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Transkript Ökologische Potenz (Basiswissen)

Grundlagen der ökologischen Potenz

Hallo! Im Winter ist es uns oft zu kalt und im Sommer schwitzen wir, wenn es sehr warm ist. Und du kannst dir bestimmt gut vorstellen, dass es Orte auf der Welt gibt, die so kalt oder warm sind, dass dort keine Menschen mehr leben können, oder? Genauso ist das bei allen Pflanzen und Tieren. In diesem Video lernst du die Grundlagen der ökologischen Potenz kennen.

Fangen wir mit einem Beispiel aus der Insektenwelt an: Wenn man Küchenschaben auf eine Fläche setzt, die einen Temperaturbereich von 25 bis 40°C abdeckt, kann man beobachten, in welchem Temperaturbereich sich die Küchenschaben aufhalten und die Anzahl der Küchenschaben bei einer bestimmten Temperatur bestimmen.

Küchenschaben fühlen sich am wohlsten, wenn die Außentemperatur bei etwa 31°C liegt. Man spricht bei dieser Temperatur vom Optimum. Dort werden sich im Experiment die meisten Küchenschaben ansammeln. Bei kühleren und wärmeren Temperaturen können Küchenschaben aber auch überleben. Sinkt die Temperatur allerdings unter 4°C, ist eine Küchenschabe nur noch eingeschränkt lebensfähig.

Diese Temperatur ist das Minimum. Steigt die Temperatur über 37°C, ist eine Küchenschabe ebenfalls nicht mehr lebensfähig. Diese Temperatur ist das Maximum. Nahe dieser Grenzwerte werden sich im Experiment allerdings nur wenige Küchenschaben aufhalten. Verbindet man die Werte aus dem Experiment, also die Anzahl der Schaben in den jeweiligen Temperaturbereichen, erhält man eine so genannte Toleranzkurve mit einem Minimum, einem Optimum und einem Maximum. Den Bereich zwischen Minimum und Maximum nennt man Toleranzbereich.

Wenn man sich die Verteilung der Küchenschaben in unserem Experiment anschaut, sieht man, dass es einen Temperaturbereich gibt, in dem sich der Großteil der Küchenschaben aufhält und der im mittleren Temperaturbereich rund um das Optimum liegt. Dieser Bereich heißt Präferenzbereich oder auch Präferendum.

In unserem Beispielexperiment ging es um die Temperaturtoleranz. Fallen Dir noch weitere Umweltfaktoren ein, die auf einen Organismus einwirken? Diese können ganz unterschiedlich sein. Zum Beispiel gehören Feuchtigkeit und Licht dazu. Aber auch der Salzgehalt eines Gewässers ist ein solcher Umweltfaktor. Für jeden dieser Faktoren könnte man eine eigene Toleranzkurve erstellen.

Was ist aber nun die ökologische Potenz? Sie ist die Fähigkeit eines Organismus oder auch einer ganzen Population, Schwankungen von Umweltfaktoren zu ertragen und sich gleichzeitig auch fortzupflanzen. Klingt kompliziert, bedeutet aber eigentlich nur, dass ein Organismus oder eine Population in bestimmten Bereichen eines Umweltfaktors über längere Zeit existieren kann.

Die ökologische Potenz bezüglich verschiedener Umweltfaktoren ist natürlich von Art zu Art unterschiedlich. Wenn du dir die Toleranzkurve noch einmal anschaust, findest du den Bereich der ökologischen Potenz üblicherweise im Bereich des Präferenzbereiches und noch etwas darüber hinausgehend, allerdings nicht im gesamten Toleranzbereich. In den Randbereichen der Kurve ist zwar noch die Existenz des Organismus möglich, nicht aber die Fortpflanzung.

Sicher kannst du dir vorstellen, dass es weniger empfindliche Arten gibt, die einen breiten Toleranzbereich haben, bei denen also Minimum und Maximum weit auseinander liegen. Auf der anderen Seite gibt es Arten, die einen engen Toleranzbereich haben, bei denen also Minimum und Maximum nah beieinander liegen.

Der Karpfen kann z.B. bei einer Wassertemperatur von 7-33°C gut leben, während die Bachforelle nur bei einer Wassertemperatur von 7-15°C überleben kann.

Organismen mit einem solchen geringen ökologischen Potenz kann man dazu verwenden, um auf den Zustand der herrschenden Umweltbedingungen zurück zuschließen. Solche Lebewesen nennt man auch Zeigerorganismen. Ein Zeigerorganismus toleriert nur einen engen Bereich eines Umweltfaktors und kommt dann also auch nur in diesem Bereich vor.

Zeigertiere sind z.B. Daphnien, kleine Krebse, mit einer sehr kleinen ökologischen Potenz. Sie sind nämlich vor allem auf eine gute Wasserqualität angewiesen. Findest du in einem Gewässer Daphnien, weißt du auch automatisch, dass die Wasserqualität gut sein muss.

Du hast in diesem Video gesehen, dass es nicht nur beim Menschen Temperaturbereiche gibt, in denen ein Leben möglich ist, sondern auch bei Tieren und Pflanzen. Du hast zudem gesehen, was man unter der ökologischen Potenz eines Lebenwesens versteht. Dieser Lebenebereich lässt sich in Optimum, Maximum und Minimum gliedern.

Außerdem weißt du, dass jeder Organismus einen Präferenzbereich hat, in dem er sich am liebsten aufhält. Die gesamte Spanne des Lebensbereichs bezeichnet man als Toleranzbereich. In ihr kann ein Organismus existieren. Einige Lebewesen haben einen großen, andere einen sehr kleinen Toleranzbereich. Einige Tiere und Pflanzen mit einer geringen ökologischen Potenz können sogar als Zeigerorganismen dazu verwendet werden, auf die herrschenden Umweltfaktoren rückzuschließen.

Tschüss und bis zum nächsten Mal!

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4 Kommentare
  1. Default

    Sehr schönes und interessantes Video! Vielen Dank. (Qualität nicht Quallität ;)

    Von Sylviaellinger01, vor 6 Monaten
  2. Default

    Hallo,
    bei 1:00 gibt es leider einen Sprung in der Audiospur. Es wäre super, wenn man das vielleicht korrigieren könnte.
    Sonst übrigens ein großes Lob an die Videos des Bio-Teams!

    Von S Mueller0410, vor mehr als einem Jahr
  3. Marcel

    Hallo :)
    Das hast du genau richtig verstanden! Du solltest aber wissen, dass sich in einigen Literaturangaben die ökologische Potenz über den ganzen Toleranzbereich erstreckt (also den Bereich indem ein Organismus existieren kann, auch wenn er in Kältestarre fällt). Es gibt daher verschiedene Angaben, die "den Bereich den ein Organismus tolerieren kann" anders definieren. Oft wird die Fortpflanzung als Maßstab genommen, da ein Organismus z.B. auch in der Kältestarre nicht dauerhaft existieren kann.

    Von Marcel Schenke, vor etwa 2 Jahren
  4. Rtzdfhfgh

    also, ökologische Potenz bedeutet nicht ökologische Potenz wenn keine Fortpflanzung möglich ist?
    Anders ausgedrückt, man redet nur von ökologischer Potenz wenn Fortpflanzung möglich ist?

    Von Luggiii, vor etwa 2 Jahren