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Transkript „Andorra“ – Inhaltsangabe (Frisch)

Max Frisch: Andorra - Inhaltsangabe

Stell dir vor, du wächst in dem Glauben auf, dass du aus Italien kommst. Deine Eltern haben dir gesagt, du seist adoptiert. All deine Freunde und auch deine Lehrer halten dich für einen Italiener. Auch du fühlst dich wie ein Italiener, weil alle dir dies bestätigen. Manchmal nervt es dich zwar, immer etwas anders als die anderen behandelt zu werden, aber an sich bist du stolz darauf.

Und dann erfährst du plötzlich, dass es alles gar nicht stimmt. Es ist eine Lüge. In Wirklichkeit bist du Deutscher und gar nicht adoptiert. Wie fühlst du dich dann? Hörst du auf zu glauben, dass du Italiener bist? Oder hältst du daran fest?

Ungefähr so geht es Andri. Der junge Mann wächst in Andorra auf, einem friedlichen Land. Rundherum herrschen die “Schwarzen”. Damit meint Max Frisch feindliche Menschen aus einem nahe gelegenen Land. Die Andorraner fürchten, dass sie bald auch in Andorra einfallen werden. Andri lebt im Haus des Lehrers. Er glaubt, dass er Jude sei und dass der Lehrer ihn als Kind vor den “Schwarzen” gerettet habe. So hat es der Lehrer ihm und allen Andorranern erzählt. Die Andorraner behandeln Andri als Juden. Als er zum Beispiel eine Tischlerlehre machen möchte, will der Tischler ihn nicht in seiner Werkstatt haben. Der Grund: Andri habe es nicht im Blut. Er rät ihm stattdessen Verkäufer zu werden, ein angeblich passenderer Beruf für Juden.

Andri macht sich Gedanken über seine Identität. Ist er wirklich anders als alle anderen? Ist er so, wie die anderen es sagen? Dass er in der Öffentlichkeit diskriminiert wird, quält ihn. Er hat Selbstzweifel. Der einzige Mensch, mit dem Andri seine Gedanken offen besprechen kann, ist Barblin. Sie ist die Tochter des Lehrers. Andri liebt sie und möchte sie heiraten. Als Andri sich endlich durchringt und beim Lehrer um ihre Hand anhält, ist dieser gezwungen, die Wahrheit zu verkünden. Andri ist gar kein Jude. Und er ist auch nicht sein Pflegesohn. Andri ist sein eigener, leiblicher Sohn. Er ist der Sohn des Lehrers und einer “Schwarzen”, der Senora.

Nun kann Andri die Wahrheit nicht glauben. Er hat sich schon zu sehr mit seiner Identität als Jude abgefunden. Alle haben ihm gesagt, dass er anders sei als sie, nun fühlt er sich auch anders. Und warum sollte ein Vater so eine Lüge erzählen? Selbst als die Senora, seine Mutter, zu Besuch kommt, glaubt er dem Lehrer nicht. Auch die Andorraner rücken nicht davon ab, Andri für einen Juden zu halten. Als die Senora durch einen Stein getötet wird, ist für das ganze Dorf klar, dass Andri schuld ist.

Dann fallen die “Schwarzen” in Andorra ein. Die Situation spitzt sich zu. Bei der Judenschau wird Andri als Jude identifiziert. Er wird abgeführt und erschossen. Der Lehrer erhängt sich daraufhin und Barblin wird wahnsinnig.

Das Stück ist in zwölf Bilder aufgeteilt. Insgesamt kommen zwölf sprechende und vier stumme Personen vor. Nach fast jedem Bild tritt eine Person in den Zeugenstand. Der Zeugenstand ist zeitlich später angesiedelt, nachdem die ganze Geschichte passiert ist. Die Personen müssen sich im Zeugenstand rechtfertigen. Bis auf den Pater gesteht niemand ein, Mitschuld an Andris Tod zu tragen.

Andri wächst also in dem Glauben auf, ein Jude zu sein. Er hat diese Identität verinnerlicht und wird von seinen Mitmenschen auch als solcher behandelt. Durch den Heiratsantrag erfährt Andri, wie es um seine wirkliche Identität steht. Von der Lüge verwirrt, hält er jedoch an seiner Identität als Jude fest. Als die “Schwarzen” zur Judenschau kommen, wird er abgeführt und getötet.

Die Frage nach der Identität, steht im Mittelpunkt des Dramas. Dabei geht es nicht nur darum, was in dem Pass eines Menschen eingetragen wurde oder welcher Blutgruppe er angehört. Identität hat vielmehr auch damit zu tun, was andere über einen denken und erzählen. Schließlich kommt es auch darauf an, wie man selbst zu sich steht. Max Frisch hinterlässt uns die Frage: Ob Andri je eine Chance besaß oder sein Schicksal durch die Lüge von Anfang an besiegelt war?

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2 Kommentare
  1. Default

    super!

    Von E490864, vor fast 3 Jahren
  2. Default

    Gute Zusammenfassung, danke !

    Von Pascalhauff, vor etwa 3 Jahren