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Transkript „Der goldene Topf“ – Interpretationsansatz und Rezeptionsgeschichte (Hoffmann)

Hast du beim Betreten eines Buchladens schon einmal darauf geachtet, wie groß die Abteilung mit Fantasy-Literatur ist? Liest du vielleicht sogar selbst gern Texte, in denen übernatürliche Mächte und Gestalten die Handlung bestimmen?

Dann geht es dir nicht nur wie vielen Menschen heutzutage, sondern auch wie vielen Zeitgenossen E.T.A. Hoffmanns. Die fantastischen Texte, zu denen auch “Der goldene Topf” gehört, waren schon zu Hoffmanns Lebzeiten bei einem großen Publikum beliebt.

"Der goldenen Topf" als (Wirklichkeits-)Märchen

Schon der Untertitel weckt dabei die Erwartungen des Lesers: „Ein Märchen aus der neuen Zeit.“ Wahrscheinlich denkst du bei Märchen an Es war einmal, Prinz und Prinzessin, die böse Stiefmutter, einen großen dunklen Wald und natürlich ein Happy End. Sobald du jedoch mit dem Lesen beginnst, kannst du den Unterschied erkennen.

Bei Hoffmann wird zunächst die neue, für den damaligen Leser also aktuelle und bekannte, Zeit und Umgebung beschrieben. Der Held Anselmus erlebt, was der Leser selbst jeden Tag erleben oder beobachten kann. Er befindet sich an einem realen Orten zu genau angegebenen Zeiten. Die Handlung des Märchens findet also nicht in einem fernen und anonymen Umfeld, sondern im real existierenden Dresden des frühen 19. Jahrhunderts statt.

Auch die Personen sind mit Namen, Berufsbezeichnung, Kleidung, Gewohnheiten und Sprache genau beschrieben. Damit unterscheidet sich der goldene Topf von den Volksmärchen, wie die Gebrüder Grimm sie sammelten und du sie sicher kennst.

Nicht in einem fernen Land, sondern direkt in Anselmus Lebenswirklichkeit, entfaltet sich das Übernatürliche. Nicht der Held zieht in die Welt hinaus, um dort dem Wunderbaren zu begegnen, sondern das Wunderbare begegnet ihm in seinem Alltag. Es durchdringt das alltägliche Leben und Erfahren.

Die Wirklichkeit des Helden ist dadurch vielschichtig. Die bürgerlichen Pflichten und Erfahrungen, sowie übernatürliches Erleben einer mythischen Welt finden nahezu gleichzeitig statt. Aufgrund dieser Parallelität werden Hoffmanns Märchen mit dem Begriff des „Wirklichkeitsmärchens“ bezeichnet.

Ansprache und Blickführung des Lesers

Sowohl Anselmus, den Protagonisten, als auch dem Leser überkommen regelmäßig Zweifel, ob es sich bei den geschilderten Gegebenheiten um echte Wahrnehmungen oder um Sinnestäuschungen handelt.

Um den Leser von der Glaubwürdigkeit des Erzählten zu überzeugen, spricht der Erzähler ihn an vier Stellen direkt an. Er führt damit den Blick des Lesers auf bestimmte Umstände und wirbt um Verständnis für die handelnden Personen. So will er beispielsweise bewirken, dass der Leser mit dem in der Flasche gefangenen Anselmus mitfühlt:

„Mit Recht darf ich zweifeln, dass du, günstiger Leser! jemals in einer gläsernen Flasche verschlossen gewesen sein solltest, es sei denn, dass ein lebendiger neckhafter Traum dich einmal mit solchem feeischen Unwesen gefangen hätte. War das der Fall, so wirst du das Elend des armen Studenten Anselmus recht lebhaft fühlen; hast du aber auch dergleichen nie geträumt, so schließt dicht deine rege Fantasie mir und dem Anselmus zu Gefallen wohl auf einige Augenblicke das Kristall ein.“

Zuletzt berichtet der Erzähler dem Leser, wie Lindhorst ihm hilft, seine Erzählung zu beenden. Die Welt der Poesie hat nicht nur den Text, sondern auch die Realität des Erzählers durchdrungen.

Schlussbetrachtung

Vielleicht waren es die vielfältigen Möglichkeiten, den goldenen Topf zu verstehen und zu deuten, die dem zeitgenössischen Publikum gefallen haben. In bestehenden Literaturblättern wurde die romantische Novelle begeistert besprochen und als Hoffmanns Meisterwerk angesehen. Für welche Lesart entscheidest du dich?

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