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Transkript Ist Fluorwasserstoff wirklich eine starke Säure?

Hallo, herzlich willkommen! Ich möchte mal eine kleine Geschichte erzählen. Ich war ja auch mal klein, ein Junge, ging zur Schule, in die 8. Klasse. Und wir haben schon über das Thema Säuren gesprochen im Chemieunterricht. Der Chemielehrer war schon etwas älter, vom alten Schrot und Korn - und wir liebten ihn auf unsere Weise. Wir hatten von ihm fürchterliche Angst - Herr Rademacher. Nun kommt Herr Rademacher eines schönen Tages in die Klasse und fragt: "Kennt ihr die stärkste Säure?". "Uh". "Hm". Tja, woher auch? "Was haben wir denn über das Periodensystem der Elemente gesagt?" "Hm, hm, hm. Ah, Elektronegativi..." "Richtig! Wo sind die Elektronegativitäten am größten? Vorne, in der 1. Hauptgruppe oder hinten, in der 7. Hauptgruppe?" "7. 7!" "Richtig! So, dann schauen wir uns die ganze Sache noch einmal an! Welche Elemente gibt es? Na? Pegel?" "Fluor, Chlor, Brom, Jod, Astat." "Richtig, setzen!" So, nachdem wir das geklärt hatten, fragt er: "Und welches Element hat denn nun die höchste Elektronegativität? Otto!" "Fluor." "Richtig, setzen! Hätten die anderen auch wissen müssen, nicht nur Otto! Fluor hat die höchste Elektronegativität. Und weil Fluor die höchste Elektronegativität hat, bildet es auch mit dem chemischen Element Wasserstoff die stärkste aller Säuren. Das heißt also, HF, Fluorwasserstoffsäure, wir haben mal was gelernt. Na? Wer weiß das? Eichler!" "Äh, Fluorwasserstoff dissoziiert in wässriger Lösung in ein positiv geladenes Wasserstoffion und in ein negativ geladenes Fluorion." "Wie heißt dieses Ion richtig? Otto!" "Äh, äh, Fluoridion." "Richtig, Fluoridion. So, so ist das. Warum ist das so? Otto!" "Äh, ja, die Elektronegativität beim Fluor ist die höchste im Periodensystem der Elemente, 4,0. Wasserstoff hat immer die Elektronegativität von 2,1, das heißt also, die Elektronegativitäten, die fallen in der 7. Hauptgruppe, vom Fluor über Chlorbromiod zum Astat. Ja, und deswegen ist das eben die stärkste Säure." Sehr schön, Otto, eine 1, setzen!" Gut, das hat er uns gesagt. So, naja, ich hatte mir ein Chemiebuch gekauft, habe ich immer noch, kann ich Ihnen mal zeigen. Fahre in den Verlag, den gibt's heute auch noch. Und dort stand aber was anderes drinnen. Dort stand drinnen, dass diese Säure Fluorwasserstoffsäure eine mittelstarke Säure ist. Oha! Das habe ich in der Schule erzählt, meinem Mitschüler, dem Stefan. Und der sagte: "Kann ja gar nicht sein!" Ich sage: "Doch, steht drin." Habe es ihm gezeigt. Sagt er: "Das ist ja ein Ding!". Hat der Rademacher uns das nicht richtig gesagt. Gut! Habe ich weitergelesen in dem Buch. Und da stand in dem Buch da noch was ganz anderes drin. Tja, was stand da eigentlich noch drin in dem Buch? Da stand nämlich drin, dass nicht nur Fluorwasserstoff eine mittelstarke Säure ist, sondern da stand drin, dass Chlorwasserstoff eine stärkere Säure ist als Fluorwasserstoff. Eine noch stärkere Säure ist Bromwasserstoff. Und die stärkste dieser Säuren ist Jodwasserstoff. Das heißt, die stärkste Säure ist Jodwasserstoff. Nagut, nun könnte man natürlich noch fragen, warum hat er nicht auch noch Astatwasserstoff genommen. Aber Astat ist radioaktiv, läuft außerhalb der Konkurrenz, klinken wir hier mal aus, ne - sei erlaubt. Gut! Also Jodwasserstoff ist von diesen 4 Säuren die stärkste. Na, das ist ja ein Ding, ne? Trotz Elektronegativität. Tja, aber es ist so. Und dass Fluorwasserstoff eine starke Säure sei und vielleicht noch die stärkste aller Säuren, das ist leider einer der am meisten verbreiteten Chemieirrtümer. Und warum das so ist? Na ja, das ist schon wieder eine Frage - da müsste man ein neues Video drehen. Vielleicht mache ich das auch mal. Ja? Aber denkt dran, die Wahrheit liegt auf der Straße, aber man muss sie finden und man muss sie mit den richtigen Augen sehen. Und dann wird das was. Aber Spaß macht's trotzdem, darüber zu reden, nicht? Finde ich zumindest. So, ich wünsche euch alles Gute, viel Erfolg! Und vielleicht könnt ihr die Chemie, wenn nicht lieben, vielleicht ein bisschen, bisschen achten. Alles Gute - tschüss!

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11 Kommentare
  1. Default

    und auch sehr gut erklärt!

    Von Huhn Karpe, vor etwa 2 Jahren
  2. Default

    Sehr gutes Video und sehr hilfreich!Vielen Dank

    Von Huhn Karpe, vor etwa 2 Jahren
  3. Default

    Voll kindisch das Video -.-

    Von Lea Seyda, vor mehr als 2 Jahren
  4. Default

    Sehr hilfreich :)

    Von Aasal2, vor etwa 3 Jahren
  5. Default

    Y()L()

    Von Raviortho, vor mehr als 3 Jahren
  1. 001

    So ist es. Die größeren Ionen sind stabiler, weil sich die negative Ladung besser delokalisieren kann. Daher ist bereits die Deprotonierung von HCl in der Gasphase leichter als für HF.

    Alles Gute

    Von André Otto, vor mehr als 4 Jahren
  2. Ich2

    Gibt es nun ein Video worin erklärt wird warum die Säurestärke vom HF bis zum HI zunimmt? Hatte das nicht etwas mit dem zunehmenden Ionenradius der Halogene vom Fluor zum Iod hin zu tun?
    mfg

    Von Dflow, vor mehr als 4 Jahren
  3. Default

    Ich möchte hinzufügen, dass Flusssäure die mit tödlichste Säure für den menschlichen Organismus ist und daher sicher auch die Annahme der "starken Säure" kommt. Gefährlicher als HCL in Anbetracht der Möglichkeiten zur ersten Hilfe.

    Sie ist daher im Großhande der Chemiebranche, in der ich tätig bin, nur als Streckengeschäft (Hersteller->Verbracher) zu finden, da übliche Mittel zur Gefahrenabwehr hier nahezu wirkungslos sind auf Grund der Resorption des menschlichen Organismus.

    Anbei noch der Ausschnitt einer Enzyklopädie:
    Flusssäure ist ein starkes Kontaktgift. Die Gefährlichkeit wird dadurch noch erhöht, dass sie sofort von der Haut resorbiert wird. Dadurch ist eine Verätzung tieferer Gewebeschichten und sogar der Knochen möglich, ohne dass die Haut äußerlich sichtbar verletzt ist. Durch Unterspritzen des geschädigten Gewebes mit Calciumgluconat-Lösung kann einem tieferen Eindringen entgegengewirkt werden. Eine handtellergroße Verätzung wirkt bei 40 % Flusssäure bereits in aller Regel durch resorptive Giftwirkung tödlich. Besonders gefährlich hierbei ist, dass eine Schmerzwirkung (die warnend wirken würde) oft erst mit einer Verzögerung von mehreren Stunden auftritt. Flusssäure schädigt das Nervensystem. Schmerzstillende Mittel, selbst Betäubungsmittel wie Morphin und Fentanyl, sind hierbei fast wirkungslos.

    Von Timfreed, vor fast 5 Jahren
  4. Default

    Eine Erklärung,warum das so ist, wäre schon gut gewesen.

    Von Smiley97, vor etwa 5 Jahren
  5. 001

    Dankeschön.

    Von André Otto, vor mehr als 5 Jahren
  6. Default

    super gemacht -)

    Von Christianneukam, vor mehr als 5 Jahren
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