwischen den beiden weiter auf und sie schlafen schließlich miteinander. Michael besucht nun wieder die Schule, schwänzt aber häufig, um Hannah besuchen zu können. Als sie davon erfährt, stellt sie für weitere Treffen die Bedingung, dass er sich ernsthafter auf seine Bildung konzentriert. Der Ablauf des Badens mit anschließendem Sex und ruhigen Beieinanderliegens wird zum Ritual. Nach einer Weile bittet Hannah Michael zudem, ihr vorab vorzulesen. Im Laufe ihrer Beziehung kommt es immer wieder zu Konflikten, häufig durch Missverständnisse. Jene werden beigelegt, indem Michael jede Schuld auf sich nimmt, allerdings nur, um Hannah zu besänftigen und nicht etwa, weil er sich wirklich eines Fehlers bewusst wäre. Als Michael in die nächste Klassenstufe versetzt wird, nähert er sich seinen Mitschülern mehr an, darunter auch einem Mädchen namens Sophie, das er mit Hannah zu vergleichen versucht. Er verbringt mehr Zeit mit Gleichaltrigen, hat jedoch dabei das Gefühl, Hannah zu verraten. Die erscheint eines Tages im Schwimmbad, wo Michael mit seinen Freunden den Nachmittag verbringt. Als er nicht reagiert, geht sie wieder. Am nächsten Tag ist ihre Wohnung leer. Während er anfänglich noch unter Schuldgefühlen leidet, legt er sich im Laufe der folgenden Jahre eine oberflächliche Arroganz und gefühlskalte Härte zu, ist gelegentlich aber zugleich extrem empfindsam. Der 2. Teil behandelt Michael während seines Jurastudiums 7 Jahre später. Im Zuge eines Seminars besuchen er und seine Kommilitonen einen KZ-Prozess gegen Wärterinnen eines Außenlagers des KZ Auschwitz. Unter ihnen ist Hannah Schmitz. Sie und die anderen Wärterinnen sind angeklagt, eine Gruppe Gefangener auf Todesmarsch in eine Kirche eingesperrt und nicht herausgelassen zu haben, als das Gebäude abbrannte. Michael bemerkt, während er den Prozess verfolgt, eine emotionale Betäubung an sich selbst. Die Erinnerung an Hannah und ihre offen gelegte Vergangenheit berühren ihn nicht. Für sie läuft der Prozess unterdessen sehr schlecht. Sowohl sie selbst als auch ihr Anwalt verhalten sich unvorteilhaft. Die anderen Angeklagten versuchen, ihr die alleinige Schuld zuzuschieben, und eines Tages kommt ans Licht, dass Hannah unter den Schwachen der KZ-Häftlinge Vorleserinnen für sich herauslas, die nach einiger Zeit aber ebenfalls nach Auschwitz geschickt wurden. Als eine Schriftprobe von ihr verlangt wird, legt sie lieber ein Teilgeständnis ab. Michael erkennt an diesem Punkt, dass sie Analphabetin ist. Unter diesem Aspekt erklären sich im Nachhinein viele Missverständnisse, außerdem, dass Hannah immer wieder Beförderungen ablehnte, häufig den Wohnort wechselte und warum sie im Prozess so hilflos ist. Michael ringt mit sich, seine Erkenntnisse dem vorsitzenden Richter mitzuteilen und Hannah so zu entlasten, schafft es aber nicht. Am Ende des 2. Teils wird Hannah zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt; die Mitangeklagten zu kürzeren Haftstrafen. Im 3. Teil, der nach dem Prozess ansetzt, wird Michael während eines Skiurlaubs krank und überwindet mit der Krankheit auch seine emotionale Taubheit. Er beginnt sein Referendariat und heiratet Gertrud, die ebenfalls Jura studiert hat. Die Ehe scheitert, wie schon vorherige Beziehungen Michaels, an dessen ständigen Vergleich mit Hannah. In Hannahs 8. Gefängnisjahr beginnt Michael, ihr Kassetten zu schicken, auf denen er ihr vorliest. Hannah lernt mithilfe der Bänder Lesen und Schreiben und schickt Michael nach einiger Zeit kurze Grüße aus dem Gefängnis, die er aber immer nur mit weiteren Kassetten beantwortet. Als Hannah nach 18 Jahren entlassen werden soll, kümmert Michael sich um eine Wohnung und eine Arbeit für sie, besucht sie aber nur sehr widerwillig und fühlt sich ihr auch nicht mehr nahe. Sie wirkt auf ihn alt. Ihr vormals frischer Geruch, den er so geliebt hat, ist dem einer alten Frau gewichen. Er erkennt, dass er Hannah nur eine Nische, nicht aber einen festen Platz in seinem Leben zugesteht und ihre Leistung der Alphabetisierung nicht angemessen würdigen kann. Hannah spürt und verletzt diese Distanz. Am Tag ihrer Entlassung erhängt sie sich. In der toten Hannah erkennt Michael nun die Frau wieder, die er in seiner Jugend geliebt hat. Gemäß ihres letzten Willens möchte er ihr Erspartes einer Überlebenden des damaligen Kirchenbrandes übergeben. Die lehnt es allerdings ab, um Hannah keine Absolution zu erteilen und die beiden einigen sich darauf, es einer jüdischen Organisation gegen Analphabetismus zu spenden. Das Buch endet mit einer Reflexion Michael Bergs über seine Beziehung zu Hannah und die Erzählung, die er in der vorliegenden Form als rund empfindet. Der Roman wirft verschiedene Konflikte und Fragen auf. So behandelt er etwa den Generationenkonflikt der 1960er Jahre. Michael Berg erzählt im 2. Handlungsteil, wie er und seine Kommilitonen sich als Avantgarde der Aufarbeitung verstehen und die älteren Generationen pauschal zur Scham verurteilen. Im Bezug auf den eigenen Vater, der unter den Nationalsozialisten seine damalige Anstellung verloren hat, und insbesondere in Bezug auf Hannah, die er aufgrund ihres Analphabetismus als unmündig begreift, stellt er diese Radikalität aber später stark infrage. Somit wird auch das allgemeinere Thema der Schuld an sich beziehungsweise noch allgemeiner der moralischen Korrektheit aufgegriffen. Zum Beispiel hat Michael starke Schuldgefühle, als Hannah, nachdem er sich von ihr abzuwenden begonnen hat, überraschend umzieht und ihn verlässt. Später gerät er in einen Gewissenskonflikt, als er im Prozess herausfindet, dass Hannah Analphabetin ist und nicht weiß, ob er den Richter informieren soll. Zudem geht es sehr konkret um den Holocaust und die Frage, wie mit den Tätern des 3. Reiches zu verfahren sei. Ich hoffe, du hast alles verstanden und das Wichtigste behalten können. Auf Wiedersehen vielleicht, Lena.

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7 Kommentare
  1. Foto%20am%2015.09.11%20um%2022.38

    Sehr gut gemacht, vielen Dank...

    Von Mirella C., vor mehr als 3 Jahren
  2. Avatar2

    Danke dir, Güzide =)
    Liebe Grüße, Lena

    Von Lena Knaudt, vor mehr als 4 Jahren
  3. Default

    Dankee :D !! Das Video ist sehr gut :D

    Von Güzide, vor mehr als 4 Jahren
  4. Avatar2

    Das freut mich, danke dir.
    Liebe Grüße,
    Lena

    Von Lena Knaudt, vor fast 5 Jahren
  5. Default

    Danke für das Video es hat mir sehr geholfen.

    Von Kimberley Z., vor fast 5 Jahren
  1. Avatar2

    Danke dir sehr für das Feedback, Lieselotte.
    Liebe Grüße,
    Lena

    Von Lena Knaudt, vor fast 5 Jahren
  2. 185 half1

    Danke für die super Zusammenfassung und Erklärung.

    Von Lieselotte, vor fast 5 Jahren
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