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Transkript Evolutionstendenzen – der Weg der Evolution

Hallo! Stelle dir mal Lebewesen in einigen hunderttausend Jahren vor. Wird so der Mensch aussehen? Und so eine Pflanze? Das können wir nicht wissen. Die Wissenschaft kann nur die bisherige Evolution erforschen und Evolutionstendenzen feststellen. Sie kann beobachten, in welche Richtung Evolution verläuft. Das Thema “Evolutionstendenzen” möchte ich dir nun genauer erklären.

Allgemein kann man eines sagen: Bei allen Lebewesen setzen sich auf lange Sicht die Merkmale durch, die unter den herrschenden Umweltbedingungen den größten Fortpflanzungserfolg ermöglichen.

In der Vergangenheit kam es dabei zu Komplizierung, Differenzierung, Spezialisierung und Zentralisierung. Diese Begriffe werde ich dir nun an Beispielen erklären.

Komplizierung

Zunächst zur Komplizierung. Hier dienen als Beispiel die Atmungsorgane der Wirbeltiere. Die Atmungsorgane der Lurche sind einfach gebaut und weisen eine geringe Oberfläche auf. Die Reptilien sind später in der Evolution entstanden. Ihre Atmungsorgane weisen viele Einstülpungen auf. Dadurch ist die Oberfläche vergrößert. Sie können mehr Sauerstoff aufnehmen. Die Leistungsfähigkeit steigt.

Bei den Säugetieren nimmt die Komplizierung weiter zu. Die Lunge weist Bronchien, Bronchienäste und Lungenbläschen auf. Die Oberfläche zum Gasaustausch ist damit enorm vergrößert. Die Leistungsfähigkeit ist sehr hoch.

Die Komplizierung ist in vielen Bereichen zu beobachten. Man kann davon ausgehen, dass die Komplizierung eine Tendenz der Evolution ist.

Differenzierung

Nun möchte ich dir erklären, warum Differenzierung eine Evolutionstendenz ist. Differenzierung bedeutet einfach gesagt, dass die Zellen der Lebewesen in Bau und Funktion für bestimmte Aufgaben spezialisiert werden. Es erfolgt also eine Art Arbeitsteilung. Das kann ich dir am Beispiel des menschlichen Blutes erklären. Die roten Blutkörperchen dienen dem Sauerstofftransport. Andere Blutzellen sind Abwehrzellen gegen Krankheitserreger. Wieder andere Zellen sind für die Blutgerinnung bei Verletzungen verantwortlich.

Sehr früh in der Evolution entstandene Lebewesen weisen eine geringe Differenzierung auf. Schwämme besitzen z.B. einige spezialisierte Zellen. Sie haben aber keine Muskelzellen oder Nervenzellen.

Im Laufe der Evolution nimmt die Differenzierung immer weiter zu. Und damit auch die Leistungsfähigkeit.

Spezialisierung

Die Spezialisierung ist ebenfalls eine Evolutionstendenz. Damit ist gemeint, dass die Lebewesen im Laufe der Evolution eine immer bessere Angepasstheit an die Umweltverhältnisse entwickelt haben. So gibt es z.B. auf den Kerguelen-Inseln nahe des Südpols Fliegen mit Stummelflügeln. Sie können nicht fliegen. Dadurch sind sie an das stürmische Klima der Inseln sehr gut angepasst. Eine Spezialisierung hat stattgefunden.

Allerdings kann eine zu starke Spezialisierung auch zum Aussterben einer Art führen, wenn sich die Umweltverhältnisse leicht ändern. Koalas fressen nur einige bestimmte Eukalyptusarten und haben keine Ausweichmöglichkeiten, wenn kein Eukalyptus vorhanden ist.

Spezialisierung kann also nur bis zu einem gewissen Niveau als Evolutionstendenz bezeichnet werden.

Zentralisierung

Als letzte Evolutionstendenz möchte ich dir noch die Zentralisierung erklären. Als Beispiel dient das Nervensystem der Tiere.

Quallen sind sehr früh in der Evolution entstanden. Sie weisen bereits ein schlichtes diffuses Nervensystem auf. Dieses weißt eine gleichmäßige Struktur auf und besitzt noch keine Knotenpunkte.

Bei den Ringelwürmern findet man bereits ein Strickleiternervensystem. Darin sind Nervenknoten - die Ganglien - miteinander verbunden. Die vorderen Ganglien sind zu einem Kopfganglion verschmolzen. Es liegt also eine Art Gehirn vor. Eine Zentralisierung des Nervensytems.

Das menschliche Gehirn ist das am höchsten entwickelte. Gehirn und Rückenmark bilden das zentrale Nervensystem. Alle weiteren Nervenzellen im Körper bilden das periphere Nervensystem. Eine starke Zentralisierung und damit auch Leistungssteigerung hat stattgefunden.

Evolutionstendenzen für den Menschen

Und wie verläuft nun die weitere Entwicklung des Menschen?

Ein sehr diskussionswürdiges Thema. Es ist kaum möglich, Evolutionstendenzen für den Menschen festzustellen. Der moderne Mensch ist durch sein leistungsfähiges Gehirn der biologischen Evolution nicht so stark unterworfen. Die Menschheit verändert die Umwelt und passt sie dadurch ihren Bedürfnissen an. Es kommt nicht mehr dazu, dass sich bestimmte, durch Mutation entstandene Merkmale häufiger durchsetzen, weil sie vorteilhaft sind.

Zusammenfassung: Evolutionstendenzen

In diesem Video habe ich dir den Begriff “Evolutionstendenzen” erklärt. Ich möchte sie kurz zusammenfassen:

Evolutionstendenzen sind:

  • der zunehmend komplexere Bau der Organe und deren steigende Leistungsfähigkeit: Kompliziertheit
  • wachsende Formenvielfalt und Aufgabenteilungen bei Zellen und Organen: Differenziertheit
  • die Spezialisierung der Lebewesen; die sich ständig vollziehende Anpassung an spezifische Umweltbedingungen
  • mit zunehmender Organisationshöhe können wir Zentralisierungen , z.B. des Nervensystems beobachten.
  • und beim Menschen ist es schwierig, die weitere biologische Evolution festzustellen, da er bewusst und aktiv seine Umwelt gestaltet

All diese Erscheinungen kann man in der bisherigen Evolution feststellen. Sie sind demnach sehr wahrscheinlich Richtungen, also Tendenzen, der weiteren Evolution. Allerdings können wir trotzdem keine Voraussagen dazu machen, ob Pflanzen einmal so aussehen werden oder der Mensch so.

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