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Transkript „Der goldene Topf“ – Personenkonstellation (Hoffmann)

Alles dreht sich um den Dresdner Studenten Anselmus. Und jeder will etwas von ihm. Wir finden heraus, wer warum welche Ansprüche an Anselmus hat.

Konrektor Paulmann

Da ist zum Beispiel Konrektor Paulmann. Er will, dass Anselmus seine Tochter Veronika heiratet.

Veronika

Veronika will das auch. Aber nur, wenn Anselmus Hofrat und sie durch eine Heirat mit ihm die Hofrätin wird. Veronika ist vor allem daran interessiert, einen Ehemann mit hohem gesellschaftlichem Status zu bekommen.

Registrator Heerbrand

Registrator Heerbrand ist Konrektor Paulmanns Freund. Am Ende wird er Hofrat und Veronikas Ehemann.

Charakterisierung Heerbrands und Paulmanns

Obwohl Konrektor Paulmann und Registrator Heerbrand nur in ihrem privaten Umfeld gezeigt werden, werden sie im Text ausschließlich mit ihren Dienstgrad genannt. Dieser ist in ihrer geordneten bürgerlichen Welt sehr wichtig. Diese spielt sich nach festen Regeln und Gewohnheiten ab.

Als Freunde kommen sie regelmäßig zusammen, um sich zu vergnügen. Dabei gerät die gute Ordnung hin und wieder außer Kontrolle und Konrektor Paulmann und Registrator Heerbrand finden sich in rauschhaften Zuständen wieder. Wann immer Anselmus jedoch von seinen mystischen Erfahrungen berichtet, sind die beiden äußerst skeptisch.Alles Übernatürliche und Unerklärliche ist ihnen fremd.

Sie wollen, dass Anselmus eine gute Anstellung findet.Registrator Heerbrand hofft, dass die Arbeit Anselmus zur Vernunft bringen wird. Deswegen macht er ihn mit Archivarius Lindhorst bekannt.

Archivarius Lindhorst

Lindhorstführt eine Art Doppelexistenz. Auf der einen Seite erscheint er als gewöhnlicher Beamter, der den Student Anselmus in seiner Bibliothek Schriften kopieren lässt.

Auf der anderen Seite wird er als Salamander aus einer mythischen Welt vorgestellt. In diese will er wieder zurück, muss dazu aber seine drei Töchter verheiraten. Dafür braucht er Anselmus. Anselmus soll die erste Tochter des Archivarius, Serpentina, heiraten.

Serpentina

Serpentina unterstützt die Arbeit, die Anselmus im Haus ihres Vaters erledigen muss und erklärt ihm auch die Herkunft und Motive ihres Vaters.

Das Apfelweib

Das Apfelweib wiederum will die Verbindung zwischen Serpentina und Anselmus verhindern. Gleich zu Beginn der Handlung verwünscht sie Anselmus und hilft später Veronika dabei, Anselmus durch einen Liebeszauber für sich zu gewinnen. Das Apfelweib entstammt selbst einer mythischen Zeit und nimmt den direkten Kampf mit Archivarius Lindhorst auf.

Charakterisierung und Entwicklung Anselmus

Alle wollen etwas von Anselmus, aber was will Anselmus selbst?

Im Gegensatz zu allen anderen, scheint Anselmus das nicht so genau zu wissen. Von Anfang an ist er derjenige, der fragend und auf der Suche ist. Das macht in sowohl zugänglich für die gängigen Vorstellungen von Beruf und Ehe und leichten Vergnügungen, als auch für die Wahrnehmung des Übernatürlichen.

Auch wenn Anselmus immer wieder versucht, sich in der bürgerlichen Welt einzufinden, gelingt ihm dies niemals vollständig. Diese Distanz zur Gesellschaft drückt sich unter anderem durch Selbstgespräche aus. Darin beklagt sich Anselmus über sein andauerndes Pech. Auch seine „ganz aus dem Gebiet aller Mode“ liegende Kleidung unterstreicht seine Position als Außenseiter und Sonderling.

Die Isolation Anselmus wiederum macht ihn zugänglich für übernatürliche Phänomene, die andere nicht wahrnehmen. Erfahrungen mit dem Mystischen und Wunderbaren wecken in ihm Verlangen und Sehnsucht. Die Arbeiten an den Manuskripten des Archivarius eröffnen ihm eine neue Welt, die ihn über sein „dürftiges Leben“ erhebt.

Die Liebe Serpentinas und der goldene Topf als Mitgift werden in Aussicht gestellt. Trotzdem sehnt sich Anselmus, auch ausgelöst durch den Liebeszauber, nach Veronika. Erst der erzwungene Stillstand im Inneren des Kristallglases bringt ihn zu einer Entscheidung. Anselmus weiß, dass er in der Welt des Wunderbaren sein Glück finden und dem bürgerlichen Alltag entsagen will.

Einordnen der Personen in Kotext der mythischen und der bürgerlichen Welt

Betrachten wir noch einige Grundzüge im Zusammenspiel der Personen. Eine Besonderheit besteht darin, dass immer wieder Veränderungen stattfinden oder sich die Wahrnehmung einer Person verändert.

Das Apfelweib beispielsweise entpuppt sich als Veronikas Kinderfrau Lise und wird als Hexe bezeichnet. Außerdem war sie in Gestalt einer Kaffeekanne bei Veronika zu Hause. Auch der Archivarius Lindhorst verändert sich in Gestalt und Auftreten.

Die Personen lassen sich außerdem der Welt bürgerlichen Alltags und der Welt des Wunderbaren zuordnen. Konrektor Paulmann, Registrator Heerbrand, Veronika und der Archivarius Lindhorst gehören dieser bürgerlichen Welt an. Gleichzeitig stellt Lindhorst den Übergang zur mythischen Welt dar, in welcher er als Salamander beschrieben wird und agiert. Der bürgerlichen Welt gehört er nur gezwungenermaßen an.

Serpentina ist der mythischen Welt zuzuordnen. Die durch die unterschiedlichen Personen dargestellten Welten des Alltags und des Wunderbaren berühren sich immer wieder. Beide sind Ausprägungen derselben Wirklichkeit und haben unterschiedliche Ansprüche an Anselmus.

Veronika und ihr Vater zeigen die bürgerlichen Vorstellungen für Anselmus Leben. Serpentina und ihr Vater wollen, dass sich Anselmus ganz der Poesie widmet.

Schluss

Nicht nur verschiedene Personen, sondern durch sie sogar verschiedene Welten wollen Anselmus für sich gewinnen. Am Ende zählt jedoch Anselmus eigene Entscheidung.

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