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Transkript Präadaptation – Voranpassung an Umweltfaktoren

Hallo! Stell dir vor, ein Mann bekommt ein Handy. Er kann es aber nicht benutzen, weil seine Freunde und Verwandten kein Telefon haben. Das Handy liegt herum. Der Mann benutzt es vielleicht als Briefbeschwerer. Plötzlich schaffen sich aber seine Freunde und Verwandten Handys an. Er kann sein Handy nun benutzen.

Situationen dieser Art gibt es auch in der Biologie. Sie werden als Präadaptation bezeichnet. Die Präadaptation möchte ich dir genauer erklären.

Definition Prädisposition

Präadaptation bedeutet Voranpassung. Du kannst dafür aber auch den Begriff Prädisposition verwenden. Du weißt bereits, wie es bei Lebewesen zu Anpassungen kommt.

Ich wiederhole es kurz für dich: Durch zufällige, spontante Mutationen entstehen ständig neue Merkmale. Ein Merkmal kann sich je nach Umweltverhältnissen als vorteilhaft erweisen. Die Lebewesen mit diesem Merkmal können sich dann häufiger fortpflanzen und geben das Merkmal an ihre Nachkommen weiter. Das Merkmal tritt so immer häufiger auf. Eine Anpassung der Population ist erfolgt.

Definition Präadaption

Was ist nun aber eine Voranpassung?

Durch Mutationen können auch Merkmale auftreten, die bei den herrschenden Umweltverhältnissen keinen Vorteil oder sogar einen Nachteil bedeuten. Das kann z.B. eine dunkle Fellfarbe in einer hellen Umgebung sein.

Die Umweltverhältnisse können sich aber ändern. Durch Umweltverschmutzung könnte die Umwelt dunkler werden. Es ist möglich, dass ein unbedeutendes oder sogar nachteiliges Merkmal dann plötzlich einen Vorteil darstellt. Die dunkle Fellfarbe wird von Fressfeinden nicht mehr so gut gesehen. Da das Merkmal schon vorhanden war, bevor sich die Umweltverhältnisse geändert haben, bezeichnet man dies als Präadapation, eben “Voranpassung”.

Präadaptation ist also ein rein zufälliges Ereignis und wird nicht durch die umgebende Umwelt hervorgerufen. Die Ursache liegt vielmehr in der ungerichteten Kombinierbarkeit der Gene. Wie du sicher weißt, ist das Erbgut der Eltern nicht identisch mit dem ihrer Nachkommen. Das Erbgut wird neukombiniert und kann sogar Mutationen unterliegen. Es ist also veränderlich. Diese Neukombinationen oder Mutationen sind zufällig und ermöglichen eine Präadaptation.

Zur Präadapation zählen auch Merkmale, die Lebewesen vor Änderung der Umweltverhältnisse anders genutzt haben. Es kommt also zu einer anderen Nutzung nach Änderung der Umweltverhältnisse. Als typisches Beispiel für diese Art der Präadaptation möchte ich dir die Präadaptation des Borneo-Flugfrosches erklären.

Präadaption am Beispiel des Borneo-Flugfrosches

Der Borneo-Flugfrosch stammt von Fröschen ab, die ihre Häute zwischen den Zehen ausschließlich zum Schwimmen benutzen. Er selbst gehört zu den Ruderfröschen, die jetzt auf Bäumen leben.

Als sich seine Umwelt veränderte, wurde es trockener und die einzelnen Tümpel standen nicht mehr in Verbindung zueinander. Jedoch hatten die Vorfahren des Borneo Flugfroschs nicht nur Schwimmhäute zwischen den Zehen, sondern bis zum Ellenbogengelenk. Diese ehemals hinderliche Mutation wurde, als er zum Nahrungserwerb auf Bäume ausweichen musste, zum Vorteil.

Der Borneo-Frosch nutzt nämlich die Häute zwischen seinen Zehen zum Gleiten, wenn Gefahr droht oder er woanders Beute suchen muss. So kann er sehr große Strecken zwischen zwei Bäumen zurücklegen.

Nun fragst du dich vielleicht, warum das nicht einfach alle auf Bäumen lebenden Frösche tun? Wahrscheinlich wiesen die Vorfahren des Borneo-Flugfrosches zufällig noch einige andere Merkmale auf, die für das Gleiten durch die Luft vorteilhaft waren. Eine weitere Präadaptation also. Das könnte z.B. ein vergleichsweise leichter und flacher Körper sein und ein gutes Sehvermögen.

Den Vorfahren der Borneo- Flugfrösche gelang es, gegenüber anderen Fröschen mit großen Schwimmhäuten, also besonders erfolgreich die natürliche Auslese zu überstehen. So zählen sie heute zu den wenigen Fröschen, die ihre ehemaligen Schwimmhäute zum Gleitfliegen nutzen.

Ein weiteres Beispiel sind die Federn der Vögel. Fossilien belegen, dass bereits einige Dinosaurier Federn hatten, bevor es Vögel gab. Aus den gefiederten Dinosauriern haben sich die Vögel entwickelt. Sie benötigen die Federn heute aber auch zum Fliegen. Die Federn sind also eine Präadaptation.

Zusammenfassung Präadaption

In diesem Video hast du gelernt, was unter Präadaptation zu verstehen ist. Zufällig entstandene Merkmale die nicht aufgrund von Umweltverhältnissen entstanden. Die sich später aber durchsetzten da sich die Umwelt veränderte.

Die Häute des Flugfrosches oder die Federn der Vögel sind wie das Handy des Mannes am Anfang des Films: Die Merkmale wurden anders genutzt, so wie der Mann sein Handy als Briefbeschwerer nutzte. Als sich die Umweltverhältnisse änderten, erwiesen sich die bereits vorhanden Merkmale, wie Häute und Federn als vorteilhaft. Sie wurden anders gebraucht. So wie der Mann, der nun mit seinen Freunden und Verwandten telefoniert.

Tschüss und bis zum nächsten mal!

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