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Transkript Sehvorgang – scharfes Sehen, räumliches Sehen

Hallo, da bin ich wieder, Euere Sabine Blumenthal. In diesem Video geht noch einmal um das Sehen. Ganz speziell erfährst du etwas über die Leistungen von Auge und Gehirn beim scharfen Sehen naher oder entfernter Objekte, sowie beim räumlichen Sehen. Am Ende dieses Videos weißt du, wie sich unser Auge an das Sehen naher oder ferner Objekte anpasst, und kannst den Begriff Akkommodation erklären. Außerdem weißt du wie genau das räumliche Sehen funktioniert. Als Voraussetzung solltest du den Bau und die Funktion unseres Auges kennen. Unser Auge ist schon ein erstaunliches optisches Gerät. Egal, ob ein betrachtetes Objekt weit entfernt oder nah dran ist, wir können es mit gesunden Augen scharf sehen. Ein Fotoapparat ist den Augen ein nachempfundenes optisches Gerät. Vergleichen wir beide miteinander, dann stellen wir fest, dass es zunächst viele Gemeinsamkeiten gibt. Dem Objektiv des Fotoapparates entsprechen in unserem Auge die Hornhaut und die Linse. Was beim Fotoapparat die Blende ist, dass ist in unserem Auge die Iris. Und dem lichtempfindlichen Film entspricht die ebenfalls sehr lichtempfindliche Netzhaut. Soweit zu den Gemeinsamkeiten. Unterschiede gibt es jedoch in der Funktionsweise. So muss man beim Fotoapparat für die richtige Entfernungseinstellung den Abstand zwischen Objektiv und Film verändern. Du kennst das von modernen Digitalkameras als die Zoomfunktion. Das Auge kann den Abstand zwischen Linse und Netzhaut natürlich nicht verändern. Trotzdem kann es auf die unterschiedlich große Entfernung von betrachteten Gegenständen reagieren. Das geschieht mit der elastischen Linse. Durch die Änderung ihrer Wölbung ändert sich auch ihre Brechkraft. Wenn wir weiter entfernte Objekte betrachten, ist der Ziliarmuskel schlaff und entspannt. Durch die elastische Aufhängung des Ziliarmuskels an der Aderhaut und durch den Augeninnendruck wird der Umfang des Ziliarmuskels vergrößert, wenn er entspannt und locker ist. Das hat zur Folge, dass sich die Linsenbänder straffen und dadurch die Augenlinse flach ziehen. Durch die flache Linse wird das Licht nur schwach gebrochen und wir können entferntere Objekte scharf sehen. Der entspannte Ziliarmuskel mit der abgeflachten Linse ist der Ruhezustand unserer Augen. Sehen in die großen Entfernungen, in die Weite ist für unsere Augen Erholung und Entspannung. Betrachtest du einen nahen Gegenstand, dann müssen sich deine Augen sehr anstrengen. Der Ziliarmuskel zieht sich zusammen, er kontrahiert. Sein Umfang wird dadurch verkleinert. Die vorher straff gespannten Linsenbänder lockern sich und ziehen weniger an der Linse. Diese folgt ihrer Eigenelastizität und kugelt sich ab. Sie ist nun etwas stärker gewölbt und ihre Brechkraft ist dadurch größer. Wenn der Gegenstand noch näher rückt, dann wird der Ziliarmuskel noch weiter angespannt. Die Linsenbänder ziehen immer weniger an der Linse. Wenn die Linsenbänder absolut entspannt sind und überhaupt keinen Zug mehr auf die Linsen ausüben, dann ist die Linse am stärksten gewölbt und hat ihre höchste Brechkraft erreicht. Diese Naheinstellung der Linse nennt man auch Nahpunktentfernung. Sie ist bei einem Jugendlichen erreicht, wenn sich ein Objekt etwa 10 cm vor der Linse befindet. Mit zunehmendem Alter vergrößert sich dieser Abstand, weil die Elastizität der Linse nachlässt. Ein 60 jähriger hat die größte Brechkraft seiner Linse erreicht, wenn sich das betrachtete Objekt 100 cm vor der Linse befindet. Genaueres dazu kannst du im Video Sehfehler erfahren. Kommen wir nun zum räumlichen Sehen. Versuche einmal einen ganzen Tag lang, dich nur mit einem Auge sehend, zu orientieren. Bedecke dazu ein Auge mit einer Augenklappe oder klebe es mit Mull ab. Schon nach kurzer Zeit wirst du feststellen, dass du Orientierungsschwierigkeiten hast. Um räumlich, also in 3 Dimensionen sehen zu können, brauchen wir nämlich beide Augen. In einer dir gut bekannten Umgebung, wirst du diese Orientierungsprobleme, mit einem Auge sehend, vielleicht gar nicht so schnell bemerken. Die fehlenden Informationen des 2. Auges kompensiert das Gehirn mit seinen Erfahrungen. Doch begib dich mal einäugig in unbekanntes Gebiet. Dein Gehirn erhält nur von einem Auge Informationen. Dein Gesichtsfeld ist stark eingeschränkt und du kannst Entfernungen nicht mehr richtig abschätzen. Was ist hier passiert? Jedes Auge hat einen bestimmten Sehbereich, das Gesichtsfeld. Wie du hier siehst, ist das Gesichtsfeld nur eines Auges sehr viel kleiner, als beide Augen gemeinsam. Nur mit den Sinneseindrücken von beiden Augen können wir aber Gegenstände körperhaft wahrnehmen. Das ist besonders beim Sehen im Nahbereich von großer Bedeutung. Du kannst das leicht selbst feststellen, wenn du einen Gegenstand in deiner Reichweite zunächst nur mit dem linken Auge und danach nur mit dem rechten Auge ansiehst. Stelle zum Beispiel ein Buch aufgeklappt, mit dem Buchrücken zu dir, vor dich hin. Bedingt durch den Augenabstand siehst du das Buch nacheinander aus 2 verschiedenen Blickrichtungen. Und also siehst du nacheinander 2 verschiedene Bilder von dem Buch. Jedes Auge sendet nämlich eine spezielle Information des Gesehenen an das Gehirn. Erst wenn die Informationen beider Augen gleichzeitig an das Gehirn gesandt werden, können sie dort zu einem räumlichen Eindruck verarbeitet werden. Beide Bilder werden dann zeitgleich ausgewertet und aus den unterschiedlichen Informationen errechnet unser Gehirn das räumliche Abbild des betrachteten Gegenstandes. Hier also des Buches. Du erkennst den Gegenstand als Körper. Wenn du ein Objekt außerhalb deiner Reichweite betrachtest, dann wird die Raumwirkung schwächer, je weiter das Objekt entfernt ist. Die Bilder, die in beiden Augen entstehen, unterscheiden sich immer weniger voneinander. Mithilfe des räumlichen Sehens können wir also auch ungefähr einschätzen, wie weit ein Objekt von uns entfernt ist. Je weniger Raumwirkung an das Gehirn übermittelt wird, desto weiter ist demzufolge das Objekt entfernt. Zum Schluss gibt es wieder eine kurze Zusammenfassung. Mit gesunden Augen können wir sowohl nahe als auch ferne Gegenstände scharf sehen. Das wird möglich durch die Akkommodation, die Anpassung unserer Linse an verschiedene Entfernungen von betrachteten Objekten. Das räumliche Sehen ist eine Leistung unseres Gehirns. Die flächigen Bilder jedes einzelnen Auges werden im Gehirn zu einer räumlichen Wahrnehmung zusammen gesetzt. Hast du alles verstanden? Na dann tschüss, bis zum nächsten Mal.

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