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Transkript Bürgerliches Trauerspiel

Schönen guten Tag liebe Schüler und Schülerinnen,   hier ist euer Leo. Heute geht es um das Bürgerliche Trauerspiel. Zu diesem Video wäre es gut, wenn ihr etwas über die Aufklärung wüsstet. Das könnt ihr euch aber auch danach aneignen. Dazu haben wir auch ein Video auf unserer Seite. Also, was ist ein Bürgerliches Trauerspiel und wieso muss man das ausdrücklich sagen, dass es bürgerlich ist? Das hat mit dem aristotelischen Dramenbegriff zu tun.  Vor ganz langer Zeit, circa 335 vor Christus, hat der Philosoph Aristoteles ein Buch über das griechische Drama geschrieben: die "Poetik". Darin hat er sich mit der Tragödie beschäftigt. Er hat dort von Beobachtungen abgeleitet, was ein bedeutendes, gutes und richtiges Drama ist. Einige dieser Beobachtungen waren: Eine Handlung hat nicht länger als ein Sonnenumlauf zu dauern. Das Ganze muss in Versen sein. Eine Tragödie muss ein Jammern und Schaudern beim Zuschauer auslösen, damit er sich durch die Katharsis reinigen kann und die Handelnden müssen vom großen Geschlecht sein. Das heißt, dass die Helden einer Tragödie vom hohen Geschlecht, aus dem Adel, zu sein haben. Denn erst, wenn jemand vom großen Glück zum großen Unglück stürzt, kann sich eine tragische Handlung einstellen. Jemand, der nicht so hoch angesiedelt ist, ein Kaufmann oder so was, dem könne es gar nicht so tragisch ergehen, weil er ja auch nicht so viel zu verlieren habe. Viele dieser Annahmen der Griechen wurden in der französischen Klassik wiederentdeckt. Diese fand ungefähr zwischen 1660 und 1715 statt. Man wollte den Griechen nacheifern und hielt die Dramatiker Aischylos, Sophokles und Euripides für die Größten, später kamen noch ein paar Römer dazu, die man sich angeguckt hat. Bürgerliche Themen fanden eher am Jahrmarkt-Theater statt. Wenn dort Charaktere auftauchten, die nicht vom Adelsgeschlecht waren, dann hat man sie in Komödien dargestellt oder etwas Derbes gemacht. Aber die Tragödie war dem Adel vorbehalten. Doch wie das mit den Traditionen nun mal so ist, war auch diese dem Untergang geweiht. Denn mit dem aufkommenden Selbstbewusstsein des Bürgertums der fortschreitenden Aufklärung und der wachsenden Kritik am Adel konnte man es schwer rechtfertigen, dass nur dem Adel Tragisches widerfahren kann. So haben zunächst vorsichtig, später etwas bestimmter ein paar Schriftsteller normale Bürger zum Mittelpunkt ihrer Dramen gemacht. In Frankreich war das Denis Diderot. Diderot hat zwar einige Dramen geschrieben, aber es war vielmehr seine Abhandlung über die dramatische Dichtung von 1758 in der das "drame bourgeois" also das Bürgerliche Trauerspiel endgültig etabliert worden ist. Darin schrieb Diderot nicht nur, dass man jetzt bürgerliche Themen in Tragödien verwenden könne, sondern dass man das Ganze auch in Prosa schreiben solle. Diderot stütze sich dabei auf einige Dramen, die in den Jahren davor in Frankreich und England geschrieben worden waren. Zum Beispiel auf "The London Merchant" von einem gewissen George Lillo, der sein Drama 1731 als "domestic tragedy" beschrieb. Oder auch auf Paul Landois, der sein Drama "Silvie" im Jahr 1741 als "tragédie bourgeoise" bezeichnete. Und wie kam das alles nach Deutschland? Das hatte maßgeblich mit Gotthold Ephraim Lessing zu tun. Er kannte Diderot sehr gut und hatte auch eine Abhandlung geschrieben, die "Das Theater des Herrn Diderot" hieß. Er wurde zum ersten Dichter des Bürgerlichen Trauerspiels in Deutschland. Also ist Lessing nicht der Begründer, sondern der Übersetzer einer Idee, die von Diderot stammt. Aber seine Dramen sind dafür viel besser als die von Diderot. Das Drama, das Lessing als erstes mit dem Zusatz Bürgerliches Trauerspiel verfasste, war "Miss Sara Sampson" im Jahre 1755. Darin geht es um eine komplizierte Liebesgeschichte. Es gibt eine gute Frau, deren zweifelhaften Geliebten, ein uneheliches Kind, den gütigen Vater, einen treuen Diener und die durchtriebene Ex. Wie auch immer die Geschichte vonstattengeht, ist am Ende das Liebespaar tot und das uneheliche Kind geht in die Obhut des Vaters. Wenn man mal was von Shakespeare oder von den Griechen gelesen hat, dann ist das keine fremde Fabel. Nur dass hier kein Königshaus und kein Weltreich zugrunde geht, weil keiner aus dem Adelsstand kommt. Aber trotzdem wird auf der Bühne das Gefühl erweckt, es sei alles sehr tragisch. Damit kam eine Dramenform nach Deutschland, die sich bis weit in die Mitte des 19. Jahrhunderts auf den deutschen Bühnen hielt und deren Einfluss bis in Theodor Fontanes Romane Einzug fand. Zur Zeit des Sturm und Drang kann man als Beispiel" Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller aufzählen. Als das letzte Drama nennt man oft "Maria Magdalena" von Friedrich Hebbel. Jedoch ist es so, dass auch später Dramen auftauchen, die mit dem Bürgerlichen Trauerspiel zusammenhängen. Eben bis ins Ende des 19. Jahrhunderts und sogar länger. Zum Beispiel "Liebelei" von Arthur Schnitzler oder "Rose Bernd" von Gerhard Hauptmann. Das Bürgerliche Trauerspiel ist also eine dramatische Gattung, die Personen aus dem Bürgertum in einen dramatischen Zusammenhang steckt. Das erste Drama des Bürgerlichen Trauerspiels ist "Miss Sara Sampson" von Lessing und der Einfluss dauerte bis ins späte 19. Jahrhundert an. Dabei hat man in Prosa geschrieben.

So, jetzt wisst ihr das Wichtigste zu diesem Thema. Aber Auslesen kann man nie. Deshalb wünsche ich euch noch viel Spaß. Auf Wiedersehen und vielen Dank.

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