Barock 09:09 min

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Transkript Barock

Die Epoche des Barock, die ca. von 1600 bis 1720 dauerte, ist von Gegensätzen geprägt.

Carpe diem. Diese lateinische Lebensweisheit kennst du sicher. Sie bedeutet: Nutze bzw. genieße den Tag Das Leben ist kurz - mach das Beste daraus. Sei fröhlich und lasse dich von der Vergänglichkeit nicht belasten.

Memento mori. Dieses zweite zu dieser Zeit bedeutende, aber gegensätzliche Motiv bedeutet: Bedenke, dass du sterben musst. Es drückt das quälende Todesbewusstsein aus, erinnert an den bevorstehenden Tod. Trotz dieses Widerspruchs sind beides Hauptmotive des Barock.

Zeitgeschichtlicher Hintergrund des Barocks

Das hat mit dem zeitgeschichtlichen Hintergrund zu tun: Die Pest hat gewütet und die Bevölkerung um ein Drittel reduziert. Der Dreißigjährige Krieg, der von 1618-1648 herrschte, hinterlässt ein deutsches Reich,das politisch, wirtschaftlich und kulturell verfallen ist.

Nach dem Krieg bildet sich der Territorialabsolutismus heraus. Das heißt, einzelne Herrscher bemächtigen sich eigenständig bestimmter Gebiete. Zudem nimmt der Staat mit klaren Vorgaben Einfluss auf alle Lebensbereiche wie Erziehung, Bildung, Wirtschaft und Kirche.

An den Fürstenhöfen dient der französische Absolutismus als Vorbild für luxuriöse Bauten und ein verschwenderisches Leben. Ein Beispiel hierfür ist das Schloss von Versailles.

Gegensätzliche Motive im Barock

Das bringt uns wieder zu den Gegensätzen, die die barocke Epoche prägen: Fürstlicher Machtwille steht Weltangst, Pessimismus und dem Gefühl der Unsicherheit des Lebens entgegen. Sinnesfreude wechselt sich mit der Erkenntnis der Vergänglichkeit und Scheinhaftigkeit ab.

Es gibt noch weitere Gegensatzpaare, zum Beispiel:

  • Diesseits und Jenseits
  • Tugend und Wollust
  • Weltzugewandtheit und Weltverneinung

Die häufige Verwendung solcher inhaltlichen Gegensätze in der Lyrik wird als Antithetik bezeichnet. Damit wird der Zwiespalt des Menschen mit der Natur , Gott oder der Welt dargestellt. Viele dieser Widersprüche stehen im Zusammenhang mit dem Lebensmotto der Vanitas, das einen großen Einfluss auf die Werke des Barock hatte.

Dieses Motiv behandelt, wie Memento mori, die Vergänglichkeit und bedeutet zudem Eitelkeit im Sinne von Nichtigkeit. Dabei geht es um das Thema Verfall verbunden mit Darstellungen von Schönheit und Eitelkeit. Aus dem Kontrast entsteht das Bild einer Lust am Leid.

Begriffserklärung Barock

Das Wort Barock kommt übrigens vom Portugiesischen "barroca" und bedeutet 'schiefrunde Perle'. Barock als Adjektiv wurde daher zunächst abwertend gebraucht. Die Epochenbezeichnung Barock setzte sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts durch.

Dem Barock ging die Renaissance voraus, ein Zeitalter, das sich als “Wiedergeburt” der Antike verstand. Auch im Barock orientieren sich die Dichter an der Antike - trotz eines Widerspruchs: Die christliche Religion sieht das irdische Leben nur als Durchgangsstadium zum Jenseits, die Antike aber feiert oft die Freude am Diesseits auf heidnische, sündhafte Weise.

In der Renaissance wurden die Dichtungen noch vorwiegend auf Latein geschrieben. Im Barock dagegen wird das Lateinische allmählich vom Deutschen abgelöst.

Regelpoetik des Barocks

Für die Literaturreform an sich steht Martin Opitz mit seinem Werk „Buch von der Deutschen Poeterey“. Diese erste deutschsprachige Poetik enthält Vorschriften für Verse und Textverfassungen für beinahe alle Gattungen.

Sie bietet eine Anleitung für regelgerechtes Dichten. Opitz setzt sich darin für die Verwendung des alternierenden Versprinzips ein, also für die Verwendung von Jambus und Trochäus, weil dies der deutschen Sprache am besten entspreche.

Es sollen außerdem bestimmte Genres für die Darstellung bestimmter Inhalte verwendet werden. Formen und Themen werden also vorgegeben. Es handelt sich im Barock nicht um Erlebnisdichtungen. Der Dichter muss nicht originell sein- die getreue Einhaltung der Vorgaben wird erwartet .

Der Wert eines Barockdichters misst sich an seiner Fähigkeit, vorgegebene Muster zu erfüllen. Dabei darf und soll er sich aber durchaus Variationen dieser Muster erlauben. Im Barock herrscht demnach die Überzeugung: Dichtung ist lernbar, fällt unter ein Thema und ein Muster.

Lyrik als Hauptgattung des Barocks

Lyrik ist die Hauptgattung der Epoche. Sonett, Elegie, Epigramm und Ode sind die vorherrschenden Formen. Sonette bestehen aus 14 Zeilen - diese lassen sich in zwei Quartette und in zwei Terzette unterteilen. Im Sonett mit dem typischen Versmaß des Alexandriners kann die Antithetik gut umgesetzt werden.

Diese folgenden Verse stammen aus Andreas Gryphius' Sonett “Thränen des Vaterlandes”, welches das Vanitas-Motiv verarbeitet. Gryphius ist einer der bekanntesten Sonettdichter des Barock.

Die Türme stehn in Glut, die Kirch ist umgekehret. Das Rathaus liegt im Grauß, die Starken sind zerhaun, Die Jungfern sind geschänd´t, und wo wir hin nur schaun Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und Geist durchfähret.

Es werden auch volksnahe Lieder und Oden geschrieben, die sich einem größeren Gesellschaftskreis durchsetzten konnten. Mit seinen „Oden und Gesängen“ schafft Georg Weckherlin den Beginn einer neuhochdeutschen lyrischen Kunstdichtung. Das Epigramm ist eine oft lustige literarische Kurzform in Versen.

Der bedeutendste Epigrammatiker ist Angelus Silesius mit seinem Hauptwerk, dem “Cherubinischen Wandersmann”. Als herausragendster Liebeslyriker gilt Paul Fleming.

Theater im Barock

Das Theater im Barock wird von den meisten Dramaturgen als Welttheater angesehen, ausgehend davon, dass "die Welt ein Theater ist". Eine häufige Theaterform im Barock ist das Jesuitendrama - ein Bindeglied zwischen lateinischem Humanistendrama und barockem Trauerspiel. Der Hauptvertreter des Jesuitendramas ist Jakob Bidermann.

Prosa im Barock

Die barocke Prosa besteht vor allem aus nicht-fiktionaler Literatur: Reisebeschreibungen, Predigten, wissenschaftlichen und journalistischen Werken. Daneben existieren literarische Gattungen wie Roman, Schwank, Satire, Sprüche und andere Erzählformen.

Der Barockroman* unterteilt sich in drei Hauptgattungen: der höfisch-historische Roman, der Schäferroman und der niedere Roman, zu welchem auch der Schelmenroman oder Pikaroroman gehört. Einer der berühmtesten Schelmenromane ist Simplicius Simplicissimus von Grimmelshausen.

Zusammenfassung

Kehren wir abschließend noch einmal zurück zum Weltbild des Barock - bestehend aus Carpe diem und Memento mori sowie der Vanitas, ist es geprägt von der Antithetik in allen Lebensbereichen: Zerrissenheit, Vergänglichkeitsbewusstsein, Todesangst , mystisch-religiöse Schwärmerei und fanatischer Glaube.

Gar nicht so viel anderes als in unserer Gegenwart, oder?!

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