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Transkript Ökologische Potenz (Vertiefungswissen)

Die Ökologische Potenz

Hallo! Wenn du einen Spaziergang gemacht hast, ist dir bestimmt schon einmal aufgefallen, dass verschiedene Pflanzen immer an bestimmten Orten wachsen.

Eine Sauerkleepflanze wächst zum Beispiel immer im Schatten und eine Schwarzerle wächst immer in feuchten Gebieten z.B. nahe eine Flusses. Andere Pflanzen wie z.B. Rotbuchen kannst du an vielen verschiedenen Orten finden. Hast Du dich schon einmal gefragt, woran das eigentlich liegt? Das hat etwas mit dem Toleranzbereich und der ökologischen Potenz der Pflanzen zu tun. Wie das genau funktioniert, lernst du in diesem Video!

Die Grundlagen der ökologischen Potenz kennst du vielleicht schon. Trotzdem wollen wir die wichtigsten Sachen hier noch einmal wiederholen. Beginnen wir mit der so genannten Toleranzkurve. Tiere und Pflanzen können in Bezug auf einen bestimmten Umweltfaktor wie z.B. Temperatur, Licht oder Feuchtigkeit in einem bestimmten Bereich dieses Umweltfaktors leben.

Dieses ist der Toleranzbereich. Er wird von Minimum und Maximum begrenzt. Dort, wo der jeweilige Organismus die höchste Vitalität oder Lebensfähigkeit besitzt, liegt das Optimum der Toleranzkurve. Allerdings bevorzugen Organismen einen bestimmten Bereich des jeweiligen Umweltfaktors, der um das Optimum herum liegt. Dieser Bereich wird als Präferenzbereich oder Präferendum bezeichnet.

In den äußeren Bereichen des Toleranzbereiches ist der jeweilige Organismus zwar lebensfähig, allerdings kann er sich hier nicht mehr fortpflanzen. Die Randbereiche werden daher als Pessimum bezeichnet.

Den Bereich, in dem sich der Organismus entwickeln und auch fortpflanzen kann, also den Bereich zwischen den beiden Pessima, bezeichnet man als ökologische Potenz. Nachdem wir jetzt die Grundlagen der ökologischen Potenz eines Organismus noch einmal wiederholt haben, wollen wir uns jetzt ein Beispiel genauer anschauen.

Kommen wir nun noch einmal auf das Beispiel in der Einleitung zurück: Rotbuchen kannst du an vielen Orten finden. Sie wachsen sowohl auf nassen als auch auf trockenen Böden. Man sagt auch, sie haben einen breiten Toleranzbereich, bei dem Minimum und Maximum der tolerierten Bodenfeuchte also weit auseinander liegen. Sie vertragen große Schwankungen hinsichtlich eines Umweltfaktors. Solche Organismen werden auch als euryök oder eurypotent bezeichnet.

Schwarzerlen findest du dagegen ausschließlich auf feuchten Böden also z.B. in der Nähe von Seen oder Flussläufen. Schwarzerlen haben einen engen Toleranzbereich. Man sagt auch, solche Arten sind stenök oder stenopotent. Ähnlich wie die Schwarzerle hat auch die Steineiche nur einen engen Toleranzbereich. Sie toleriert nur relativ trockene Böden, so dass du Steineichen nicht in der Nähe von Seen oder Flüssen findest.

Jetzt musst du dir natürlich klarmachen, dass auf einen Organismus immer mehrere Umweltfaktoren gleichzeitig einwirken. Und das sind nicht nur die abiotischen Faktoren wie Feuchtigkeit, Licht und Temperatur. Auch biotische Faktoren wie Fressfeinde oder Konkurrenz mit anderen Organismen spielen eine wichtige Rolle.

Die Schwarzerle hat z.B. gar nicht so einen kleinen Toleranzbereich wie angenommen. Sie würde auch ganz gut auf frischen oder nur leicht feuchten Boden zurecht kommen. Jedoch kann sie sich an diesen Standorten gegenüber anderen Baumarten nicht durchsetzen!

Die Lebensverhältnisse bei denen ein Organismus unter Ausschluss aller anderen Konkurrenten überleben könnte, bezeichnet man als physiologische Potenz! Diese weicht aber häufig vom tatsächlichen Verbreitungsgebiet ab. Die Schwarzerle setzt sich in er freien Natur also nur an sehr nassen Standorten gegen alle anderen Konkurrenten durch und kann nur dort existieren! Ihre ökologische Potenz ist also immer noch sehr klein.

Die Häufigkeit einer Art wird hauptsächlich von dem Faktor bestimmt, der am weitesten vom Optimum entfernt liegt. Das ist sozusagen der limitierende Faktor. Daraus ergibt sich das so genannte Wirkungsgesetz der Umweltfaktoren, welches besagt, dass das Vorkommen und Überleben einer Art immer von diesem limitierenden Faktor bestimmt wird.

So sind zum Beispiel am Boden eines ergrünten Laubwaldes im Sommer genügend Nährstoffe und Wasser in der Erde vorhanden, der limitierende Faktor für Pflanzen ist hier aber das wenige Licht, das bis zum Boden eines Laubwaldes durchdringt. Für die Boden nahen Pflanzen ist es aber lebensnotwendig. Die Pflanzen können also trotz der ausreichenden Nährstoffe und des Wassers nur wenig Fotosynthese betreiben.

Jetzt hast du vieles über die Toleranzbereiche verschiedener Pflanzen gelernt: Du hast viele Fachbegriffe kennen gelernt und weißt, dass es neben der ökologischen Potenz noch die physiologische Potenz gibt und dass viele Umweltfaktoren den Lebensraum einer Art eingrenzen. Der limitierende Faktor ist dabei immer derjenige, der am weitesten vom jeweiligen Optimum entfernt ist. Wenn du das nächste mal also einen Spaziergang durch Feld und Wald machst und siehst, dass eine Pflanze immer an einem bestimmten Ort wächst, dann weißt du jetzt ganz genau Bescheid.

Tschüss und bis zum nächsten Mal!

Informationen zum Video
8 Kommentare
  1. Serpil

    Hallo,
    die Ökologische Potenz beschreibt den Bereich, in dem sich ein Lebewesen entwickeln und fortpflanzen kann. In den Pessima ist ein Lebewesen zwar lebensfähig, aber kann sich nicht fortpflanzen. Daher werden diese Bereiche nicht in den Bereich der Ökologischen Potenz gezählt.

    Für die Darstellung des Toleranzbereiches in einer Kurve wird der Ausdruck Toleranzkurve verwendet. Diese schließt alle Bereiche des Toleranzbereiches ein.

    Ich hoffe, das hilft dir weiter!
    LG

    Von Serpil Kilic, vor etwa einem Jahr
  2. Default

    Der Bereich zwischen Pessimum und Präferenzbereich nennt sich ökologische Potenz? Aber hat dieser Ausdruck nicht eine gesamte Kurve als Bedeutung, also die Kurve, die ein Organismus mit Konkurrenz zeigt?

    Von Bs 2012, vor etwa einem Jahr
  3. Default

    ich finde das Video super bitte mehr davon es ist sehr gut erklärt und auch gut zu verstehen :)
    bitte weitere Videos:):):):):):):):)

    Von Sascha 1, vor mehr als einem Jahr
  4. Serpil

    Hallo Kobe,
    die physiologische Potenz beschreibt die Lebensverhältnisse, bei denen die Organismen ohne jegliche Konkurrenz überleben können. Wenn die Konkurrenten berücksichtigt werden, spricht man von der ökologischen Potenz. Wenn sich die Organismen also gegenüber ihren Konkurrenten nicht durchsetzen können, ist die ökologische Potenz kleiner als die physiologische Potenz, weil sie ohne Konkurrenten dort überleben könnten.
    Mit der Übung zu dem Video kannst du das noch einmal üben. Da gibt es nämlich auch Fragen dazu :)
    LG

    Von Serpil Kilic, vor mehr als einem Jahr
  5. Default

    Physiologische Potenz beschreibt also den Faktor, ob sich ein Organismus auch dort durchsetzen kann, wo auch andere Pflanzen leben, auch wenn der Lebensraum passig ist?

    Von Kobe, vor mehr als einem Jahr
  1. Serpil

    Hallo Georg,
    du hast vollkommen recht. Die Blutbuche und die Rotbuche gehören beide zur selben Art und wurden hier deshalb kurz als Rotbuche zusammengefasst. Es stimmt aber, dass die roten Blätter charakteristisch für die Blutbuche sind.
    Danke für deine Aufmerksamkeit!!
    LG

    Von Serpil Kilic, vor mehr als einem Jahr
  2. Default

    Ich glaube, das Bild zeigt nicht eine Rotbuche sondern ein Blutbuche. Denn die Rotbuche hat gar keine roten Blätter sondern nur rötliches Holz. Aber ansonsten ein schönes Video.

    Von Georg Wasylow, vor mehr als einem Jahr
  3. Default

    super erklärt, danke!

    Von Chrissigebel, vor mehr als 2 Jahren
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