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Transkript Proximate und ultimate Ursachen

Hallo! In einem Löwenrudel hat es einen Machtwechsel gegeben. Der alte Rudelführer wurde von einem jüngeren, stärkeren verdrängt. Der neue Rudelführer zeigt jetzt ein ganz bestimmtes Verhalten, das Infatizid genannt wird. Es kommt dazu, dass er alle Löwenbabys in seinem Rudel tötet. Warum? Wozu?

Zum einen ist es die Situation selbst, die bewirkt, dass der Löwe so handelt und zum andern steckt dieses Verhalten bereits fest verankert in ihm. In diesem Video tauchen wir ein in die Verhaltensbiologie und lernen die Unterscheidung zwischen proximaten und ultimaten Ursachen kennen.

Proximate Ursachen

Beginnen wir mit den proximaten Ursachen, die auch als aktuelle Ursachen bezeichnet werden. Sie lassen sich in einem Experiment besonders einfach untersuchen. Hier ein Beispiel: Es ist Frühling, die Sonne ist gerade aufgegangen, ein Singvogel stimmt sein Lied an und trällert vor sich hin. Warum macht er das?

In Experimenten kann man untersuchen, welche Schlüsselreize, also welche bestimmte Ursache, den Gesang des Vogels auslöst. Man könnte etwa einen künstlichen Sonnenaufgang simulieren, um herauszufinden, ob das ein Auslöser für den Gesang ist.

Auf der physiologischen Ebene haben Forscher herausgefunden, dass das Verhalten mit einer Veränderung des Hormonspiegels zusammen hängt, der wiederum von den länger werdenden Tagen im Frühling gesteuert wird.

Unser Singvogel singt also nicht, weil er findet, dass der Frühling eine hübsche Jahreszeit ist und es also nicht schaden kann, ein fröhliches Lied zu pfeifen. Nein, er singt, weil sein Hormonspiegel - ausgelöst von den längeren Tageszeiten - dieses Verhalten in ihm auslöst.

Proximate Ursachen sind also unmittelbare Gründe, die genau in einer Situation wirken. Oft werden proximate Ursachen auch als Wirkursachen bezeichnet. Oft spielen Schlüsselreize dabei eine Rolle. Warum flieht die Maus vor der Katze?

Unmittelbare Ursache für das Verhalten ist das Erblicken der Katze. Das Erblicken der Katze ist der Schlüsselreiz. Aber natürlich hat die Flucht der Maus auch eine tieferen Grund: Ihr Drang am Leben zu bleiben löst das Fluchtverhalten aus.

Ultimaten Ursachen

Das bringt uns zu den ultimaten Ursachen, auch als grundlegende evolutive Ursachen bezeichnet. Im Beispiel mit der Maus hat sich im Verlauf der Zeit ein vererbbares Verhaltensmuster programmiert.

Mäuse, die vor Gefahren wie Katzen geflohen sind, haben.- weil sie überlebt haben - im Schnitt öfter die Chance gehabt, sich fortzupflanzen. So hat sich dieses Verhaltensmuster „Flucht vor der Katze“ in der nächsten Generation öfter weiterverebt. Das Fluchtverhalten steckt also bereit fest verankert in den nachfolgenden Generationen. Die ultimative Ursache für das Fluchtverhalten der Maus ist also, dass sie damit ihre Chance, sich fortzupflanzen erhöht.

Ultimative Ursachen werden auch als grundlegende Ursachen oder Zweckursachen bezeichnet. Sie stehen meist im Zusammenhang mit evolutionsbiologischen Vorteilen. Anders als die proximaten Ursachen, lassen sich die ultimaten Ursachen oft nicht so einfach durch Experimente untersuchen.

In unserem Beispiel mit dem Singvogel gibt es natürlich aber auch eine ultimate Ursache. Aufgrund der Veränderungen im Hormonspiegel fängt unser Vögelchen an zu singen. Aber natürlich ist sein Gesang kein Selbstzweck, es ist ein Paarungsgesang. Unser Vogel will damit Weibchen anlocken, um sich zu paaren.

Die ultimate Ursache lässt sich also so beschreiben: Der Vogel singt, weil er Nachkommen zeugen und somit seine Gene weitergeben will. Die ultimativen Ursachen stehen also im Zusammenhang mit dem Nutzen für das Individuum - also mit dem eigenen Überleben oder der Weitergabe seiner Gene.

Weitere Beispiele

Und wie war das mit dem Löwen? Sein grausames Verhalten hat auch proximate und ultimate Ursachen. Er tötet die Löwenbabys, weil sicherlich Schlüsselreize, also proximate Ursachen, wie der Geruch der kleinen Löwenbabys, dieses Verhalten in ihm auslösen. Die ultimate Ursache steht im Zusammenhang mit der eigenen Fortpflanzung.

Als neuer Rudelführer steht es ihm zu, seine eigenen Gene mit allen Löwinnen weiter zu geben. Denn das ist ein Vorrecht des obersten Löwen. Mit dem fehlen der Löwenbabies werden die Löwinen schneller wieder empfangsbereit und es wurde verhindert, dass die Gene des alten Anführers sich über die Löwenbabies noch verbreiten können. Nun kann sich der neue Rudelführer fortpflanzen.

Zusammenfassung

Bei den Ursachen für ein bestimmtes Verhalten unterscheidet man zwischen proximaten und ultimaten Ursachen. Proximate Ursachen nennt man auch Wirkursachen. Sie stehen oft im Zusammenhang mit Schlüsselreizen.

Ultimate Ursachen nennt man auch Zweckursachen; sie sind experimentell weniger leicht zu erforschen. Sie stehen meist im Zusammenhang mit der Überlebens- oder Fortpflanzungsrate des Individuums.

Beobachte das Verhalten von Tieren! Kannst du dir vorstellen, was die proximaten und ultimaten Ursachen sein könnten? Tschüss und bis zum nächsten Mal!

Informationen zum Video
2 Kommentare
  1. Default

    Es wäre hilfreich, die proximaten und ultimaten Ursachen noch einmal an anderen Beispielen auf Zellebene zu erklären, zum Beispiel an der Phospfructokinaseregulation.
    Ansonsten sehr gelungen!

    Von Karo Vennemann, vor mehr als einem Jahr
  2. Default

    Sehr hilfreich :)

    Von Famya Ahmad, vor fast 2 Jahren