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Transkript Herbarium – Erstellung und Nutzen

Hallo, unser Thema ist das Herbarium. Interessiert ihr euch für alle schönen Dinge des Lebens und die Natur? "Na klar!", werdet ihr sagen. Nun, dann seht das Bildnis an. Ich bin zufällig darauf gestoßen und war beeindruckt. Es muss, so vermute ich, zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden sein. Dem Bürger geht es gut. Seine Kleidung, das labende Getränk und die annehmbaren Häuslichkeiten sprechen dafür. Der Mann könnte ein Pflanzenliebhaber sein, denn unter dem Arm trägt er eine Art Buch, aus dem Blüten herausschauen. Eine grüne Trommel, sie ist aus dünnem Blech, hat er umgehängt. Es ist eine Botanisiertrommel, die der kurzzeitigen Aufbewahrung von Pflanzen diente, bis sie gepresst wurden. Das Gemälde ist von Hermann Kern und heißt "Der Botaniker". Der Herr ist dabei, sich ein Herbarium anzulegen, und er trinkt sicherlich auf gutes Gelingen. Ein Herbarium - "herba" heißt "das Kraut" - soll dazu beitragen, die heimische Pflanzenwelt besser kennenzulernen und grundlegende Artenkenntnis zu erwerben. Und es ist ein Muss für Biologiestudenten. Zur damaligen Zeit gab es noch keine Fotoapparate und die wissenschaftliche Benennung der vielen Arten der Tier- und Pflanzenwelt hatte seit einiger Zeit begonnen. Sammlungen der Lebewesen waren damals unverzichtbar für weitere Studien. Carl von Linné, er lebte von 1707 bis 1778, begann mit der Systematisierung von Pflanzen und Tieren. Er brachte Ordnung in die scheinbar unübersehbare Vielfalt. Dazu gab er jedem Lebewesen einen zweiteiligen lateinischen Namen. Latein musste es sein, weil es damals die überall verständliche Wissenschaftssprache war. Hier zwei Beispiele: Die "wilde Möhre" heißt "Daucus carota L." Auf ihrer weißen Blütendolde sitzt der pollenfressende Rosenkäfer "Cetonia aurata L.". Der erste Name steht für die Gattung, der zweite Name für die Art und die Abkürzung für denjenigen, der den Namen gab. Daucus ist die Gattung der Möhren. Carota ist die hier vorkommende Art und benannt und beschrieben wurde sie von Linné. So, nun genug des Vorwissens, das ihr aber noch brauchen werdet. Wie legt man ein Herbarium an? Wenn du dich für eine eigene Sammlung entschieden hast, musst du vieles beachten, um Freude an der Sammlung zu haben. Pflanzen enthalten viel Wasser. Sobald man sie beim Sammeln am Standort entnimmt, welken Blüten und Blätter und man kann sie nicht mehr ordentlich pressen. Deshalb sollte das Bestimmen und Beschriften möglichst vor Ort erfolgen, ebenso das erste Pressen der Pflanzen. Aus eigener Erfahrung muss ich davon abraten, Pflanzen in Plastiktüten zu transportieren oder über Nacht im Kühlschrank aufzubewahren, um sie am nächsten Tag zu pressen. Nun, wie soll eine Presse beschaffen sein? Diese beiden Typen von Pflanzenpressen, eine Knebelpresse und eine quadratische Blumenpresse, sind nur zu Hause zum Nachpressen und zum weiteren Trocknen geeignet. Sie sind zu schwer, wenn man auf Exkursion ist. Ideal ist diese selbst gebaute Pflanzenpresse. Seht her, wie sie hergestellt wurde. Zwei Sperrholzplatten mit Tragegriffen werden mit Ledergurten zusammengehalten und verzurrt. Dazwischen sind die Pflanzen in Schichten von Zeitungspapier möglichst nach dem Bestimmen so einzulegen, dass sie natürlich aussehen und wesentliche Bestimmungsmerkmale erhalten bleiben. Danach lege man ein handschriftliches Etikett bei, auf dem wenigstens Name, Fundort und Datum der Pflanze notiert sind. Nach dem Einlegen und Abdecken wird die Presse geschlossen und die Riemen werden festgezogen. Zum Bestimmen brauchst du unterwegs einen Naturführer oder Bestimmungsbücher - je nach deinem Kenntnisstand. Weiterhin eine Lupe, Zettelblock und Schreibzeug, Zeitungspapier oder Seidenpapier, Pappkarton, Schere oder Messer, eine kleine Schaufel, um die einjährigen Pflanzen komplett mit Wurzel entnehmen zu können, wäre hilfreich. Pflanzen mit dicken Stängeln oder Blüten sollte man auspolstern. Das heißt, weiteres Papier oder Wellpappe werden als Zwischenschicht eingesetzt, so wie es dir die gefertigte Skizze zeigt. Durch die Auspolsterung erhalten auch flache Pflanzenorgane hinreichend Anpressdruck. Zu Hause angekommen, setzt man das Pressen fort. Man entnimmt die vorgeformten Pflanzen und legt sie in saugfähiges Papier und beschwert sie, zum Beispiel mit darüber gestapelten Büchern. Das Papier muss man so oft wechseln, wie es geht. Macht man das nicht, kommt es zu Verfärbungen. Saftige, grüne Blätter können braun und unansehnlich werden, da neben dem Wasserentzug noch Abbaureaktionen der Farbstoffe ablaufen. Solange die Pflanzen biegsam sind, muss Papier gewechselt werden. Wenn sie sich nicht mehr biegen lassen, sind sie fertig getrocknet. Im Herbst oder Winter beginnen die letzten Arbeitsschritte. Das Aufziehen oder Befestigen auf dem Herbarbogen, der aus festem Zeichenkarton sein sollte. Benutze bitte nie Klebestreifen und bestreiche die getrockneten Pflanzen rückseits nicht mit Klebstoff. Habe Geduld und setze Haltestreifen an Stängeln und Blattspitzen mit farblosem Papierklebstoff. Das zahlt sich aus und die Pflanze kann auch unbeschädigt wieder entnommen werden. Die Abbildungen verraten dir, wie es am besten gemacht wird. Ein schmaler Papierstreifen wird so geformt, dass er den Halm umschließt und hält. Hier ist eine große für das Format des Zeichenkartons zu lange Pflanze geknickt eingelegt und in den Schlitz des Haltestreifens geschoben worden. Sogar der feingliedrige Blütenstand des hohen Glatthafers, so heißt das Gras, wurde ordnungsgemäß gesichert. Wie geht es nun aber bei uns weiter? In unserem Fall erspare ich mir aus Zeitgründen das Aufzählen im Einzelnen und lege gleich eine bereits vor 39 Jahren herbarisierte Pflanze - es ist erstaunlich, wie gut sie noch erhalten ist - auf den Bogen Zeichenkarton. Das Etikett zur Kennzeichnung habe ich schon vorbereitet und es wird aufgeklebt. Wie man lesen kann, handelt es sich um die kahle Fingerhirse, mit wissenschaftlichem Namen "Digitaria ischemum". Die Hirse gehört zur Familie der Süßgräser; Lateinisch poatiae genannt. Es obliegt jedem Sammler, wie ausführlich er Standort und die Lebensansprüche der Pflanze angibt. Fundort und Datum schließen die Angaben ab. Mit dem Etikettieren ist das Aufzählen beendet und der Herbarbogen fertig. Ein Letztes ist zu bedenken: Das trockene Aufbewahren der Herbarbögen. Gut geschützt sind sie in einem Behältnis, beispielsweise einem kleinen flachen Koffer oder in Folientaschen und so weiter untergebracht. Allerdings nur, wenn die Pflanzen mit einem handelsüblichen Insektizid besprüht wurden oder Insektenschutzstreifen dazugelegt wurden. Ich fand es früher toll, wenn gepresste Blüten selbst gefertigte Glückwunschkarten zierten oder hervorragend gepresste Herbarpflanzen als Bild verschenkt wurden. Ich danke für dein Interesse und verabschiede mich schon und bitte dich noch, eine Minute durchzulesen, was der Sammler nicht darf oder sollte. Tschüss sagt Octarus.

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