Advent, Advent, 1 Monat weihnachtliche Laufzeit geschenkt.

Nicht bis zur Bescherung warten, Aktion nur gültig bis zum 18.12.2016!

Textversion des Videos

Transkript „Andorra“ – Überblick (Frisch)

Hallo, ich bin Lena, und in diesem Video geht es um das Drama Andorra von Max Frisch. Ich werde kurz auf die Hintergründe des Stückes eingehen, anschießend den Inhalt zusammenfassen und abschließend verschiedene Hauptthemen umreißen. Es wäre gut, wenn du das Stück bereits gelesen, bzw. in Aufführungen gesehen hättest. Außerdem solltest du dich bestenfalls schon mal mit Bertold Brecht und epischem Theater beschäftigt haben. Frisch fertigte bereits 1946 eine Skizze des Stückes von Andorra an, die er mit „Der andorranische Jude“ betitelte. Darin steht, wie es die verschiedenen Titel bereits andeuten, der Jude im Vordergrund, während im späteren Stück der Fokus auf den Andorranern liegt. Nach eigener Aussage schrieb Frisch das Stück 5 Mal neu. Er betonte, dass er sich dabei weder auf das wirkliche Andorra, noch auf einen anderen, real existierenden Kleinstaat bezieht, und es sich lediglich um einen modellartigen Rahmen handelt. Auch der Antisemitismus, der die Handlung bestimmt, ist modellhaft zu verstehen. Das wurde trotz des großen Erfolgs des Stückes häufig kritisiert. Die Besonderheiten des Antisemitismus würden damit unterschlagen und das Grauen der gerade erlebten Judenverfolgung verharmlost. Die Welt konnte das Stück nicht losgelöst von ihren Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus betrachten, wodurch die Intentionen des Autors missverstanden wurden. Das Stück setzt sich aus 12 Bildern zusammen, denen überwiegend sogenannte Vordergründe nachgestellt werden. Darin treten einzelne Personen aus dem Stück hervor. Jene rechtfertigen zum Beispiel an einer Zeugenschranke ihre Rolle im Stück und treten somit aus demselben hinaus. Diese Form der Ausgestaltung ist nach Frisch von Brechts Epischem Theater inspiriert. Ausgangssituation des Stückes ist die Folgende: Andri lebt als vermeintlicher Jude und Pflegesohn des Lehrers Can in Andorra. Er arbeitet als Küchenjunge in einem Wirtshaus und liebt die Tochter seines Pflegevaters, der der Soldat Peider nachstellt. Der Lehrer möchte ihm eine Lehre als Tischler ermöglichen, für die der Tischler aber einen horrenden Preis verlangt. Es kursieren außerdem Gerüchte über einen drohenden Angriff der Schwarzen, wie das antisemitische Nachbarvolk genannt wird. Auch die Andorraner selbst haben verschiedene, antisemitische Vorurteile. Im 2. Bild unterhalten sich Bablin und Andri. Andri fürchtet, die Vorurteile, denen er begegnet, könnten wahr sein, während Bablin sich mehr mit der Beziehung der beiden beschäftigen und Andri mit Liebeserklärungen beschwichtigen möchte. Im 3. Bild wird erstmalig deutlich, wie stark der Antisemitismus der Andorraner Andris Leben beeinflusst. Er hat die Lehre in der Tischlerei begonnen und scheint Talent zu haben. Doch der Tischler schiebt ihm 2 Verfehlungen eines Kollegen zu und versetzt ihn in den Verkauf. Im 4. Bild bittet Andri den Lehrer um Bablins Hand, dem verweigert wird. Andri hält nun auch den Lehrer für einen Antisemiten. Das 5. Bild zeigt den Lehrer in der Pinte, wo er Schnaps trinkt. Im 6. Bild sitzt Andri auf Bablins Zimmerschwelle. Während er schläft, schleicht sich der Soldat Peider in Bablins Zimmer und vergewaltigt sie. Andri spricht währenddessen zu ihr, ohne zu bemerken, was vorgeht, wobei sich zeigt, dass er sich dem Bild, das die anderen von ihm als Jude haben, nun anpasst. Er will Bablin auch gegen den Willen des Lehrers heiraten. Als jener betrunken kommt, und Andri erklären möchte, warum er der Heirat nicht zustimmen kann, weist der ihn ab. Nachdem der Lehrer wieder gegangen ist, tritt der Soldat halb nackt aus Bablins Zimmer, woraufhin Andri sich auch von ihr verraten fühlt. Im 7. Bild unterhält sich der Pater mit Andri. Er möchte ihm gut zureden, vertritt dabei aber ebenfalls eine antisemitische Position, und drängt Andri somit weiter in dessen Rolle. Im 8. Bild trifft eine Senora aus dem Volk der Schwarzen in Andorra ein. Die Andorraner sind darüber in Aufruhr und verdächtigen sie, eine Spitzelin zu sein. Als Andri vor ihr den Soldaten provoziert und verprügelt wird, kümmert sie sich um seine Verletzungen und lässt sich anschließend von ihm zum Lehrer führen. Im darauf folgenden Vordergrundbild wird deutlich, dass Andri der Sohn der Senora und des Lehrers ist. Im 9. Bild versucht der Pater, Andri dies zu erklären. Der glaubt ihm aber nicht, da er sich schon zu sehr mit dem Judenbild der Andorraner identifiziert hat. In der Zwischenzeit stirbt die Senora an einem Steinwurf, und Andri wird des Mordes beschuldigt. Im 10. Bild kommen die Schwarzen nach Andorra. Die Andorraner unterwerfen sich ohne jegliche Gegenwehr, legen ihre Waffen ab und ziehen die Fahnen der Schwarzen auf. Im 11. Bild trifft Andri wieder auf Bablin. Bablin erkennt ihn mittlerweile als ihren Bruder an, er dagegen ist noch in der Rolle des verletzten Geliebten. Am Ende der Szene wird Andri von den Schwarzen zur Judenschau abgeholt. Diese Judenschau findet nun im 12. Bild statt. Der Soldat unterstützt die Schwarzen bei der Durchführung. Bablin versucht erfolglos, einen Widerstand zu organisieren. Andri wird von dem Judenschauer als Jude erkannt. Man hackt ihm einen Ring, dem ihn die Senora gegeben hat, vom Finger und richtet ihn jenseits der Szenerie hin. Der Lehrer erhängt sich, und Bablin verliert den Verstand. Allen Andorranern außer Bablin ist gemein, dass sie in verschiedenen Graden antisemitisch oder feige sind. Frisch ging es nicht um eine historische Aufarbeitung des Nationalsozialismus, wie dass viele Kritiker unterstellt haben, sondern vielmehr zum Beispiel um die Bildungsproblematik. Kommunikation, und somit auch das Zusammenleben von Menschen, beruhen unter anderem auf einer ständigen gegenseitigen Einschätzung. Frisch setzt sich in Andorra mit der Frage auseinander, inwiefern die eigene Identität abhängig ist von diesem Bildnis, dass die Umwelt sich von einem macht. Als Antisemiten unterstellen die Andorraner dem vermeintlichen Juden Andri, verschiedene Charakterzüge, und weisen ihm so eine Rolle zu, der gemäß sie ihn behandeln. Andri unterzieht sich als Reaktion einer ständigen Selbstprüfung, inwiefern diese Rolle tatsächlich zutreffend ist, und nimmt geringste Anzeichen einer Übereinstimmung als Indizien. Bis er diese künstliche Identität schließlich annimmt. Frisch begreift das Bildnis machen als Versündigung, „die wir, so wie sie an uns begangen wird, fast ohne Unterlass wieder begehen. Ausgenommen wenn wir lieben.“ So ist Bablin dann auch die Einzige, die Andri nicht auf eine bestimmte Rolle festlegt und ihn einfach annimmt. Auch bei dem 2. großen Thema Andorras steht Bablin außen vor. Und zwar geht es auch um Feigheit. Abgesehen von Bablin, fügen sich letztlich allen den Schwarzen. Die Feigheit des Vaters ist sozusagen überhaupt der Auslöser für die gesamte Handlung, da er aus Feigheit seine Vaterschaft verschleiert hat. Und auch Andri selbst ist feige, indem er dem Druck der Andorraner nachgibt. Ich hoffe, du hast alles verstanden, und das Wichtigste behalten können. Auf Wiedersehen, vielleicht, Lena

Informationen zum Video
2 Kommentare
  1. Franziska

    Hallo Anakan11,
    wir haben auch andere Videos zu Andorra, z.B zur Entstehungegeschichte, Inhaltangabe, Personenkonstellation und zu Interpretationsansätzen. Das erste Video zu diesem Block findest du hier: http://www.sofatutor.com/deutsch/videos/max-frisch-andorra-entstehungsgeschichte.
    Liebe Grüße
    Franziska aus der Redaktion

    Von Franziska G., vor fast 2 Jahren
  2. Default

    Wir haben dieses Stück im Unterricht gelesen- ich habe die Beziehungen zwischen den einzelnen Charaktern nicht so richtig verstanden. Dieses video hat mir dabei geholfen, danke!

    Von Ep Reichert Luebbert, vor mehr als 3 Jahren