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Transkript Die Anatomie der Süßgräser (1)

Auf unseren Wiesen, Weiden, Parkanlagen und lichten Wäldern wachsen hauptsächlich widerstandsfähige und sesshafte Süßgräser. Ich erkläre dir die Merkmale der Süßgräser am Beispiel der grünen Borstenhirse. Der Halm, also der Stängel, ist drehrund, hohl und gegliedert. Durch die Knoten wird er in längere und kürzere Abschnitte eingeteilt. Dass der Halm drehrund ist, spürt man am Besten, wenn der Stängel zwischen Daumen und Zeigefinger gerollt wird.   Ich entferne jetzt ein Blatt vom Stängel. Die langen, schmalen, freien Blätter - man spricht auch von der Blattspreite - besitzen parallel verlaufende Blattadern, und der Blattrand ist glatt und scharf. Bei einigen Grasarten so scharf, dass man sich sogar daran schneiden kann, wie vielleicht mancher schon erlebt hat. Der untere Teil des Blattes ist die Blattscheide. Sie umfasst den Stängel bis zum nächsten Knoten und endet mitunter mit dem Blatthäutchen, einem kleinen Fortsatz der Blattscheide, welcher hier allerdings fehlt. Die Blattscheiden erhöhen dadurch, dass sie von Knoten zu Knoten fest anliegen, weiterhin die enorme Festigkeit des Halmes. Wenn Tier und Mensch über Gräser hinweg laufen, hinterlassen sie eine Spur geknickter Halme. Nach einiger Zeit stehen die Gräser aber wieder senkrecht. Das gelingt ihnen durch einseitiges Wachstum. Sie wachsen nämlich an der Unterseite an einem Knoten schneller, bis der Halm wieder aufgerichtet ist.   Die Wurzeln entspringen ganz unten am Spross. Daher werden sie sprossbürtige Wurzeln genannt. Sie verzweigen sich dicht und umschließen praktisch jedes Sandkörnchen und Humusteilchen, und halten diese sehr fest. Will man ein Gras herausziehen, hat man oft gleich einen Grasbatzen, das heißt die Pflanze mit Wurzelbein, in der Hand. Jeder der Fußball spielt, weiß, wovon ich rede, denn da fliegen bei höchstem sportlichen Einsatz die Grasbatzen nur so aus dem Rollrasen, wenn er nicht hinreichend mit dem Untergrund verwurzelt ist.   Die Blüten der Gräser sind winzig. Ohne Hilfsmittel wie Lupe und Mikroskop ist oft nur wenig zu erkennen. Die uns bisher bekannten Blütenblätter sind stark abgewandelt und umgebildet. Dennoch sind die Blüten der Gräser einander ähnlich und haben den gleichen Grundbauplan. Ich zeige dir den Bau einer Grasblüte am besten an einem zweiblütigen Modell. An der Blütenachse sitzen außen die Hüllspelzen, darunter die Deckspelzen mit Grannen. Innen sind die Vorspelzen. Zwischen Achsenästchen und Deckspelze findet man die Schwellkörper, die die Blüte öffnen, wenn sie herangereift ist. Dann folgen am Ästchen die Fortpflanzungsorgane, das heißt die 3 Staubblätter und das Fruchtblatt mit Fruchtknoten und den Narbenästen. Spelzen sollen die zarte Blüte schützen. Dazu tragen die Spelzen vieler Grasarten haarähnliche Fortsätze, die Grannen, die an der Basis seitlich oder an der Spitze der Spelze ansetzen.   Jetzt zeige ich euch die Veränderungen im Ährchen, wenn die Blüte heranreift. Schwellkörper, Staubblätter und Fruchtblatt wachsen natürlich weiter heran. Schließlich spreizen die dick gewordenen Schwellkörper die Deckspelzen ab, wodurch die Staubblätter und das Fruchtblatt freigegeben werden. Die 3 Staubblätter hängen dann frei heraus und liefern Pollen. Die federige, oberflächenvergrößerte Narbe ist bereit zeitversetzt Fremdpollen aufzunehmen. 3 bis 5 solcher eng beieinanderstehender Grasblüten bilden ein Ährchen. Alle Ährchen zusammen bilden den Blütenstand.   Anhand der Anordnung der Ährchen werden die Gräser in 3 Gruppen eingeteilt: Ährengräser, Ährenrispengräser und Rispengräser. Bei den Ährengräsern sitzen die Ährchen ungestielt wechselseitig am Halm und bilden die Ähre. Die Ährenrispengräser ähneln im Blütenstand einer Ähre, im Unterschied zu diesen sind die Ährchen aber kurzgestielt und sie sitzen nicht direkt am Halm. Um Verwechslungen auszuschließen, reicht es, wenn die Scheinähre gebogen wird. Dann sind nämlich die Stielchen sichtbar. Sobald man sieht, dass der Blütenstand sich verzweigt und die Ährchen gestielt auf teilweise mehrfach verzweigten Seitenästen sitzen, liegt ein Rispengras vor.   Den 3 Gruppen ordne ich jetzt weitere geläufige Vertreter der Süßgräser zu. Zu den Ährengräsern gehört das Weidelgras, das dichte Rasen bildet und ein sehr gutes Futtergras ist, denn es ist bestens für die Gewinnung von Heu und Silage - das ist ein Sauerfutter - geeignet. Die Quecke gehört ebenfalls zu dieser Gruppe. Sie wird als lästiges Unkraut angesehen, weil das Gras Erdsprösser, das sind unterirdische Ausläufer, bildet, die meterweit den Erdboden durchziehen und einfach neue Pflanzen austreiben können. An Wegrändern findet man sehr häufig ein grannenbewehrtes Gras, das der Gerste ähnelt: die Mäusegerste. Hundehalter sollten darauf achten, dass ihr geliebter Gefährte nicht die scharfen Grannen eintritt, denn diese können durch den Körper des Tieres wandern.   Zu den Ährenrispengräsern gehört die grüne Borstenhirse. Es ist ein an Wegrändern zu findendes Gras, das lediglich als Vogelnahrung bedeutsam ist. Da die Entwicklungszeiten der beiden nachfolgenden Gräser abgeschlossen ist, muss ich sie dir herbarisiert zeigen. Zunächst der Wiesenfuchsschwanz und hier das Lieschgras. Beide Gräser sind gute Futterpflanzen und Heugräser, denn sie haben einen hohen Nährwert.   Das Wiesenrispengras gehört, wie der Name es sagt und wie es am Blütenstand zu erkennen ist, zu den Rispengräsern. Es bildet eine dichte Grasnarbe und man findet es auf Fußballplätzen genauso, wie im Parkrasen. Da es unterirdisch kriechende Ausläufe ringsum ausbildet (sie sind hier durch Pfeile gekennzeichnet und als Erdsprosse bezeichnet), vernetzt es Nachbarpflanzen und andere Grassorten miteinander und verfestigt somit den Rasen. Als häufig vorkommende Wiesenpflanze ist es für die Tiere ein vorzügliches Futter. Ebenfalls als Futterpflanze wird das Knäuelgras in Rein- oder Mischkultur - also mit anderen Pflanzen zusammen - angebaut. Mitunter sieht man es an Weg- und Straßenrändern.   So, für heute möchte ich mich verabschieden und ich hoffe, es hat dir gefallen. Tschüss, bis zum nächsten Mal, sagt Octavus.    

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